Andrographis - hilft das bei chronisch-entzuendlichen Darmerkrankungen?

 

„Alles, was Recht ist!“ – unter diesem Motto könnte man die Suche nach Alternativen zu Kortison, Azathioprin und Co. zusammenfassen. Und mittlerweile liegen Untersuchungen zu verschiedenen Pflanzenextrakten und ihren antientzündlichen Wirkungen auch von medizinisch-wissenschaftlicher Seite vor: denken wir zum Beispiel an Weihrauch, „Vitamin“ D und Wermutkraut-Extrakt.

 

Einzelerfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Diskrepanzen…

 

Die Ergebnisse bei der Anwendung bestimmter natürlicher Substanzen machen in „alternativmedizinisch orientierten Insidern-Kreisen“ auf den ersten Blick mehr her als in wissenschaftlichen Untersuchungen, die 80, 100 oder mehr Teilnehmer an einer Studie mit eben diesen Substanzen zusammenfassen und auswerten. Das liegt in der Natur der Sache.

 

Für den Fall jedoch, dass Sie sich die Frage stellen, warum natürliche Substanzen bei unterschiedlichen Personen mit ähnlichen Problemen auch unterschiedliche Ergebnisse bringen: auch das liegt in der Natur der Sache. Das ist in der Medizin mit Immunsuppressiva, Kortison und anderen Substanzen übrigens auch nicht anders. Um dies zu erfahren, genügt ein Blick in ein Forum einer Selbsthilfegruppe.

 

Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass unterschiedliche Ursachen zu ganz ähnlichen Ergebnissen führen können. So mögen zwar fünf verschiedene Personen im Rahmen einer Morbus Crohn-Erkrankung ähnliche Symptome haben, ähnliche Laborwerte und ähnliche Ergebnisse bei der Darmuntersuchung - jedoch haben verschiedene Ursachen(komplexe) zu diesen „Ergebnissen“ geführt: Leaky-Gut-Syndrom, Mangel oder Überschuss an sekretorischem Immunglobulin A, ein positiver ASCA-Test, Probleme mit dem Histaminstoffwechsel usw., usf.

 

Wo ordnet sich in diesem Komplex von Problemen und Ursachen „Andrographis“ ein?

 

Andrographis wird auch als das „Echinacin des Ostens“ bezeichnet. In der traditionellen chinesischen Medizin wird es zur Therapie von Atemwegsinfekten eingesetzt. Studien der letzten Jahre deckten experimentell auf, dass Andrographis die Entzündungsfaktoren TNF-α, NF-κB und IL-1β hemmt. Weswegen es in verschiedenen Studien zur Therapie milder bis moderater chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen eingesetzt wurde.

 

Die Ergebnisse einmal kurz zusammengefasst:

 

  • Adäquate Dosierung von Andrographis zeigte eine um etwa 15-20 % verbesserte Wirkung zur Einleitung einer Revision einer moderaten Colitis ulcerosa gegenüber einem Placebo.
  •  Die Verträglichkeit war gegenüber dem Placebo in dieser Studie sogar leicht verbessert.
  •  In einer Maus-Studie hemmte Andrographis Th-Zellen-Vermehrung und insbesondere die entzündungsfördernden Th1- und Th17-Zellen.
  •  Andrographis scheint darüber hinaus die Bildung von Stickstoffoxid zu unterdrücken - in entsprechender Konzentration ein weiterer, entzündungsfördernder Faktor.
  •  Andrographis hemmt die Produktion freier Sauerstoffradikale durch neutrophile Granulozyten.
  •  Andrographis scheint den Entzündungsfaktor IFN-γ zu dämpfen, hatte aber im Versuch nur teilweise Auswirkungen auf die Ausschüttung von IL-2.

 

Was kann man daraus schließen?

 

Nach dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse scheint Andrographis das Immunsystem breitbandig, aber relativ unspezifisch in seinen entzündlichen Reaktionen zu dämpfen. Daraus kann man vorläufig schließen, dass es tatsächlich eine vergleichbare Wirkung hat wie das seit vielen Jahren als Standard-Therapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzte Mesalazin (Salofalk, Claversal). Therapeutisch adäquate Dosen liegen im Bereich von 1500-1800 mg, wohingegen nach dem aktuellen Stand der Medizin 3000-4500 mg Mesalazin notwendig sind, um einen ernsthaften therapeutischen Effekt vor allen Dingen bei Colitis ulcerosa zu erreichen.

 

Kurz zusammengefasst: es sieht so aus, als könne Andrographis relativ vielen Patienten mit leichten bis maximal moderaten Krankheitssymptomen helfen.

 

Es steht aber jetzt schon fest, dass es sich dabei einmal mehr um kein Wundermittel handelt.

 

Quellen:

 

http://journals.lww.com/ibdjournal/Abstract/publishahead/HMPL_004__Andrographis_paniculata_extract_.99997.aspx 

http://blog.crohnology.com/2015/09/24/new-drugs-for-crohns-disease/ 

https://www.hindawi.com/journals/mi/2015/179616/ 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3538174/

 

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