Wenn eine bakterielle Infektion das Immunsystem auf dem falschen Fuß erwischt...

Mit Infekten ist das so eine Sache…

 

In vergangenen Tagen, weit vor den Zeiten der modernen Hygiene und erst recht der modernen Medizin, waren sie häufig entweder tödlich - oder wurden geheilt überstanden. Denken wir beispielsweise mal an die bekanntesten Infektionskrankheiten, die vor 200, 300 oder 400 Jahren noch ihr Unwesen selbst in Mitteleuropa trieben: Pest, Cholera, Typhus.

 

Heute, im 21. Jahrhundert, ist das anders

 

Wenn man von der echten Virusgrippe und „Zuständen nach Fernreisen“ absieht, sind potentiell lebensgefährliche Infektionskrankheiten in unseren Breiten extrem selten.

 

Ich als Heilpraktiker beobachte aber folgende Situation häufiger:

 

Ein Patient oder eine Patientin kommt zu mir in die Praxis und im Laufe der Anamnese ergibt es sich, dass die Symptome augenfälliger Weise nach einem bakteriellen Infekt oder einer Lebensmittelvergiftung begonnen und seither angehalten haben. Und: nicht allzu selten hat sich die bakterielle Infektion oder die Lebensmittelvergiftung als „Auftakt“ zu einer chronischen Reizdarm-Erkrankung herausgestellt. Und es ist gar nicht mal so selten, dass sich längerfristig aus dieser Reizdarm-Erkrankung eine Colitis ulcerosa heraus entwickelt hat.

 

Beobachtungen für bakterielle Infekte, Lebensmittelvergiftungen und Virusinfekte

 

Meiner Beobachtung nach schlägt eine Lebensmittelvergiftung fast immer auf den Magen-Darm-Kanal, eine bakterielle Infektion immerhin häufiger, eine Virusinfektion nicht allzu häufig oder im Verhältnis zu den vorgenannten eher selten.

 

Aber: auch nach einer Virusinfektion, die in Ihre Akutphase nicht auf den Verdauungstrakt geschlagen hat, kann sich mittel- bis langfristig gelegentlich eine chronische Verdauungsstörung entwickeln, die durchaus (wenn auch extrem selten) in eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung münden kann.

 

Insgesamt habe ich beobachtet, dass akute Infekte - egal ob bakterieller oder viraler Natur - deutlich häufiger als früher den Auftakt zu einer chronischen Leidensgeschichte geben. Ich kann mir das nur so erklären, dass der Erreger das Immunsystem sozusagen auf dem falschen Fuß erwischt. Sehr wahrscheinlich sind verschiedene organische Stressfaktoren dafür verantwortlich, dass das Immunsystem nicht adäquat auf eine Infektion reagieren kann. Und: organische Stressfaktoren haben wir heute mehr als reichlich. Allein stundenlanges Sitzen stellt bereits einen organischen Stressfaktor dar, welcher das Immunsystem beeinträchtigt. Ich persönlich vermute, dass konstante technische Strahlung den Organismus weniger stressresistent macht.

 

Natürlich sind darüber hinaus moderne Ernährung, Luftverschmutzung, Medikamente, Metallbelastung und weitere Umweltfaktoren ins Kalkül zu ziehen.

 

Stellen Sie sich vor, Ihr Immunsystem würde nicht mehr „richtig ticken“

 

Sie denken jetzt wahrscheinlich: „das tut es doch sowieso nicht! Ich habe eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung!“

 

Ich rede aber jetzt von den Zuständen, die in der Zeitspanne zwischen einem Infekt und dem Ausbruch einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung bestehen. Eine Studie aus dem Jahr 2012, die im British Medical Journal of Gastroenterology veröffentlicht wurde, stellt eine solche Veränderung des Immunsystems anhand von Reizdarm-Patienten dar.

 

Bei Reizdarm-Patienten, die vor Beginn ihrer Reizdarm-Symptome einen Infekt hatten, wurden in verschiedenen Darmabschnitten deutlich erhöhte Konzentrationen von IFN-γ, einem Entzündungsbotenstoff, festgestellt. Dieser Entzündungsbotenstoff wird mit einer einseitigen Dominanz der zellulären Abwehr in Verbindung gebracht. Wohl gemerkt: wir reden hier von einem Entzündungsbotenstoff bei einer Erkrankung, bei der klinisch keinerlei Entzündung nachweisbar ist!

 

Im Umkehrschluss: unter diesen Voraussetzungen kann sich ein Reizdarm durchaus in eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hinein entwickeln. Tatsächlich habe ich dies in der Praxis einige Male erlebt. Reizdarm-Patienten müssen jetzt aber nicht nervös werden: langfristig betrifft dies etwa 10 % der Patienten. Und mit langfristig meine ich: das Reizdarm-Syndrom besteht etliche Jahre!

 

Warum werden Magen-Darm-Infekte chronisch oder eventuell sogar chronisch-entzündlich?

 

Ich rede jetzt nicht von den offensichtlichen, heftigen bakteriellen Infektionen wie etwa mit Clostridium difficile, sondern wirklich von „normalen“, akuten bakteriellen und viralen Infekten und Lebensmittelvergiftungen.

 

Dies kann nur dann geschehen, wenn der Infekt auf ein offensichtlich geschwächtes oder vorbelastetes Immunsystem trifft. Nur: vor dem Infekt, wenn (scheinbar) alles in Ordnung ist, kommt natürlich niemand auf die Idee, eine Untersuchung zu veranlassen. Eine Einseitigkeit des Immunsystems kann dennoch bereits vor einem Infekt bestehen. Der Infekt ist sozusagen nur der Anlass, warum sich mittelfristig eine chronische Reizung des Verdauungstrakts und langfristig eventuell sogar eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung entwickeln können.

 

Bakterielle Infekte können für eine Reizung der Darmschleimhaut sorgen

 

Unter chronischer Stressbelastung sind die schützenden Eigenschaften der Darmschleimhaut gegenüber einem entspannten Zustand langfristig verschlechtert. Tritt unter diesen Bedingungen ein bakterieller Infekt auf den Plan, können die Stoffwechseltoxine der Bakterien die Darmschleimhaut so ähnlich wie ein Nervengift irritieren - und das für einen langen Zeitraum. Das gleiche trifft uneingeschränkt auch auf bestimmte Medikamente zu, genauso auf manche Nahrungsmittelzusatzstoffe. Je nach Konstitution und Vorbelastungen des Betroffenen fallen diese Reaktionen höchst unterschiedlich aus.

 

Das Fatale dabei ist, dass viele dieser Stoffe als harmlos für den Darm gelten, wobei die Empfindlichkeit und die verringerte Resistenz der Schleimhautbarriere nur selten mit in die Gleichung einfließt. So beobachte ich immer wieder „Einzelfälle“, deren Problematiken sich aber keinesfalls auf die Allgemeinheit übertragen lassen. Reizdarm als Folge eines Kontakts mit Glutamat, mit Farbstoffen, mit bestimmten Medikamenten (zum Beispiel auch Psychopharmaka!).

 

Sie werden vom Körper als Gift behandelt und aktivieren die humorale Abwehr. Die jedoch steht und fällt mit einer intakten Schleimhautbarriere des Darms. Ist diese durch Stress kompromittiert, können diese „Gifte“ chronische Zustände der Reizung auslösen, die nach und nach die harmonische Koordination des gesamten Verdauungstrakts durcheinander bringen und letzten Endes sogar in eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung münden können!

 

Viruserkrankungen sorgen für eine langfristige Einseitigkeit des Immunsystems

 

Viren aktivieren die zelluläre Abwehr, den Viren dringen in Zellen ein, um sich mittels des „Einbaus“ ihres Erbguts zu vermehren. Bei chronischem Stress ist der Schwerpunkt des Immunsystems jedoch in Richtung humorale Abwehr verschoben. Es tun sich sozusagen Verteidigungslücken auf, ähnlich wie bei Mannschaftssport. Längerfristig bestehende Viruserkrankungen greifen in den Energiestoffwechsel ein, verstärken den oxidativen Stress und schwächen so das darmassoziierte Immunsystem, mit möglichen (fatalen) Sekundäreffekten, wie beispielsweise Leaky-Gut-Syndrom. Noch verstärkt wird diese Problematik damit, wenn regelmäßig Schmerzmittel oder Erkältungsmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen missbraucht werden. Ein gefährlicher Cocktail!

 

Es kommt zu einer Art Stellungskrieg: Viren beeinträchtigen den Zellstoffwechsel, halten das zelluläre Immunsystem ständig in Alarmbereitschaft, können aber nicht „endgültig besiegt“ werden. Schwäche, Mattigkeit, Erschöpfung, ständiges latentes Krankheitsgefühl, verminderte Stressresistenz aber vor allen Dingen Zustände wie oben in der Studie beschrieben, sind die Folge. Wird jetzt nichts unternommen, kann sich sehr langfristig tatsächlich eine chronische Entzündung im Darm einstellen!

 

Fatale Fehldiagnosen

 

Diese Zustände beeinträchtigen und belasten den Patienten, man kommt ihnen mittels der medizinischen Standarddiagnostik aber nicht auf die Spur. Daher sollten Betroffene, die „monatelang leiden“, ohne dass etwas Konkretes gefunden würde, sich dringend auf eine umweltmedizinische Diagnostik einlassen, wie sie beispielsweise vom IFU (Institut für Umweltmedizin) oder vom IMD (Institut für medizinische Diagnostik) angeboten werden!

 

Anm.: Die in den Quellen genannten Studien beziehen sich überwiegend auf psychologischen Stress, können aber eins zu eins genauso auf den erwähnten organischen Stress übertragen werden!

 

Quellen:

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3439383/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27000826

http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1111/j.0963-7214.2005.00345.x

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2790771/

http://www.uib.cat/depart/dba/microbiologia/ADSenfcomI/material_archivos/infeccion%20gastrointestinal.pdf

https://courses.lumenlearning.com/microbiology/chapter/bacterial-infections-of-the-gastrointestinal-tract/

Kommentar schreiben

Kommentare: 0