Update zu Kappaproct

Fakt ist: es werden immer mehr so genannte Biologicals zur Therapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zugelassen. Zuletzt hatte ich eine Patientin, die auf „Xeljanz“ eingestellt war – eine Substanz, von der ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich bisher noch nie etwas von ihr gehört habe. Es handelt sich um den arzneilichen Wirkstoff „Tofacitinib“, der seit Mai 2018 zugelassen ist und die so genannte Janus-Kinase blockiert.  

 

Trotz der „passenden“ Endung wird der Wirkstoff nicht wirklich als Biological klassifiziert. Das dazu.

 

Kappaproct: deutschsprachige Infos nach wie vor Mangelware!

 

Wenn ich den Namen bei Google eingebe, stoße ich auf Seite 1 gerade mal auf einen deutschsprachigen Eintrag: meinen Eintrag. Das Problem: allzu viele Informationen enthält er auch nicht, zudem ist er von 2012. Das ist das erste Jahr, in dem Kappaproct als Arzneimittel in der deutschen Presse Erwähnung fand (es existieren einige weitere Seiten, viele sind es nicht) – alle nur mit grundlegenden Informationen.

 

Kappaproct hemmt den Toll-Like Receptor 9 (TLR-9)

 

Der TLR-9 (Toll-Like Receptor 9) ist so etwas wie eine Art „Detektiv“ im unspezifischen Immunsystem. Er agiert innerhalb der Zellen, oder spezifischer im Endoplasmatischen Retikulum. Da ich selbst durch die Wissenschaft, die dahinter steht, nur teilweise durchsteige, versuche ich es mal laienhaft auszudrücken:

 

Bakterien und Viren enthalten DNA, also Erbgut-Informationen. Sie brauchen diese, um sich zu teilen. Einige dieser DNA-Bruchstücke veranlassen das menschliche Immunsystem zu einer Entzündungs- und Abwehrreaktion. Diese Bausteine nennt man dann pathogen, also schädigend. TLR-9 ist der Baustein des Immunsystems, der diese DNA-Bruchstücke sozusagen „aufstöbert“.

 

Dadurch wird die Produktion von Klasse-1-Interferonen und entzündungsfördernden Immunbotenstoffen (Zytokinen) veranlasst. Diese wiederum lösen dann die spezifische Entzündungsreaktion aus.

 

Aus diesen Reaktionen kann man sich ausrechnen, was Kappaproct macht: es ist ein „indirektes Immunsuppressivum“. Das hat zwei Seiten.

 

Die eine Seite: Es muss von vornherein eine „Infektion“ irgendeiner Art vorliegen, wobei die Wirkung allerdings viel tiefer und subtiler ist als bei einer offensichtlichen Infektion, wie beispielsweise einer Grippe. Die Teile der DNA werden an oder gar in der Zelle aktiv stören bestimmte Stoffwechselabläufe, an denen das endoplasmatische Retikulum ja beteiligt ist. Darauf reagiert das Immunsystem. Und zwar im Gegensatz zu einer „normalen“ Infektion mit chronischen Zuständen. Sozusagen ein Stellungskrieg im Immunsystem.

 

Die andere Seite: Diese Reaktionen sind zwar sehr unangenehm, aber in einem biologischen Sinne gesehen notwendig. Allerdings können sie eines meist nicht leisten: die Situation klären. Es handelt sich um chronische Entzündungen, die sich (dann, infolge der Zytokine) meist organspezifisch manifestieren. Die bekanntesten und am besten untersuchten sind:

 

·       Lupus erythematodes

 

·       Rheumatoide Arthritis

 

·       Psoriasis-Arthritis und

 

·       Colitis ulcerosa

 

Kappaproct unterbindet in diesem Sinne die so genannte First line defense des Immunsystems gegen giftige Stoffwechselprodukte von Bakterien und Viren. Die Symptome der chronischen Entzündung lassen nach (verschwinden günstigenfalls). Allerdings kann Kappaproct eines nicht leisten: nämlich die Stoffwechselprodukte und DNA-Bruchstücke zu bereinigen oder wenigstens zu neutralisieren. Daraus erklären sich übrigens die Nebenwirkungen von Kappaproct, denn diese Dinge belasten den Körper und den Stoffwechsel dann noch immer.

 

Alternativen zu Kappaproct

 

Es wird Sie eventuell interessieren, dass eine natürliche Substanz, die als Nahrungsergänzung erhältlich ist, ebenfalls TLR-9 dämpft (natürlich nicht in dem Ausmaß): es handelt sich um Lactoferrin, der bei CED ebenfalls als Entzündungsmarker benutzt wird, aber durchaus auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat! (s. Quelle)

 

Quellen:

 

https://www.sciencedirect.com/topics/neuroscience/tlr9

https://selfhacked.com/blog/lactoferrin/

https://www.crohn-colitis-online.de/2012/10/29/colitis-ulcerosa-was-ist-kappaproct/

 

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