Chronisch-entzuendliche Darmerkrankungen bei Kindern: Verdachtshinweise

Ich wünschte natürlich, ein solcher Blogbeitrag werden gar nicht nötig. Aber leider darf sich heute niemand mehr sicher wähnen. Eine Leidensgeschichte bezüglich chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen bei Kindern beginnt häufig damit, dass Eltern irgendwelche Veränderungen an ihren Kindern feststellen. Ich habe aus meiner mittlerweile Siebzehnjährigen Praxiserfahrung einmal die wichtigsten zusammengetragen:

 

Wachstumsverzögerung bzw. Wachstumsstopp

 

Das Gefühl, dass die geistige Entwicklung zwar unvermindert weitergeht, die körperliche Entwicklung sich jedoch verlangsamt, kann der Erstdiagnose oft mehrere Jahre vorausgehen - und zwar ohne dass sich irgendwelche Symptome am Darm selbst zeigen. Hier hat man es eventuell einer Schleimhautatrophie zu tun, wobei die Verdauungsleistung langsam und unmerklich sinkt. Dieser Zustand, beispielsweise ein Leaky-Gut-Syndrom, kam (zunächst) ohne offensichtliche Entzündung einhergehen, die körperliche Entwicklung jedoch beeinträchtigen.

 

Auffallende Stille und Zurückgezogenheit

 

Auch das gibt es in der Vorgeschichte von Morbus Crohn, gelegentlich auch von Colitis ulcerosa. Das psychische Befinden wird maßgeblich vom enterischen Nervensystem mit beeinflusst. Auch können bestimmte Nährstoffe fehlen, die die Vorstufe von Hormonen darstellen, beispielsweise Dopamin oder Serotonin. Was ich auch schon erlebt habe: die Psyche des Kindes wurde durch die Einnahme von Medikamenten beeinflusst, die im Nachhinein erwiesenermaßen den Darm geschädigt haben.

 

Juckreiz, Hautrötung, flächige Ekzeme

 

Solche Erscheinungen sind häufig ein Hinweis auf den Mangel von sekretorischem Immunglobulin A, was sie Darmschleimhaut anfällig macht und die Darmbarriere schwächt. Natürlich kann auf diesem Wege auch eine Atopie beginnen, also eine Entwicklung zu Allergie oder Neurodermitis hin.  Hierüber entscheidet die grundsätzliche Veranlagung des Immunsystems.

 

Zunehmende Blässe und Apathie

 

Auffällig ist darüber hinaus, wenn das Kind bei ansonsten normaler Entwicklung zunehmend blass wird und seinen Bewegungsdrang verliert. Dies kann ein Hinweis sein darauf, dass die Eisenaufnahme im Darm gestört ist und es zunehmend zu Anämie, also Blutarmut kommt.

 

Gelenkbeschwerden und Schmerzen an den Sehnen

 

Besonders wenn beispielsweise ein Knie von den Beschwerden betroffen ist und die körperliche Belastbarkeit sinkt, aber auch wenn diffuse Muskel- und Sehnenschmerzen auftreten. Ein dringender Verdacht Hinweis ist es, wenn die Gelenkschmerzen entzündlicher Natur sind, d.h. mit Schwellung, Überwärmung und eventuell Röte einhergehen.

 

Ein Hinweis zur Krankheitsentwicklung und zu den Verdauungssymptomen

 

Meiner Beobachtung nach in den letzten Jahren treten vor allen Dingen bei Kindern die ersten Hinweise auf das vorliegen einer chronischen Darmentzündung eher selten am Verdauungstrakt direkt in Erscheinung. Ein Zeichen dafür, dass die nachlassende Gesundheit des Darms sich auf viele Körperregionen auswirken kann. Vor allen Dingen betroffen sind die Haut, die Schleimhäute der Atemwege, das Blutbild, die Gelenke, der Hormonhaushalt und das Wachstum. Meiner Erfahrung nach treten diese Erscheinungen meist 2-3 Jahre, gelegentlich bis zu fünf Jahren vor Beginn der ersten klassischen Verdauungssymptome in Erscheinung.

 

Wie soll man bei den oben genannten Erscheinungen am besten vorgehen?

 

Meiner Meinung nach ist es das beste, das Kind bei einem Allgemeinarzt vorzustellen und ein rotes sowie ein weißes Differenzialblutbild und unspezifische Entzündungswerte bestimmen zu lassen. Wird man hier fündig, empfehle ich eine Stuhluntersuchung auf Calprotectin. Falls eine Entzündung jedoch auszuschließen ist, empfehle ich entsprechende Untersuchungen auf (IgE-Vermittelte) Allergien sowie (wahrscheinlicher) Nahrungsmittelunverträglichkeiten!

 

Quelle:

 

Eigene Beobachtungen und Erfahrungen.

 

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