Immunsuppressiva gegen Depressionen, Fettleibigkeit und Schmerz?

Dieser Blog ist ein wenig „Off Topic“, da es hier nicht direkt um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen geht. Das eigentliche Thema, mit dem ich mich in nächster Zeit auch verstärkt auseinandersetzen werde, könnte aber für die Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa interessant werden.

 

Vor Kurzem ist mir eine Meldung auf Heilpraxis.net aufgefallen…

 

Es geht darum, wie man bestimmte Krankheitszustände oder Syndrome mehr oder weniger unter einen Hut bekommt und (medizinisch) behandelt. Und zwar geht es um die großen Volksleiden, die viele Millionen von Menschen betreffen: Schmerzen, Depressionen, Fettleibigkeit (mit allen möglichen Folgeerscheinungen).

 

Jetzt werden Sie sich sicherlich fragen: wie hängen denn diese Gesundheitsprobleme miteinander zusammen?

 

Nun, wenn man sich im medizinischen Bereich nicht so auskennt, ist ein wenig Vorstellungsvermögen gefragt. Ich versuche mich einmal ganz simpel auszudrücken: Schmerzen, Fettleibigkeit Depression werden durch einen subtilen Entzündungsprozess angeregt, dem man labormedizinisch nicht so einfach auf die Schliche kommt.

 

Dieser Entzündungsprozess wird durch mehrere Stoffwechselfaktoren geregelt, die man grob unter den Begriff „Stress“ subsumieren kann. Und zwar geht es dabei nicht (nur) um emotionalen oder psychischen Stress, sondern erstens auch um organischen Stress und vor allen Dingen darauf, wie der Organismus auf Stress reagiert. Hier gibt es nämlich von Person zu Person erhebliche Unterschiede.

 

Damit meine ich keineswegs, dass unterschiedliche Personen unterschiedlich sensibel auf Stress reagieren, sondern vielmehr, wie das Immunsystem und die Biochemie des Körpers auf Stress ansprechen.

 

Wenn es nach Professor Dr. Felix Hausch von der Universität Darmstadt geht, wird dieses Ansprechen auf Stress durch einen Eiweißbaustein geregelt: „FKBP5“. Dieser Eiweißbausteinen, oder besser: dieses Protein, soll der Schlüssel für die Entstehung von den genannten subtilen Entzündungsprozessen sein. Die wiederum führen langfristig zu chronischen Schmerzzuständen, Fettleibigkeit und Depression.

 

Das Medikament „Tacrolimus“ bindet das Eiweiß FKBP5

 

Einigen meiner Leser dürfte „Tacrolimus“ ein Begriff sein: es handelt sich dabei um ein Immunsuppressivum aus der Gruppe der so genannten „Calcineurin-Hemmer“. Laut oben genannten Professor Hausch soll das Medikament weiter entwickelt werden, um gezielt Zustände von Depression, chronischem Schmerz und Fettleibigkeit bekämpfen zu können.

 

Mal ganz ehrlich? Ist das die neue „Genialität“ der Medizin? Modifizierte Immunsuppressiva gegen chronische Schmerzen, Depression und sogar Fettleibigkeit?

 

Meine persönliche Meinung dazu ist: wer in der Lage ist, so toll und wahnsinnig um mindestens vier Ecken zu denken, der sollte zumindest irgendwie mit dem Begriff „mTOR“ vertraut sein. Denn mal ehrlich: eine immunsuppressive Therapie bei Schmerzen, bei Depression oder auch nur bei Übergewicht? Also, mir gruselt es bei der Vorstellung.

 

Aber nun zum Begriff „mTOR“.

 

„mTOR“ ist ein Rezeptor für bestimmte Stoffe, in diesem Fall „mammalian target for Rapamycin“. Rapamycin wiederum ist ein Immunsuppressivum. mTOR ist also ein Rezeptor, der Immunsuppressiva bindet. Und der hat wiederum etwas mit dem Eiweiß FKBP5 zu tun. Denn dieses „bindet“ ebenfalls Rapamycin!

 

Wenn wir also einen Eiweißbaustein haben, der ursächlich für die modernen Gesundheitsprobleme chronische Schmerzen, Depression und Übergewicht zuständig ist und auf Immunsuppressiva reagiert, und wir haben eine Substanz im Körper, die das ebenfalls tut – warum kümmern wir uns nicht um diese Substanz, anstatt mit erheblichen Nebenwirkungen langfristig das Immunsystem zu unterdrücken?

 

Was macht mTOR im Organismus?

 

Grob zusammengefasst, spielt mTOR eine Rolle bei Auf- und Abbau, bei Autophagie (der moderne wissenschaftliche Begriff für „Entgiftung“, weil die das so nicht nennen dürfen – sonst würden sie ja indirekt der Naturheilkunde Recht geben, dass es so etwas gibt!) und bei Entzündungsreaktionen.

 

Wenn mTOR „hyperaktiv“ ist, führt dies zu…

  • Muskelwachstum
  • Verstärkter Aktivität der Mitochondrien
  • Angiogenese (Neuformierung von Gefäßen)
  • Veränderter Nutzung der Energiegewinnung
  • Verstärkter Glykolyse, die ihrerseits wiederum zur Aktivierung von T-Helferzellen der Typen 1 und 17 führt, was zelluläre immunologische Prozesse fördert, wie
    • Chronische Schmerzzustände
    • Gelenkentzündungen
    • Abnehmende Insulinsensitivität (->Diabetes 2)
    • Magen-Darm-Problemen („mikroskopische Colitis“)
    • Akne
    • Endogene Depression und (interessanterweise)
    • Chronifizierung eines „Posttraumatischen Stresssyndroms“
    • Einige Formen von Krebs

Der „hyperaktive“ Rezeptor mTOR kann auf diesem Wege zu Krankheitzuständen wie Fibromyalgie, chronischem Erschöpfungssyndrom, Diätresistenter Fettleibigkeit, schweren Formen von Akne und auch zu chronischen Magen-Darm-Problemen führen.

 

Wenn mTOR „gedrosselt“ ist, führt dies zu…

  • Autophagie (Entgiftung)
  • Verbesserter Insulinsensitivität
  • Gedrosselter Mitochondrialer Aktivität
  • Gewichtsverlust
  • Vermindertem Krebsrisiko
  • Ausbildung von regulatorischen T-Helferzellen mit gedrosselter Entzündung, vor allen Dingen, wenn die Glykolyse verlangsamt wird (intermittierendes Fasten, Keto-Ernährung)

Kurz zusammengefasst: wird mTOR gedrosselt, ist auch FKBP5 weniger „gefährlich“!

 

Mein konstruktiver Vorschlag daher: anstatt mit Immunsuppressiva gegen Erkrankungen wie chronisches Erschöpfungssyndrom, Fibromyalgie, Diabetes 2 oder endogene Depression vorzugehen, lieber mTOR ein wenig stutzen.

 

Wie reguliert man die Aktivität von mTOR runter?

 

Cracks, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, werden jetzt auftrumpfen: „über die Ernährung!“

 

Das ist sicher richtig, aber es gibt Einschränkungen. Meinem Erachten nach wird die Aktivität von mTOR auch epigenetisch und umweltmedizinisch beeinflusst und kann auch „chronisch“ hochreguliert sein, etwa durch einen nicht bereinigten oxidativen Stressherd im Körper: beispielsweise einen toten Zahn, chronisch vereiterte Nebenhöhlen, nicht bereinigte Virusinfekte.

 

Mit intermittierendem Fasten, bestimmten sekundären Pflanzenstoffen, einer Begrenzung der Aufnahme von Protein (insbesondere bestimmter Aminosäuren wie Leucin, Lysin, Methionin) und eventuelle einer Keto-Diät kann die Aktivität von mTOR gedrosselt werden. Aber manchmal ist das eben nicht ausreichend, um die entscheidende Wende zu erzeugen.

 

Folgende Substanzen sind hilfreich, die Aktivität von mTOR zu drosseln:

  • Luteolin
  • Ellagsäure
  • EGCG (grüner Tee)
  • Resveratrol
  • Dorschlebertran
  • Olivenöl Extra vergine
  • Curcumin
  • Quercetin
  • Reishi (ein Heilpilz)
  • Mariendistel-Extrakt
  • Rhodiola (Rosenwurz) – gut für Gestresste mit erhöhter mTOR-Aktivität!
  • Jede Form von Training! (Aktiviert mTOR in Muskeln und Gehirn, drosselt seine Tätigkeit in der Leber und den Fettzellen = beides positiv!)

Interessant: das Medikament gegen Diabetes, Metformin, drosselt ebenfalls mTOR. Ich würde aber eher davon abraten, es einzunehmen…(außer natürlich, Sie sind Diabetiker und müssen!).

 

Fazit: Also ehrlich, wenn Sie nicht wirklich ein Immunsuppressivum nehmen müssen – aus welchen Gründen auch immer (Autoimmunkrankheit, Transplantation): nur zur Bekämpfung von Übergewicht würde ich die Finger davon lassen, auch chronische Schmerzen wie etwa bei Fibromyalgie lassen sich „eleganter“ lindern. Bei Depressionen? Ich weiß nicht! Leichte und mittlere Depressionen kann man mit Naturheilkunde und psychotherapeutischer Betreuung in aller Regel lindern, bei schweren Depressionen würde ich eher zu den schneller wirksamen Antidepressiva greifen!

 

Quellen:

 

http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/bei-schmerzen-depressionen-und-fettsucht-neuartiges-heilmittel-gegen-alle-leiden-20180323404410

https://www.selfhacked.com/blog/mtor-natural-mtor-inhibitors/#Natural_Inhibitors_of_mTOR

http://www.uniprot.org/uniprot/P42345

https://www.mpg.de/6793199/MPIP_JB_20131