Sekretorisches Immunglobulin A und seine Bedeutung für CED

Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden in aller Regel bei der Suche auf Antworten Laborwerte bestimmen lassen, für deren Kosten sie aus eigener Tasche aufkommen müssen. Dazu gehören auch Analysen zur Bestimmung der Mikroökologie des Darms.

 

Neben den verschiedenen Bakterienstämme, ihre Anzahl und ihr Verhältnis zueinander, werden gerne auch immunologische Parameter bestimmt. Einer dieser Parameter ist das sekretorische Immunglobulin A, abgekürzt: sIgA.

 

Es ist ein Teil des Immunsystems der Schleimhäute und sozusagen eine Art Schutzfilm, der schädliche Bakterien, aber auch problematische Nahrungsbestandteile bindet und - im Falle des Darms - mit der natürlichen Peristaltik abtransportiert. Ich beschäftige mich mit dem sekretorischen Immunglobulin A aktuell gerade im Rahmen meine eigenen Forschungen zum Thema Ernährung. Gerade in Bezug auf immunologische Parameter hat sich mein Bild von der „richtigen“ Ernährung besonders bei Darmproblemen täglich in den letzten Jahren erheblich erweitert.

 

Immunglobulin A wird im Blut getestet, sekretorisches Immunglobulin A hingegen entweder Speichel oder Stuhl. Unabhängig voneinander können diese Werte sehr verschieden sein. So kann es sein, dass einer dieser Werte vollkommen normal ist, der andere hingegen nicht. Ich erinnere mich in meiner Kindheit - das war vor meiner eigenen Morbus Crohn-Zeit - einen Speicheltest gemacht zu haben, anhand dessen die Funktion des Immunsystems bewertet wurde. Die Färbung rangierte zwischen sehr blass gelb und fast schwarz, und die Skala wurde in 15 Punkte aufgeteilt - ähnlich wie bei den Schulnoten in der Oberstufe. Die 15 entsprach dabei einer „1+“ oder einen hervorragend funktionierenden Immunsystem, die 1 hingegen war die schlechteste Note, korrespondierend mit einem sehr schwachen Immunsystem. Ich hatte interessanterweise immer entweder 14 oder 15 in diesem Speicheltest.

 

Heute bin ich mir absolut sicher: über diesen Speicheltest wurde das sekretorische Immunglobulin A gemessen.

 

Was hat ein Mangel an sekretorischem Immunglobulin A zu bedeuten?

 

Grundsätzlich kann beides vorkommen. Sowohl ein Mangel als auch eine Erhöhung der Messwerte lassen bestimmte Schlüssel für das darmassoziierte Immunsystem so. Kommen wir zuerst zum Mangel.

 

Generell wird der Mangel mit einer Schwäche im darmassoziierten Immunsystem in Verbindung gebracht. Dieser Mangel findet sich bei Allergien, Atopie, manchen Formen des Reizdarms, recht häufig bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie bei anderen immunologischen Problemen rund um den Verdauungstrakt.

 

Ich habe bei meinen Recherchen folgendes herausgefunden: da sekretorisches Immunglobulin A so genannte Pathogene, also krank machende Substanzen, bindet, wirkt sich ein Mangel auch auf die Verträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelbestandteile aus. Vielleicht haben Sie sich schon einmal einem Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten von IgG-4-Typ unterzogen. Was sie vom behandelnden Arzt oder Heilpraktiker an die Hand bekommen haben, ist mit Sicherheit eine eindrucksvolle Liste von verschiedenen Nahrungsmitteln, die Sie (angeblich?) nicht vertragen. Und vielleicht haben Sie ja sogar die Erfahrung gemacht, dass sie einige dieser getesteten Nahrungsmittel durchaus recht gut vertragen. Mittlerweile kann ich Ihnen erklären, wieso das der Fall ist.

 

Um über den IgG-4-Test unverträgliche Nahrungsmittel entlarven zu können, brauchen Sie zwei weitere Parameter aus den Laborbefunden. Erstens: ist das sekretorische Immunglobulin A erniedrigt und zweitens: sind Sie ein Typ, der überwiegend über das zelluläre Immunsystem reagiert, ein so genannter „Th1-Typ“? Denn Immunglobuline vom Typ IgG-4 vermitteln mehr zeitverzögerte immunologische Reaktionen, die vom zellulären Immunsystem ausgehen. Sie spüren Sie in aller Regel auch nicht sofort anhand von Symptomen.

 

Was bedeutet das für Sie? Erstens: solange Sie ausreichend sIgA in Ihrer Darmschleimhaut haben, sind diese zeitverzögerten Nahrungsmittelintoleranzen ein nicht so großes Problem. Zweitens: selbst wenn die genannten Probleme auf Sie zutreffen, können sich die Reaktionen auf die unverträglichen Nahrungsmittel einige Tage, manchmal sogar ein bis zwei Wochen später anhand von einer subtilen Verschlechterung der Symptome bemerkbar machen.

 

Vielleicht ist das der Grund, warum diese Tests von wissenschaftlichen Medizin als wertlos angesehen werden. Aber darüber zu spekulieren, darin sehe ich nicht meine Aufgabe. Man muss sich eben etwas tiefer mit der Materie auseinandersetzen, um die Diskrepanz zwischen Laborergebnissen und subjektivem Befinden zu verstehen.

 

Außerdem wichtig: wie tickt ihr Immunsystem?

 

Sekretorisches Immunglobulin A wird als Teil des humoralen Abwehrsystems angesehen. Was ja grundsätzlich stimmt. Dennoch kann ein Mangel an diesen Immunglobulin sowohl die Konsequenz einer Reizung der humoralen Abwehr (beispielsweise einer Atopie, also Allergien, Neurodermitis und Asthma) sei als auch bei einer Unterdrückung der humoralen Abwehr zustande kommen.

 

Bei Ersterem stellt sich die Frage: was war zuerst da? Sozusagen eine klassische Henne-oder-Ei-Frage. Nach meinem gegenwärtigen Kenntnissen deutet vieles darauf hin, dass der Mangel an sIgA umweltmedizinisch bedingt ist und Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Atopie eine Konsequenz davon. Gleichzeitig ist dieser Mangel jedoch auch ein Symptom eines Ungleichgewichts in Immunsystem.

 

Ebenfalls nach meinem gegenwärtigen Erkenntnissen entscheidet die Art des Ungleichgewichts in Immunsystem typischerweise darüber, welche Nahrungsmittel nicht so recht vertragen werden. Bei einer Reizung der humoralen Abwehr sollten eher histaminreiche Nahrungsmittel und Histaminliberatoren vermieden werden, bei einer Dominanz der zellulären Abwehr eher die Lektine. Wobei es hier durchaus größere Überschneidungen gibt. Lektine werden darüber hinaus auch von manchen Atopikern nicht gut vertragen, wenn sIgA-Mangel besteht.

 

Was ist bei einem Überschuss an sIgA zu beachten?

 

Ein Überschuss an diesem Immunglobulin ist eher selten und kommt bei akuten Entzündungen vor. Ich bin beispielsweise so ein Typ, der eher zu einem Überschuss als zu einem Mangel neigt. Übrigens auch ein Grund, warum ich mittlerweile wieder quasi alles essen kann, ohne dass es Probleme macht. Tomaten, Paprika, ja sogar Salsa stellen für mich kein Problem mehr dar.

 

Auf der anderen Seite können erhöhte Werte aber auch ein klares Zeichen für „des Guten zu viel“ sein. Wenn das der Fall ist,  können Enzympräparate, die zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, Abhilfe schaffen. Auch eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren oder Krillöl ist erwägenswert.

 

Wie kann man erniedrigte sIgA-Werte wieder auf ein normales Level bringen?

 

Das ist eine der schwierigsten Aufgaben der modernen Naturheilkunde, man kann sich sehr gut verzetteln bzw. die Übersicht verlieren. Wichtig ist es zunächst einmal, umweltmedizinische Hintergründe aufzuklären und dementsprechend zu behandeln. Dazu zählen:

  • Erschöpfung der Nebennieren und der Schilddrüse (z.B. erniedrigter Spiegel an T3)
  • latente Virusinfekte
  • Belastungen mit Schwermetallen
  • Pilze, Parasiten, bakterielle Fehlbesiedlung
  • chronische Belastungen der Leber
  • Fehlernährung, neben der Belastung mit Histamin und Lektin auch zu viel Zucker, raffinierte Kohlenhydrate und Transfettsäuren
  • Chronic fatigue Syndrom

Als hilfreiche Nährstoffe werden die folgenden diskutiert:

  • Vitamin C
  • Zink
  • Die Vorstufen von Glutathion
  • verzweigtkettige Aminosäuren
  • Phosphatidylcholin
  • Gamma-Linolensäure, Omega-3-Fettsäuren
  • Cholin

Interessanterweise mit all diesen Stoffen auch die Aktivität des zellulären Immunsystems gefördert und die humorale Abwehr damit entlastet. Viele Heilpraktiker wenden darüber hinaus das so genannte Colostrum, auch Biestmilch genannt, an.

 

Apropos Milch…

 

Einer von mehreren Gründen, warum viele Allergiker, Atopiker und CED’ler keine Milchprodukte vertragen, ist das Fehlen von sIgA in pasteurisierter und / oder homogenisierter Milch bei gleichzeitiger „Belastung“ mit Lektinen, die oft in so genannter A1-Milch verstärkt vorkommen. Hier in Mitteleuropa geben fast alle Rinder, mit Ausnahme der so genannten Galloway-Rinder, überwiegend A1-Milch! „Fun Fact“ nebenbei: ich wohne in einem Ort, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft eine größere Herde mit Galloway-Rindern zu finden ist.

 

Rohmilch enthält noch natürliches sIgA, wirft allerdings andere Probleme auf, die man vor allen Dingen als sensible Person nicht ignorieren sollte. Ich sage immer: Sie sollten Vorzugsmilch nur dann zu sich nehmen, wenn Sie sowohl die Kuh, als auch den Bauern persönlich kennen – und eine wirklich optimale Haltung inklusive Grasfütterung und biologischer Aufzucht gegeben ist!

 

Quellen:

 

https://drhagmeyer.com/heal-your-gut-by-balancing-your-siga-levels/  https://www.foodsmatter.com/allergy_intolerance/miscellaneous/articles/siga_testing_treatment.html 

https://mybiohack.com/blog/siga-secretory-iga-glutamine-tgf-il-6-10-microbiome-homeostasis-inflammation-high-low 

https://www.superfoodly.com/foods-high-in-lectins/ 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5233583/ 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0