Aeltere Patienten mit chronisch-entzuendlichen Darmerkrankungen

Vor einigen Wochen brachte die „Pharmazeutische Zeitung“ einen Artikel heraus, was bei älteren CED-Patienten zu beachten ist. Ich möchte diesen hier kurz zusammenfassen und ergänzen, wie es aus Sicht eines Heilpraktikers aussieht und was man in der Naturheilkunde beachten sollte.

 

Problematisch und anders: die Differentialdiagnose bei älteren Patienten

 

Laut PZ sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bei älteren Patienten wesentlich schwerer zu diagnostizieren. Die klassischen Symptome krampfartige Bauchschmerzen, blutige Stuhlgänge und Durchfall lassen zunächst den Rückschluss auf viele andere Magen-Darm-Erkrankungen zu, die mit hohem Alter assoziiert sind: beispielsweise Divertikulitis und  Darmkrebs.

 

Oft dauert es länger, bis die Krankheit erstmalig richtig diagnostiziert ist. Rund 15 Patient aller erst diagnostizierten von Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa seien nach Angaben der Gemeinschaft der Gastroenterologen in Deutschland älter als 65 Jahre. Insgesamt seien etwa 30 % aller Patienten älter als 65.

 

Bei den Untersuchungen könne es auch zu Nebenbefunden kommen, so die PZ.

 

Therapie: von Kortisonpräparaten wird abgeraten, Kombinationen von Immunsuppressiva können problematisch werden

 

Auf die langfristige Therapie älterer Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gestaltet sich erheblich schwieriger als bei jungen Patienten. Das Stichwort lautet „Komorbidität“. Das bedeutet, dass der Betroffene mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichzeitig unter weiteren Erkrankungen leidet. Meist sind dies degenerative Leiden, die ungünstig auf Kortisonpräparate reagieren. Beispiele sind Osteoporose und Diabetes.

 

Liegt eine dieser Erkrankungen vor, sollte man Kortisonpräparate so gut wie es geht vermeiden. Die therapeutischen Leitlinien und Empfehlungen sind insgesamt nicht anders als bei jungen Patienten: Ziel sind die möglichst lange Erhaltung einer Remission nach einen möglichst schnellen Erreichen derselben.

 

Insbesondere bei Immunsuppressiva muss man auf weitere bestehende Erkrankungen und die Einnahme von weiteren Medikamenten achten. Problematisch ist die Kombination von Azathioprin und Allopurinol. Unter der Kombination dieser Arzneimittel kann die „Thiopurin-Konzentration“ so hoch werden, dass das Knochenmark geschädigt werden kann. Weiterhin sind die Risiken für Lymphome, Leukämien aber auch solide Tumoren bei der immunsuppressiven Therapie bei älteren Personen wesentlich erhöht.

 

Als weitere Risiken werden Mangelernährung und schwere Infektionskrankheiten in der Vorgeschichte angegeben. Erhöht dürfte auch das Risiko für die echte Grippe oder der immunsuppressiven Therapie sein. Möglicherweise sind bakterielle Infektionen ein weiteres, potentielles Risiko.

 

Älteren Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in der Naturheilkunde

 

Auch in der Naturheilkunde müssen wir das Lebensalter mit in die Therapie einbinden. Wenn ich „typische“ (wenn man dies überhaupt so nennen kann) Patienten mit etwa 20 Jahren und 65 Jahren nebeneinander stelle, ergeben sich dabei meiner Beobachtung nach häufig folgende Unterschiede:

 

  • Patienten mit höherem Lebensalter sprechen in aller Regel schlechter auf eine spezielle Ernährungstherapie an. Andersherum formuliert: es macht einen geringeren Unterschied, ob der älteren Patient eine bestimmte Form von Diät einhält oder nicht.
  • Im Gegenzug spielen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und vor allen Dingen Allergien beim Entstehen bzw. beim Erhalt der Krankheit eine geringere Rolle als bei jungen Patienten.
  • Patienten ab 65 sprechen häufig wesentlich träger auf eine immunsuppressive Therapie an.
  • Organische, chronische Erschöpfungszustände wie beispielsweise eine Erschöpfung der Nebennierenrinde treten bei älteren Patienten seltener auf als bei jungen.
  • Häufiger tritt eine relative Verdauungsschwäche auf, die enzymatisch bedingt ist. Vor allen Dingen sind betroffen der Magen und die Bauchspeicheldrüse.
  • Leider musste ich gerade bei älteren Personen schon ab und zu beobachten, dass hinter der Magen-Darm-Symptomatik ein verheimlichtes Alkoholproblem steht. Verallgemeinern kann man dies natürlich nicht!
  • Medizinische Darmbakterien, so genannte Probiotika, verstärken die Probleme häufiger bei alten Leuten als dass sie sie lindern. Auch wenn der medizinische Einsatz von Probiotika bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen generell nicht unproblematisch ist und bei weitem nicht immer von Erfolg gekrönt, ist die Bilanz bei älteren Personen insgesamt ungünstiger als bei jungen.
  • Bei einer Entgiftungstherapie muss man das unspezifische Immunsystem bei älteren Leuten stärker anregen als bei jüngeren, um einen Effekt zu erzielen.
  • Bei manchen älteren Personen bringt es Vorteile, durch so genannte Methylierer den Homocysteinspiegel zu senken, z.B. S-Adenosylmethionin und / oder aktivierte B6 / B12 / Folsäure.
  • „Therapierefraktäre“ Patienten sind im höheren Lebensalter häufiger. Sie sprechen nicht oder nur wenig auf die medizinische Standardtherapie an, insbesondere auf Biologika.
  • Zu guter Letzt: man muss immer daran denken, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen andere Krankheitszustände verstärken kann. Das gilt besonders für Aminosäuren, Spurenelemente und B-Vitamine, die häufig deutlich schlechter resorbiert werden als bei jüngeren Personen im Verhältnis!

 

Quellen:

 

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2018-09/colitis-und-m-crohn-was-bei-aelteren-patienten-zu-beachten-ist/

Eigene Erfahrungen

 

 

 

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