"Revestive" - was ist das?

Auf die Idee, darüber zu schreiben, bin ich nicht selbst gekommen. Manchmal gibt es gute Patientenhinweise oder wie in diesem Fall, von einer guten Freundin.

 

Hormone sind unsere Freunde!

 

Hormone regulieren nahezu jeden erdenklichen Stoffwechselvorgang. Auch und gerade, wenn es um die Verdauung geht. Die Peristaltik, die Ausschüttung von Enzymen und die Resorption von Nährstoffen wird durch Hormone und Peptide reguliert. Letztere werden zum Beispiel therapeutisch auch bei Diabetes Typ 2 eingesetzt, um die Aufnahme von Zucker im Dünndarm zu verzögern und damit ebenfalls den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit zu verringern und, wie ich es immer so schön formulieren, zu „strecken“.

 

Diese Art von Therapie läuft nicht ohne Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt ab. Anwender berichten von verstärken und diffusen Blähungen, Völlegefühl und Stuhlunregelmäßigkeiten.

 

Das vegetative Nervensystem, das Verhältnis von Sonne und Base im Verdauungstrakt und die Geschwindigkeit der einzelnen Schritte der Verdauung am einen Einfluss auf diese Hormone, die wiederum die Resorption der Nahrungsbestandteile im Darm koordinieren und so für einen harmonischen Ablauf des Ganzen sorgen.

 

Als dieser Hormone ist das so genannte Glucagon-Like Peptide, kurz: GLP. Es verbessert die Resorption von Nahrungsbestandteilen im Darm. Grund genug, ein Präparat zu entwickeln, dass dieses GLP täuschend echt nachahmt.

 

Revestive oder Teduglutid ist ein solcher „Nachahmer“

 

Nachahmer werden in der Medizin „Analoga“ genannt: Isotretinoin ist ein „Nachahmer“ von Vitamin A, Methotrexat ist ein „Nachahmer“ von Folsäure (es sind wahrlich keine harmlosen Stoffe!) und Teduglutid (oder „Revestive“) ist so ein „Nachahmer“ von GLP.

 

Solche Arzneimittel besitzen die Fähigkeit, sich auf die gleichen Rezeptoren zu setzen und die Funktion des ursprünglichen Stoffs entweder zu hemmen (wie beim Methotrexat oder beim Isotretinoin) - oder nachzuahmen. Letzteres macht das Teduglutid.

 

Damit ist es sicherlich kein Freund von übergewichtigen Personen, kann aber Patienten mit einem so genannten Kurzdarmsyndrom helfen, weniger oder (selten) gar nicht auf eine so genannte parenterale Ernährung, also Nährstoffinfusion, angewiesen zu sein. Besonders Patienten mit einer Dünndarmlänge, die unter 100 cm liegt, entwickeln häufig ein Kurzdarmsyndrom. Dadurch verlieren sie den Großteil ihrer Nährstoffe, zudem Flüssigkeit und Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium, Natrium und Calcium. Elektrolyt-Ungleichgewichte, damit Krämpfe, Schwäche und Abmagerung sowie schwerste Erschöpfung sind die Folge.

 

Daher sind Patienten mit Kurzdarmsyndrom fast immer auf Nährstoffinfusionen angewiesen.

 

Eine 2012 durchgeführte Studie des Herstellers sagt aus, dass die Notwendigkeit für Nährstoffen Infusionen bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom im Durchschnitt um etwa ein Drittel reduziert werden konnte.

 

Einen Preis gibt es jedoch immer…

 

Das ist bei vielen Medikamenten nicht anders: Hormone und hormonähnliche Substanzen wirken immer in viele unterschiedliche Richtungen. Eine wichtige Nebenwirkung von Teduglutid ist die Schwellung der Mukosa, also der Darmschleimhaut. Diese geht mit verschiedensten Erscheinungen einher: beispielsweise Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen und Brechreiz. Die Ausbildung von Polypen kann verstärkt werden. Patienten mit Magen-oder Darmkrebs in der Vorgeschichte sollten das Präparat nicht anwenden. Detailliert über Nebenwirkungen informiert die Seite des Herstellers (siehe Links)

 

Quellen:

 

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52871/Teduglutid-Hormon-lindert-Kurzdarmsyndrom 

https://compendium.ch/mpubAIPS/sm/65739/de?start=1 

https://www.shire.de/-/media/shire/shireglobal/shiregermany/pdffiles/product%20information/fi-revestive.pdf 

http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002345/WC500132926.pdf

 

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