Biologika - echter therapeutischer Fortschritt umstritten

Ich mag eigentlich gar nicht Klugscheißer sein. Aber manchmal muss es eben auch mal sein!

 

Aber vielleicht hilft das ja: ich bin nicht der einzige Klugscheißer, der vor Jahren schon gesagt hat, dass es uns nicht wirklich weiterbringt. Viele biologische Therapeuten, Experten, Ärzte und natürlich auch Heilpraktiker waren der gleichen Meinung:

 

Die so genannten „Biologika“: netter Versuch, aber hat mit Heilung nichts zu tun!

 

Ein Arzt (den Namen habe ich leider vergessen) bezeichnete vor gut 10 Jahren die Therapie mit den Biologika (seinerzeit: Adalimumab und Infliximab, mittlerweile gibt es noch einige mehr) als eine moderate Chemotherapie, die das Immunsystem gewaltsam unterdrückt. Ich selbst habe ebenfalls nie viel von den Medikamenten gehalten, die als Humira und Remicade in 2000 und 2007 für die Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zugelassen wurden.

 

Ich habe mir seinerzeit gedacht: besser das hilft, als nix hilft. Aber dieses „das hilft“ war natürlich auf den Einzelfall bezogen und nicht auf die Summe aller Betroffenen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Denn wäre es so gekommen, dann hätte ich meine Praxis schon vor 10 Jahren schließen können.

 

Aber jetzt einmal zu der Studie, die meine „Befürchtung“ bestätigt…

 

Und bevor jetzt wieder jemand aus dem DCCV oder Cröhnchen-Klub oder woher auch immer diesen Blogartikel liest und sich mich mit einem selbstgefälligen Lächeln vorstellt: ich bin grundsätzlich für alles, was wirklich hilft – aus welcher Ecke es auch immer herkommen mag.

 

Aber wir müssen halt nun mal den Einzelfall von der gesamten „Kohorte“ (das ist ein Lieblingsausdruck der Mediziner!) der Erkrankten unterscheiden. Und da wird nun einmal klar: die Medizin ist mit den Biologika keinen Schritt näher an eine ursächliche, d.h. potentiell heilende Therapie gekommen.

 

Nun zu der Studie an sich: ich möchte Sie auch nicht mit Zahlen langweilen. Im Kern geht es um Folgendes: Patienten aus Westeuropa und Osteuropa wurden miteinander verglichen. Obwohl deutlich weniger Patienten aus Osteuropa die Biologika und die immunsuppressiven Therapie erhielten, war die Rezidivrate in Bezug auf die meisten Faktoren der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kaum unterschiedlich. Das war der Tenor der Studie, die vor einigen Wochen veröffentlicht wurde.

 

Jetzt ein wenig Sarkasmus von mir: es folgen die üblichen Ausreden. Aber man sollte doch, aber man müsste doch, aber man könnte doch. Und überhaupt: individuell gesehen…

 

Und das ist das eigentliche Problem bei den Therapien: Sie sind eben nicht individuell! Wenn ich einen Patienten in meiner Praxis betreuen und mit der Behandlung keine Fortschritte machen und der Patient entschließt sich darauf hin, Remicade, Humira oder ein anderes neues Medikament einzunehmen und fühlt sich damit besser, dann soll‘s mir recht sein. Es wäre vermessen von mir, zu behaupten, dass ich eine Patentlösung hätte. Das kann ich auch gar nicht, weil es eine Patentlösung einfach nicht gibt.

 

Selbst wirklich rein „schulmedizinisch“ gedacht muss es einleuchten, dass verschiedene Patienten mit ähnlichen Symptomen bzw. der gleichen Krankheit über verschiedene immunologische „Pfade“ reagieren können: der eine reagiert eben über den Tumornekrosefaktor alpha, andere über Interleukin 6 oder 2 oder IFN-Gamma oder was auch immer.

 

In der Naturheilkunde ist es eigentlich noch einmal wesentlich komplizierter. Während man in der Medizin immer noch argumentieren kann: „dann probieren wir eben alles einmal durch, eines passt bestimmt!“ - funktioniert das in der Naturheilkunde gar nicht. Hier muss man die Konstitution, die Vorgeschichte, die verschiedenen umweltmedizinischen Belastungen, Stress und alle möglichen weiteren Faktoren zu berücksichtigen, um den individuell richtigen Ansatz zu finden. Und selbst dann kann man scheitern, wie vor einigen Monaten eine Erfahrung mit einer Patientin, der ein bestimmtes Enzym zur Entgiftung fehlte, zeigte. Da war „mein“ Therapieansatz einfach nicht „passend“!

 

Persönlich finde ich es natürlich besser, wenn mein Ansatz oder auch der Ansatz eines naturheilkundlich arbeitenden Kollegen oder Arztes einem Patienten hilft und dieser keine der stark wirkenden, neuen Medikamente benötigt. Aber wenn eben doch eines dieser Medikamente benötigt wird und dieses dann auch hilft, ist mir das immer noch lieber, als wenn gar nichts hilft. Da ich aus meiner eigenen Leidenszeit weiß, wie unglaublich deprimierend so eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sein kann.

 

Die Medizin bezeichnet die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als unheilbar. Aus ihrer Sicht hat die Medizin damit sogar recht, denn (um einmal meine persönliche Interpretation von Begriff Heilung zu bemühen): „eine Heilung einer Erkrankung bedeutet, dass die Mittel oder Maßnahmen, die zu ihr geführt haben, selbst überflüssig geworden sind“. Klartext: ein wirklich Geheilter benötigt weder Medikamente, noch Arzneimittel, noch eine bestimmte Diät, um den Zustand der Gesundheit aufrecht zu erhalten. Ich habe von mir heute mit Fug und Recht behaupten, dass das bei mir der Fall ist. Ich habe die letzten Medikamente vor mehr als 20 Jahren eingenommen. Seit dieser Zeit habe ich nicht einmal eine Aspirin oder eine Diclofenac benötigt - und zwar nie! Ich hatte in den 17 Jahren, die ich jetzt schon mit einer Heilpraxis niedergelassen bin, insgesamt fünf Tage, an dem ich nicht arbeiten konnte. Keine üble Bilanz für einen, der eine „unheilbare chronische Krankheit“ hat. Der einzige Arzt, den ich heute noch aufsuche, ist der Zahnarzt (der bei mir aber auch nicht viel findet). Ich werde dieses Jahr übrigens 48.

 

Aber es geht ja bei unserer Betrachtung um den Begriff Heilung - und nicht um mich. Ich weiß, Heilung ist ein böses Wort und man darf es eigentlich gar nicht benutzen.

 

Mediziner und Wissenschaftler, die von Heilpraktikern im Allgemeinen und der Naturheilkunde bzw. Homöopathie im Besonderen nichts halten, bemühen immer den Satz: „Ja, das ist ein Einzelfall!“, Wenn jemand unter „Heilungsverdacht“ steht.

 

Und wissen Sie was: sie haben Recht.

 

JEDE „Heilung“ ist ein Einzelfall!!!

 

Bei einer chronischen Erkrankung kann es gar nicht anders sein! Es gibt nicht - und es wird auch niemals geben - einen allgemeinen Therapieansatz, der zur gleichen Zeit kausal ist, d.h. die Ursachen der Erkrankung beseitigt. Denn wenn er den Begriff Heilung in den Mund nehmen, kommen wir um eine Suche nach den Ursachen nicht herum. Ich für meinen Teil sammle schon seit vielen Jahren Karteikarten von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, und ich habe noch nie zwei zu Gesicht bekommen, die völlig deckungsgleich gewesen wären.

 

Was in letzter Konsequenz bedeutet, dass die Ursache einer Erkrankung immer eine persönliche, individuelle Komponente haben muss.

 

Ich denke, niemand braucht sich über andere lustig zu machen. Weder die Mediziner über die Naturheilkunde, noch umgekehrt. Aber gerade der böse Satz mit dem Einzelfall macht die Tragik des ganzen Unterfangens deutlich: denn: eben jene Wissenschaftler und Mediziner, die bei „Heilungsverdacht“ immer von Einzelfällen sprechen, haben das Problem erkannt. Was die Medizin und die Wissenschaft insgesamt aber nicht dazu veranlasst, sich dieses Problems endlich einmal anzunehmen: nämlich der individuellen (und damit meine ich weiß Gott nicht nur „psychosomatischen“) Komponente der Krankheit bei jedem einzelnen Erkranken!

 

Quelle:

 

https://www.medscape.com/viewarticle/892718?src=rsshttp://www.medscape.com/viewarticle/892718?src=rss

Kommentar schreiben

Kommentare: 0