PC Medicus - Lecithin bei Colitis ulcerosa...

Bei all den „schweren Geschützen“, die zur Hemmung der Entzündung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen eingesetzt werden, stellt sich natürlich immer wieder die Frage: gibt es nichts Natürliches und Nebenwirkungsarmes, das zur einer Linderung der Symptome beitragen kann?

 

Natürlich stellt man sich die Frage in der Medizin und erst recht in der Naturheilkunde auch. Nebenwirkungsarme Therapien bedeuten nicht nur eine größere Sicherheit für den Patienten, sondern sorgen auch für eine höhere „Compliance“, also Akzeptanz bei den Betroffenen.

 

Seit einigen Jahren ist eine Substanz im Gespräch, die eigentlich mit ganz anderen gesundheitlichen Wirkungen in Verbindung gebracht wird…

 

Die Rede ist von Lecithin, das schon seit Jahrzehnten zur Nahrungsergänzung eingesetzt wird. Lecithin sorgt für eine reibungslose Übertragung von Nervenimpulsen. Der korrekte, wissenschaftliche Name lautet eigentlich Phosphatidylcholin. Es handelt sich um eine Phospholipid. Im Körper wird dieser Stoff zu Acetylcholin umgewandelt. Dieses wiederum ist an Denken, Merken und Koordination von Verstandesleistungen beteiligt.

 

Lecithin ist in Eigelb, Soja, Buttermilch, Nüssen und Hülsenfrüchten vorhanden. Lecithin wird normalerweise früh im Darm aufgenommen: bereits im oberen Dünndarm wird es absorbiert. Es wird auch schon lange – schon seit den achtziger Jahren – als Nahrungsergänzung eingesetzt, als man außerhalb der Spitzensportler-Szene an verzweigtkettige Aminosäuren nicht einmal dachte. Na, können Sie sich vielleicht noch an den Werbespot mit Vita Buerlecithin erinnern?

 

Doch jetzt wird der Darm in der Wissenschaft ja als das „zweite Gehirn“ bezeichnet!

 

Da drängt sich doch der Satz auf: „was für den Kopf gut ist, kann für den Darm nicht schlecht sein!“ – und so ist das in der Tat auch mit Lecithin. Nur dass dieses im Darm eine ganz andere Funktion hat als im Kopf. Lecithin baut eine Schutzschicht an der Darmschleimhaut auf. Diese Schutzummantelung schützt vor direktem Kontakt mit Bakterien und anderen Schadstoffen. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere bei Colitis ulcerosa, aber auch bei Morbus Crohn vom Ende des Dünndarms abwärts, ist diese Schutzschicht geschädigt, verdünnt oder fehlt.

 

An der Universität Heidelberg wird dieser Mechanismus schon seit Längerem untersucht. Die Frage stellt sich: wie kann man diese Schutzschicht wieder aufbauen bzw. die Schleimhaut des Darms mit Lecithin wieder aufbauen? Normales Lecithin funktioniert da nicht, da es, wie gesagt, bereits im oberen Dünndarmbereich aufgenommen wird.

 

Gefragt ist also ein „Lecithin-Retard“

 

Lecithin wird, wie gesagt, bereits in den oberen Schichten des Dünndarms aufgenommen und so in den allgemeinen Stoffwechselkreislauf integriert. Bei einem Verfahren, das es erst in tieferen Darmschichten freisetzt (man nennt dies „Retard-Verfahren“, aus dem Lateinischen beziehungsweise Englischen: „verspätet“) ist dies nicht der Fall. Wird Lecithin erst zum Ende des Dünndarms freigesetzt, verteilt es sich von da über diesen und den gesamten Dickdarm und verstärkt so die Schutzschicht der Schleimhaut.

 

Eine funktionierende und intakte Schleimhaut-Schutzschicht des letzten Dünndarmabschnitts (Ileum) und des Dickdarms ist ein wichtiger Schritt zu einem milderen Verlauf, weniger Krankheitsschüben und weniger Komplikationen. Natürlich können auf diesem Wege allein nicht alle Probleme gelöst werden. Dennoch ist das Verhältnis von „Aufwand“ – auch im Sinne einer stark wirksamen und dementsprechend mit starken Nebenwirkungen behafteten Medikation – zu „Ergebnis“ bei Phosphatidylcholin-Retard mehr als günstig. Der Wirkstoff ist gut verträglich, führt sehr selten zu harmlosen Nebenwirkungen, wie verstärkten Blähungen. In den klinischen Phase-1- und Phase-2-Studien wurde eine gute Wirksamkeit bescheinigt, die Krankheitsaktivität unter hoher Dosierung verringerte sich bei Colitis-Patienten um die Hälfte.