Welche Naturheilmittel aus einer Kortisonabhängigkeit helfen können

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Kortisonabhängigkeit ist eines der schwierigsten Hindernisse auf dem Weg zu einer auch nur akzeptablen Gesundheit. Vor allen Dingen für einen Therapeuten, der keine rezeptpflichtigen Medikamente verordnen darf.

 

Der Grund ist einleuchtend: während viele moderne Medikamente bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sehr gezielt die Entzündung beseitigen sollen, ist es das gute alte Kortison, dass am wahrscheinlichsten hilft, aus einem Schub herauszukommen. Deswegen wird es immer wieder eingesetzt, auch von Patienten in eigener Regie.

 

Die „Schwellendosis“ Kortison wird unterschritten - Schub!

 

Dabei läuft immer wieder das gleiche Spiel ab: Kortison wird reduziert, weiter reduziert. 25 mg, 20 mg, 15 mg pro Tag. Als wäre es Hexenwerk, stellt sich der Schub ab einer bestimmten Dosis (abhängig vom Patienten) wie aus dem Nichts mit voller Härte ein: sozusagen von zwei auf 10 Stuhlgänge pro Tag - und das binnen eines Tages! Die so genannte Schwellendosis ist dabei unterschiedlich. Nicht immer findet sich die magische Grenze zwischen den erwarteten 10 mg und 7,5 mg pro Tag. Ich habe im Laufe meiner Arbeit als Praktiker schon Patienten kennen gelernt, die bereits ab 30 mg Kortison täglich in einen Schub „schlittern“ - und die über Jahre hinweg versucht haben, Kortison ausschleichen.

 

Beim Thema Kortison gibt es nichts zu beschönigen…

 

Wie schon gesagt: Kortisonabhängigkeit ist so ziemlich mit das Schlimmste, was den ganzheitlich orientierten Therapeuten und Heilpraktiker passieren kann. Es gibt daher nie eine Erfolgsgarantie. Es gibt allerdings einige viel versprechende Naturheilmittel und Protokolle, die den Ausstieg aus der Kortison-Spirale leichter machen. Trotz dieser Helferlein ist allerdings von Seiten des Patienten viel Geduld und Beharrungsvermögen gefragt. Vom Therapeuten oder Heilpraktiker hingegen, dass er immer noch eine oder zwei Maßnahmen in der Hinterhand hat…

 

Was hilft bei Kortisonentzug? Hier meine persönliche Liste!

 

  • Erstens: vor Erreichen der Schwellendosis die „bewährte“ Schonkost einhalten:

Die aus meiner Sicht für den Patienten wichtigsten Maßnahme: liegt man etwa 5-10 mg über der Schwellendosis, sollte man auf seine bewährte Schonkost übergehen. Bewährt heißt: was sich im individuellen Falle für den Patienten am besten erwiesen hat, um auch einen Schub abzuwenden bzw. in der Intensität zu verringern. Wenn Sie Ihren Schwellenwert bei sagen wir 15 mg haben, beginnen Sie bei 25 mg, auf die für Sie am günstigsten empfundene Schonkost überzugehen: besonders wichtig ist die Reduktion von Zucker, möglichst auf null. Wenn überhaupt, soll nur gut verträgliche Früchte verzehrt werden (wie beispielsweise Heidelbeeren). Erhöhen Sie bei Ihrer Ernährung unbedingt den Anteil von Omega-3-Fettsäuren! Am besten durch eine Nahrungsergänzung.

 

  • Zweitens: afrikanischer Weihrauch (Boswellia carterii)

Meine bisherige Erfahrung ist die: ab etwa 800 mg des reinen Wirkstoff entfaltet der afrikanische Weihrauch eine therapeutische Wirkung. Bis zu 2000 mg täglich machen Sinn. Darüber wird es allerdings zäh. Eine weitere Steigerung der Dosis lohnt sich nur bedingt. Meiner Erfahrung nach können 2000 mg des reinen Wirkstoffs von afrikanischem Weihrauch etwa 15-20 mg systemisches Kortison, beispielsweise Prednisolon ersetzen. Das trifft leider nicht auf jeden zu, aber 60-70 % können davon profitieren. In die Röhre schaut allerdings der, der seine Schwellendosis bei einer höheren Kortison-Dosierung hat.

 

  • Drittens: Vitaminmischungen zur Stärkung der Nebennieren

Manche Hersteller von Nahrungsergänzungen haben gezieltere Formulierungen für diesen Zweck entwickelt: es handelt sich meist um Kombinationen von B-Vitaminen, Vitamin C und bestimmten Aminosäuren (Taurin, Thyrosin), Magnesium und eventuell einigen Spurenelementen. Man erkennt solche Mischungen meist, da sie den lateinischen Namen für die Nebennieren zum Teil erhalten: Adre… (Produktnamen kann ich hier leider nicht nennen!)

 

  • Viertens: Katzenkralle

Katzenkralle ist eine tropische Pflanze, die verschiedene Entzündungswege hemmt, unter anderem auch das berühmte-berüchtigte TNF-alpha. Sie wirkt hauptsächlich besänftigend auf die zelluläre Abwehr. Man kann sie als Tee trinken oder als Nahrungsergänzung einnehmen.

 

  • Fünftens: Curcumin

Stellvertretend für alle Ingwergewächse möchte ich an dieser Stelle das Kurkumin nennen. Nicht nur das Kurkumin selbst, sondern auch andere Ingwergewächse wie der Ingwer selbst und Galgant hemmen die Entzündung und besänftigen teilweise auch den Darm (Galgant). Letzterer ist auch als Tee empfehlenswert. Und wo wir gerade bei Tee sind…

 

  • Sechstens: grüner Tee-Extrakt

Ich möchte die Liste nicht allzu lang werden lassen, doch einige Kandidaten muss ich schon noch nennen. Auch der Inhaltsstoff von grünem Tee, dass Epigallocatechingallat, wirkt über ähnliche immunologische Pfade entzündungshemmend wie Prednisolon. Die Wirkung ist allerdings nicht gewaltig und ich empfehle, sich nicht allein darauf zu verlassen.

 

Weitere, infrage kommenden Nahrungsergänzungen:

 

  • Süßholz
  • Ginseng und sibirischer Ginseng
  • Vitamin D
  • Resveratrol
  • Enzyme, vor allen Dingen Bromelain

 

Homöopathie zum Entzug von Prednisolon?!

 

Ich bin, wie meine Patienten wissen, ein ganz großer Homöopathie-Fan. Meine Patienten staunen oft über meine seltsamen Verordnungen ;-) …

 

Davon gehe ich auch nicht ab. Allerdings: nicht zweckgebunden zur Reduktion von Prednisolon oder anderen Kortison-Derivaten! Vor allen Dingen muss ich diejenigen (auch Therapeuten) warnen, die meinen, mit homöopathischen Kortison das Medikament Kortison ausschleichen zu können! Dies ist ausdrücklich nicht der Fall! Kortison auf homöopathischer Ebene hat völlig andere Wirkungen (versuchen Sie es mal zur begleitenden Therapie bei bestimmten Formen von Diabetes und metabolischem Syndrom!).

 

Wird auf der anderen Seite durch die Reduktion von Kortison bzw. Prednisolon eine Schub-Intensität erreicht, aus der sich ein definitives homöopathisches Arzneimittelbild ableiten ließe (ich bin dabei öfter, aber natürlich nicht immer auf das Mittel Colchicum gekommen!) Sind die Symptome meist so dramatisch, dass der Patient (leider) von sich aus wieder zu Kortison greift…

 

Ich beschränke daher die homöopathische Behandlung mittlerweile auf die in der Anamnese ermittelten Ursachen der Erkrankung und setze Nahrungsergänzungen und Naturheilmittel begleitend ein, um die Patienten durch die verschiedenen Stadien von Symptomen zu bringen. Oder für Homöopathen, frei nach Boenninghausen: „gehen wir dazu über, die Ursachen zu behandeln und nicht die Symptome!“

 

Fazit? Vielleicht liest der ein-oder andere Heilpraktiker diesen Blog und weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Patienten mehrere Anläufe benötigen, um aus einer Kortisonabhängigkeit herauszukommen. Ich kann davon mittlerweile ein Lied singen. Einige Heilpraktiker, die ich kenne, lehnen bzw. lehnten daher die Behandlung von Patienten unter Kortison ab. Aber das Leben ist nun mal leider kein Wunschkonzert…

 

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