Positiver Zellstress fuers Immunsystem bei CED?

 

Die meisten kennen diese Weisheit: „Wasser ist lebensnotwendig – doch man kann auch darin ertrinken!“ Tatsächlich haben viele Dinge im Alltag eine Wirkung, die in beide Richtungen geht: das Messer kann Brot schneiden, aber auch jemanden verletzen, usf.

 

Diese zwei Seiten einer Medaille weist offensichtlich auch ein bestimmter Mechanismus des Immunsystems in der Darmschleimhaut auf, der auf Stress reagiert. Vor Kurzem wurde bei Studien der Funktionalität der Darmschleimhaut festgestellt, dass es an der Oberfläche der Schleimhautzellen des Darms einen Schutzmechanismus gibt, der ausgerechnet bei Zellstress („oxidativem Stress“) in Gang gesetzt wird.

 

Das endoplasmatische Retikulum der oberflächlichen Schleimhautzellen des Darms birgt einen Schutzmechanismus bei Stress

 

Das endoplasmatische Retikulum ist ein Teil der Zelle, der für Produktions- und Speicheraufgaben zuständig ist. Es werden dort zum Beispiel Proteine, Fette und Steroide gebildet bzw. gespeichert. Bei den Zellen an der Oberfläche der Darmschleimhaut kommt dem endoplasmatischen Retikulum offensichtlich noch eine weitere Aufgabe zu. Kommt es zu Stress an der Oberfläche der Schleimhaut, regt dieser Teil der Zelle die Bildung von sekretorischem Immunglobulin A (sIgA) an.

 

Sekretorisches IgA ist Teil der unspezifischen Abwehr (mehr zu dem Thema: hier klicken) und schützt den Darm vor Erregern und Toxinen. Es leistet einen Beitrag dazu, dass Schadstoffe nicht tiefer in die Darmschleimhaut oder gar ins darmassoziierte lymphatische System eindringen können. Insofern könnte zumindest theoretisch bei einer bestehenden Entzündung das erwähnte endoplasmatische Reticulum das Schlimmste verhindern.

 

Die Frage ist natürlich: was hat ein Betroffener davon?

 

Nachdem ich im Laufe der Jahre viele Hunderte Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beobachtet und behandelt habe, bin ich mir sicher: dieser Mechanismus funktioniert bei einigen gut, bei anderen eher nicht so gut. Woran das liegt, bleibt sicherlich einer genauen Untersuchung vorbehalten. Aber wie das so ist in der Medizin: entdeckt man einen bestimmten Mechanismus des Immunsystems, geht man davon aus, dass jeder ihn hat - und wenn nicht, dass „ein Gendefekt“ vorliegt.

 

Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass eine sehr langfristige Therapie mit Cortison diesen Mechanismus ändern kann. Aber ohne mich tiefer in diese Materie einzuarbeiten, möchte ich mich nicht allzu sehr auf Spekulationen einlassen.

 

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