Morbus Crohn und das Eiweiß-Dilemma

Das Thema Ernährung mit Morbus Crohn ist schier zum Verrücktwerden. Auf der einen Seite rät der freundliche Arzt (mit ein bisschen Ahnung von Ernährung), langkettige Kohlenhydrate und vor allen Dingen Ballaststoffe zu reduzieren, Eiweiß aber vermehrt zu verzehren. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch überzeugende Studien, die die Krankheit zumindest zum Teil auf den Konsum von zu viel Eiweiß in der Langfrist zurückführen.

 

Und dann gibt es natürlich auch nicht wenige Ärzte, Therapeuten und Autoren aus dem alternativmedizinischen Bereich, die gerade bei Morbus Crohn (und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen im Allgemeinen) die „Steinzeit-Diät“ empfehlen, die von Hause aus eher reich an Eiweiß, vor allen Dingen tierischem Eiweiß, ist.

 

Viel Eiweiß bei Morbus Crohn: den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

 

Meine Idee von einer empfehlenswerten langfristigen Ernährung bei Morbus Crohn hat zum Beispiel bei der Natur und Heilen und beim Zentrum für Gesundheit viel Anklang gefunden. Da ich diese beiden Seiten bzw. Magazine gut kenne, liegt dies aber zum größten Teil daran, dass mein Ernährungsansatz eher auf der vegetarischen Seite angesiedelt war. Das Problem ist: ich kann meine persönlichen Erkenntnisse, mit denen ich bei meiner Erkrankung die besten Resultate erzielt habe, nicht auf jeden übertragen.

 

So wird es auch unabhängig von der Erkrankung an sich immer wieder Individuen geben, die eher eine eiweißreiche Ernährung für Ihre optimale Gesundheit benötigen, andere wiederum brauchen eine eher vegetarische orientierte, eiweißarme Ernährung.

 

Speziell bei Morbus Crohn gibt es allerdings ein Dilemma mit Eiweiß bzw. Protein. Hier die wichtigsten Probleme einmal kurz aufgelistet:

 

  • Durch den entzündeten Darm geht dem Körper vermehrt Eiweiß verloren. Deswegen benötigt er mehr…
  • Die Aufnahmekapazität für Eiweiß ist durch den entzündeten Darm - insbesondere, wenn der Dünndarm betroffen ist - allerdings erheblich reduziert.
  • (Relativ gesehen) zu viel Eiweiß bei reduzierter Verdauungstrakt des Dünndarms kann zu neuen Problemen im Darm führen: die Darmflora im Dickdarm verändert sich, was nicht selten zu einer sekundären Entzündung des Enddarms führt und ganz nebenbei bemerkt meiner Beobachtung nach das Risiko für Analfisteln steigert, ausgelöst durch eine Veränderung der Darmflora und die Stoffwechselprodukte der veränderten Bakterien.
  • Es gibt einige durchaus ernst zu nehmende medizinische Erkenntnisse, dass der Verzehr von tierischem Eiweiß die Entzündungsbereitschaft im Körper steigert. Hier gibt es allerdings auch einiges an Widersprüchen.

Allgemeine Tipps, um die Erkrankung Morbus Crohn über Ernährung zu managen

 

Die folgenden Tipps entstammen den klassischen Standard-Repertoire von Ernährungsberatern überall auf der Welt, wenn es darum geht, Morbus Crohn unter Kontrolle zu bekommen:

 

Ballaststoffe: möglichst im normalen Bereich während der Ruhephasen, reduziert während der Schubphasen (mein persönlicher Tipp dazu: reduzieren Sie, wenn Sie Symptome bemerken, zuerst die unlöslichen Ballaststoffe, wenn die Symptome sich nicht wieder reduzieren, dann auch die löslichen)

 

Fette: man sollte insgesamt mit Fetten eher zurückhaltend sein, dabei aber vor allen Dingen das Gleichgewicht zwischen Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren waren. Mittelkettige Fettsäuren sind eine sinnvolle Ergänzung. Transfettsäuren sollte man vermeiden.

 

Milchprodukte: Sie können problematisch sein. Lassen Sie diese einmal für kurze Zeit weg, um herauszufinden, ob es einen Unterschied macht.

 

Regelmäßig Essen: bei Morbus Crohn ist es sinnvoll, regelmäßig Mahlzeiten bei gleichzeitig moderater Kalorienzufuhr zu verzehren

 

Rohkost, Obst und Gemüse: die meisten Ernährungsberater empfehlen, Kerne, Samen und Schalen so weit wie es geht zu vermeiden (lektinarme Diät).

 

Elektrolyte und Wasser: bei Morbus Crohn wären diese Dinge sehr wichtig, da durch den häufigen Durchfall (aber auch durch die veränderte Aktivität der Lymphe) der Organismus beides verliert oder in eine Elektrolyt-Schieflage gerät. Stellen Sie eine hohe Zufuhr von Natrium, Calcium, Kalium und Magnesium sicher!

 

Eiweiß: die meisten Ernährungsberater empfehlen, nicht knausrig mit dem Eiweiß zu sein. Indes, es wird empfohlen, möglichst leicht verdauliche Eiweißquellen zu verzehren und zu jeder Mahlzeit ein moderate Menge zu sich zu nehmen. Portion Eiweiß sind hingegen für den Darm sehr belastend!

 

Nahrungsergänzung: als Basis wird eine möglichst breit gefächerte, natürliche Nahrungsergänzung empfohlen. Je nach individuellem Bedarf bzw. zur Erzielung bestimmter therapeutischer Effekte (Glutamin, Vitamin D, Zink z.B.) können einzelne Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente und andere Nährstoffe zusätzlich gezielt ergänzt werden.

 

Thema Eiweiß bei Morbus Crohn: mäßig, aber regelmäßig ist sicher sinnvoll

 

Kommen wir zurück zum Thema Eiweiß: den meisten Patienten empfehle ich - wenn ich nicht anhand einer Anamnese bzw. einer Untersuchung herausgestellt habe, dass Eiweiß sich insgesamt eher schädlich auswirkt - regelmäßig zu jeder Mahlzeit etwas Eiweiß zu verzehren. Eine kleine Menge Eiweiß zu jeder Mahlzeit des Tages ist sicherlich sinnvoller als eine große Menge Eiweiß zu einer Mahlzeit des Tages oder gar nur ein- bis zweimal in der Woche. Vor vielen Jahren habe ich selbst einmal geglaubt, dass es sinnvoll sei, nur einmal in der Woche Fleisch zu verzehren. Seitdem ich das System Metabolic Typing kennen- und erlernt habe, bin ich von dieser Sichtweise abgerückt. Der Körper kann einfach wesentlich mehr damit anfangen, wenn er zu jeder Mahlzeit sagen wir etwa 30-40 g leicht verdauliches Eiweiß bekommt. Insbesondere dann, wenn der Verdauungstrakt bereits durch eine Entzündung beeinträchtigt ist.

 

Kontroverse „rotes Fleisch“ und Morbus Crohn

 

Eine Studie aus dem Jahr 2005 legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen den Verzehr von rotem Fleisch und Morbus Crohn gibt. Das ist natürlich ausgerechnet deshalb tragisch, als dass rotes Fleisch von allen tierischen Eiweißen am ehesten zur Blutbildung beiträgt, da es den höchsten Eisengehalt hat. In der erwähnten Studie entwickelten Individuen, die zweimal täglich rotes Fleisch verzehrten, neben einem erhöhten Risiko für Morbus Crohn auch ein um 35 % gesteigertes Risiko für Enddarmkrebs gegenüber Personen, die maximal einmal die Woche rotes Fleisch verzehrten.

 

Die Studie stellt zudem heraus, dass offensichtlich keine infektiösen Faktoren für den Zusammenhang verantwortlich waren. Meinem Erachten nach ist der Zusammenhang in erhöhten Vorkommen der Arachidonsäure zu suchen, einer Omega-6-Fettsäure mit großenteils entzündungsfördernden Eigenschaften. Da es natürlich auch die Zubereitungsart mit ins Kalkül zu ziehen: die beim Grillen über dem offenen Feuer häufig erzeugten biogenen Amine gelten ebenfalls als entzündungsfördernd. Nicht zuletzt muss man auch andere Parameter mit ins Kalkül ziehen: verarbeitetes rotes Fleisch (etwa in Wurst) enthält zusätzlich entzündungsfördernde Transfettsäuren.   

 

Sie merken schon, worauf es hinausläuft: es ist schwierig, das Risiko für Morbus Crohn alleine einem Faktor (in diesem Fall den Verzehr von rotem Fleisch) unter zu jubeln.

 

Eier und Morbus Crohn, oder: wie tickt Ihr Immunsystem?

 

Als letztes kleines Schmankerl dieses Blogs möchte ich den Verzehr von Eiern unter die Lupe nehmen. Für sich gesehen sind Eier eine hervorragende Nährstoffquelle. Dies trifft vor allen Dingen - allen Unkenrufen vom Cholesterin zum Trotz - auf das Eigelb zu. Gäbe es da nicht ein kleines, jedoch nicht weg zu diskutierendes Problem. Eier sind eine reiche Quelle für Cholin. An Cholin an und für sich ist nichts verkehrt. Jedoch können bestimmte Darmbakterien diesen Stoff umwandeln und zwar in etwas, das sich TMAO nennt (Trimethylamin-N-Oxid). Diese Substanz wiederum ist im Darm entzündungsfördernd und steigert langfristig das Risiko für Krebserkrankungen.

 

Meine Erkenntnis: die gesundheitliche Auswirkung des Verzehrs von Eiern hängt zum großen Teil davon ab, welcher Anteil im Immunsystem dominant ist: ist es die humorale Abwehr (das betrifft besonders Allergiker und Neurodermitis-Patienten)? Ist es die zelluläre Abwehr (das betrifft überwiegend individuell mit so genannten „Autoimmunerkrankungen“)?

 

Cholin fördert das humorale System und dämpft das zelluläre: deswegen reagieren Patienten mit einer überwiegenden Dominanz des zellulären Immunsystems zum großen Teil positiv auf Eier, wären solche mit einem dominanten humoralen Abwehrsystem gesundheitlich nicht so günstig auf Eier reagieren – viele Allergiker haben Probleme damit.

 

Bezogen auf Morbus Crohn: gibt es eine Vorgeschichte mit Allergien (nicht nur auf Eier!) rate ich vom Verzehr ab. Bestimmen jedoch eher Virusinfekte die Vorgeschichte, kann ich Ihnen in aller Regel zu Eiern raten!

 

Um das Ausprobieren kommen Sie allerdings nicht herum!

 

Quellen:

 

https://www.theguardian.com/society/2005/jul/16/health.food 

https://www.cbsnews.com/pictures/crohns-disease-15-healthy-eating-tips/ 

https://www.webmd.com/ibd-crohns-disease/crohns-disease/creating-a-crohns-disease-diet-plan#1

 

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Kommentare: 1
  • #1

    o.kamra@gmx.de (Montag, 16 April 2018 19:57)

    Guten Tag Herr Ulmicher!
    Kennen Sie das rein pflanzliche Eiweißpräparat Amino-pur? www.amino-pur.com
    Ich würde mich über ein kurzes Statement von Ihnen freuen.
    Herzliche Grüße
    O. Kamra