Im Test: der Happypo - die Analdusche

Statt der üblichen Informationen zur Behandlung der Entzündung und zu Theorien, wie es zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommt, heute mal was zum Thema Hygiene.

 

Gerade wenn Sie unter dem Phänomen kleiner, häufiger Studiengänge leiden (mehr zu diesem Thema hier), werden Sie sich irgendwann ein Bidet wünschen. Oder eine von diesen WC-Duschen, die man mit etwas handwerklichem Aufwand am Örtchen befestigen kann. Wenn der Analbereich wieder vom Abwischen so wund ist, dass er so laut nach Babypuder schreit, dass man es noch zwei Etagen höher oder tiefer hört, wächst der Wunsch nach einer sanften Reinigung.

 

Die „sanfteste“ Art der Reinigung ist nun einmal …Wasser!

 

Man kann es drehen und wenden wie man will - selbst die mit Kamillenlotion getränkten Feuchttücher können nicht die sanfte, gründliche Reinigung vermitteln wie fließendes, lauwarmes Wasser. Gerade im Analbereich.

 

Aber nicht nur, wenn Sie sich gerade im akuten Schub befinden und mit mehrfachem Mini-Stuhlgängen zu tun haben, wünschen Sie sich eine simple Reinigung per Wasser. Wenn es Ihnen so geht wie mir - zwar mittlerweile etliche Jahre beschwerdefrei, aber mit den Spuren der Erkrankung in Form von zahlreichen Narben im Analbereich „gezeichnet“, endet die Liaison mit gewöhnlichem Toilettenpapier nicht eben im Glück.

 

Gehen wir die Optionen einmal durch:

 

Bidet installieren? Teuer! Unter 600 € ist da quasi nichts zu machen. Zur Reinigung in die Badewanne hocken? Wenn man - so wie mancher leidende Zeitgenosse - morgens binnen einer halben- oder einer Dreiviertelstunde fünf- bis sechsmal das WC aufsuchen muss, wird es irgendwann anstrengend und nervig. Die WC-Dusche? Theoretisch eine gute Lösung. Aber was ist, wenn man mal „auswärts“ muss? Das soll ja bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen öfter vorkommen…

 

Ein Startup bietet eventuell eine Lösung an

 

Da ich selbst kein Fernsehen schaue, kam die „Lösung“ für dieses unhygienische Problem von meiner Frau. Sie lernte in der Sendung „die Höhle des Löwen“ die Startup-Idee „Happypo“ kennen. Nichts anderes als eine mobile Analdusche.

 

Die Idee dahinter ist simpel: mit Wasser auffüllen, Aufsatz drauf schrauben, unter den Po halten, kräftig drücken - sauber! Den „Happypo“ gibt es für 25€ per Versand zu bestellen.

 

Wenn man das Gerät, das nach Aussage der Erfinder den WC-Gang revolutionieren soll, zum ersten Mal in Händen hält, ist man schon enttäuscht. Was soll denn daran bitte 25 € wert sein? Wen es interessiert: hier ein Bild zur Ansicht.

 

Tatsächlich: dem Eindruck nach ist der Materialwert eher bescheiden. Andererseits: die Alternativen sind teurer, und wenn es seinen Zweck erfüllt? Aber der Reihe nach:

 

                    1. Wie funktioniert es?

 

Die Funktion ist denkbar einfach: man schraubt den Aufsatz ab, füllt lauwarmes Wasser ein, schraubt den Aufsatz wieder drauf. Sieht etwas billig aus, hat sich aber bis jetzt bei mir als stabil erwiesen. Nach erfolgtem WC-Gang den „Duschkopf“ schräg von unten an den Anus halten und mit kurzen, kräftigen Sprühstößen die Reste vom Stuhlgang entfernen. Kleine Anmerkung: kontinuierlich drücken sollte man nicht. Dadurch, dass der Happypo keine Luft zieht, wird der Druck des Strahls bei gleichmäßigem Druck immer schwächer.

 

             2.     Geht das ganze ohne Toilettenpapier?

 

Klare Antwort: Nein. Zumindest bei mir nicht. Sicher, der Morbus Crohn hat bei mir einen, sagen wir etwas zerklüfteten Analbereich hinterlassen. Ich wische mit 3-4 Blatt vor, um das gröbste zu reinigen und setzte dann den „Happypo“ zur „Tiefenreinigung“ ein. Dazu halte ich mir den Anus auseinander.

 

             3.     Kann man damit Toilettenpapier sparen?

 

Auf jeden Fall! Nach der Reinigung mit dem Happypo benötigt man noch 2-3 Blatt, um nicht nur sauber, sondern auch trocken zu sein. Das Reinigungsergebnis kann sich sehen lassen.

 

            4.     Reicht eine Füllung?

 

Kommen wir jetzt zu einem der Schwachpunkte des Happypo. Die Füllmenge ist eher bescheiden. Wie bereits gesagt, kommt man mit kurzen Sprühstößen (Drücken und immer wieder loslassen) weiter als mit kontinuierlichem Druck. Wenn der Stuhlgang nicht allzu zäh und schmierig ist, reicht eine „Füllung“ in aller Regel knapp aus. Bei vielen Stuhlgangsveränderungen jedoch ist eine Wasserfüllung häufig nicht ausreichend, um den Darmausgang vollständig von Kotresten zu befreien. Kein Problem im heimischen Bad, allerdings ein Problem, wenn man unterwegs ist. Auf öffentlichen Toiletten ist meist kein fließendes Wasser (außer im WC selbst). Da heißt es trocknen, aufstehen, im Waschbecken noch einmal nachfüllen und ein weiteres Mal den Ort der Erleichterung aufsuchen.

 

Auf der anderen Seite: besser als nichts dergleichen auf der Reise oder für unterwegs zu haben. Viele Betroffene chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen vertragen die Feuchttücher nur bedingt oder gar nicht. Manche entwickeln sogar eine so genannte Kontaktdermatitis. Eine Entzündung der Haut rund um den Anus beim abwischen mit Feuchttüchern. Dann lieber „fast sauber“ ohne Kontaktdermatitis!

 

Fazit? Ob eine kleine Plastikdusche für das große Geschäft tatsächlich 25 € Kosten muss, darüber kann man streiten. Mit gewissen Abstrichen jedoch erfüllt der „Happypo“ seine Aufgabe ganz ordentlich. Bei Patienten einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung mit entsprechenden Veränderungen des Stuhlgangs kann es natürlich sein, dass „porentiefe Reinheit“ bei einem Reinigungsvorgang nicht erreicht wird.

 

Quelle: eigene Erfahrungen und Beobachtungen, Links im Text

 

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