5mg Cortison als Erhaltungstherapie - Vorteile und Nachteile

Es ist - ich gebe es zu - ein Versuch, die Natur aus zu tricksen. Nachdem beispielsweise das Hopkins-Institut für die Therapie entzündlicher Rheumaerkrankungen in den USA eine langfristige Anwendung von 5 mg eines Cortison-Präparats täglich als „sicher“ erkannt hat, stellt sich die Frage: kann man mit diesem Trick nicht auch eine langfristige Remission bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung aufrechterhalten?

 

5 mg täglich sollten doch eigentlich nicht schaden - oder?

 

Mit Prednisolon bzw. Decortin, den beiden am häufigsten eingesetzten Varianten von systemischem Cortison bei der Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen habe ich in der Praxis ja schon so einiges erlebt.

 

Da gibt es Personen, bei denen „sonst nichts hilft“, die aber bereits auf eine geringe Dosierung von Cortison wirklich toll ansprechen. Dann gibt es wiederum Patienten, die wirklich extrem hohe Dosierungen an Cortison benötigen, um überhaupt einen Effekt zu bemerken. Dieser Effekt hat dann auch etwas von einem Kippschalter: „50 mg Cortison - alles in Ordnung. 45 mg Cortison - der Teufel ist los“.

 

Ich bin der Meinung, dass es zur Ruhigstellung der humoralen Abwehr (die häufiger bei der Colitis ulcerosa eine Rolle spielt) höhere Dosen an Cortison benötigt als wenn es um die zelluläre Abwehr geht. Das, was man so schön als „steroidrefraktäre Verläufe“ bezeichnet, habe ich häufiger bei Colitis ulcerosa als bei Morbus Crohn erlebt.

 

Ich rede, wie es sich versteht, natürlich von mir und weiß nicht, ob sich meine Erfahrungen auch auf andere Therapeuten oder eventuell Ärzte übertragen lassen.

 

Aber bleiben wir bei unseren 5 mg pro Tag. Sie wird als langfristige Therapie zur Erhaltung einer Remission bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen empfohlen. Wer also an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leidet und das „Glück“ hat, schon auf kleine Dosierungen anzusprechen, könnte sich doch eigentlich sicher fühlen, zur Ruhe begeben und mit einer Langfrist-Dosierung von 5 mg täglich arbeiten - zumal die Nebennierenrinde ja 7-8 mg täglich selbst produziert - oder?

 

Nebenwirkungen gibt es aber doch – meist langfristig…

 

Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen dem, was der Körper freiwillig hergibt und was er von außen „aufgedrückt“ bekommt – auch wenn es in einem natürlichen Rahmen bleibt. Zu Nebenwirkungen kommt es also auch, wenn es bei der relativ niedrigen Dosierung von 5 mg pro Tag bleibt. Die Nebenwirkungen machen sich in aller Regel moderat und eher langfristig bemerkbar, aber…

 

Wenn Sie auf irgendeiner Ebene Probleme mit Histamin haben sollten, kann es zu Sodbrennen kommen. Dieses Symptom tritt dann relativ schnell, schon Tage nach der Einnahme selbst einer niedrigen Dosierung auf. Sollte sich erst längerfristig regelmäßiges Sodbrennen entwickeln, greift das Cortison die Magenschleimhaut an.

 

Das folgende Symptom wird sich auch in aller Regel erst nach einer Weile einstellen: Veränderungen im Wasserhaushalt des Körpers. Cortison sorgt dafür, dass Natrium und Wasser im Körper verbleiben. Sie bemerken dieses Symptom durch Anschwellen von Hand- und Fußgelenken zu bestimmten Tageszeiten.

 

Sehr langfristig kann sich auch eine niedrige Dosierung von Cortison vor allen Dingen bei den Herren der Schöpfung auf die Figur auswirken. Cortison ist nämlich ein Gegenspieler zu Testosteron. Das bedeutet: Mehr „Körpervolumen“ am Stamm - überwiegend in der Bauchregion. Dafür eher weniger an Armen und Beinen. Cortison beeinträchtigt die athletische Figur und eventuelle Trainingsziele. Darüber hinaus kann es zu verringerter Libido und - beim schönen Geschlecht - zu Veränderungen im monatlichen Zyklus kommen.

 

Die Knochendichte nimmt bei der Dosierung von 5 mg täglich über einen sehr langen Zeitraum etwas schneller ab als bei Personen, die kein Cortison nehmen. Osteoporose kann zu einem langfristigen Problem werden.

 

Muskelschwäche, Krämpfe, veränderte Herztätigkeit und in sehr seltenen Fällen Probleme mit der Bauchspeicheldrüse und allergische Reaktionen sind weitere Nebenwirkungen, die auch bei einer niedrigen Dosierung von Cortisonpräparaten nicht auszuschließen ist.

 

Nutzen-Risiken-Abwägung?

 

Ich bin der Meinung: wenn es für Sie funktioniert - und die geringe Dosierung von 5 mg Cortison (systemisch, nicht lokal!) - Bei Ihnen den Unterschied zwischen einem halbwegs normalen Alltag und der täglichen Katastrophe auf dem Abort ausmacht, überwiegt der Nutzen ganz klar die Risiken. Meiner Beobachtung nach ist dies allerdings eher selten der Fall, vor allen Dingen aus zwei Gründen:

 

Chronisch-aktive Verläufe sprechen in aller Regel erst auf höhere Dosierungen von Cortison an.

 

Schubweise Verläufe benötigen „immer mal zwischendrin“ eine Erhöhung der Dosierung auf 20 mg und mehr - und dies auch dann, wenn die Dauerdosierung von 5 mg pro Tag auch in der schubfreien Zeit akribisch eingehalten wurde.

 

Was ich empfehle ist, wenn es jahrelang „so einigermaßen funktioniert hat“, sich jedoch mit der Zeit eine schleichende Verschlechterung einstellt, ist eine umfangreiche Therapie der „hormonellen Stress-Achse“, also Hypothalamus, Hypophyse, Nebennieren. Dies funktioniert in aller Regel ganz gut mit einer Kombination aus Fußreflexzonenmassage, pflanzlichen und homöopathischen phytohormonellen Präparaten und einer Ernährung, die phytohormonell aktive Lebensmittel in der Ernährung mit einbezieht. Natürlich braucht es dafür einiges an Geduld!

 

Quellen:

 

https://www.hopkinsarthritis.org/ask-the-expert/safe-level-of-prednisone/ 

https://healthunlocked.com/nras/posts/54736/prednisolone-what-side-effects-can-be-felt-from-the-modest-daily-dose-of-7mg 

https://www.drugs.com/answers/long-term-use-of-prednisone-and-side-effects-193951.html 

http://www.medscape.com/viewarticle/860368 

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/1529-0131(200110)45:5%3C462::AID-ART366%3E3.0.CO;2-V/full 

https://www.livestrong.com/article/117239-side-effects-prednisolone-5mg/ 

http://www.antiaging-info.org/phytohormonele-lebensmittel_antiaging.html

 

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