Asthma, Atopie...und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Sozusagen brandaktuell ist diese Studie aus Kanada:

 

Die kanadischen Forscher versuchten, Asthma in der klinischen Vorgeschichte mit der Diagnose Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa in Zusammenhang zu bringen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Zusammenhang vorhanden ist. Da die Meldung erst wenige Tage alt ist, hat sie noch keine Interpretation.

 

Zunächst kurz für den Ergebnissen der Studie:

 

Gegenüber der gesunden Normalbevölkerung ist das Risiko, irgendwann einmal an Morbus Crohn zu erkranken, mit der Diagnose Asthma in der klinischen Vorgeschichte 1,49-fach so hoch wie ohne diese Vordiagnose. Also um knapp die Hälfte höher als bei vorher gesunden Personen. Diese Ergebnisse ließen sich auf jeder Altersgruppe übertragen.

 

Umso erstaunlicher das Ergebnis bei Colitis ulcerosa: eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Colitis zu erkranken, hatten Asthmapatienten vor den 17. Lebensjahr und nach dem 40. Lebensjahr - aber nicht dazwischen. In den Altersgruppen der jungen und der älteren Patienten war das Risiko für Asthmatiker vergleichbar, an Morbus Crohn zu erkranken wie an Colitis ulcerosa (1,49 für die Altersgruppe der unter siebzehnjährigen, 1,55 für die Altersgruppe der über vierzigjährigen Patienten).

 

Die Altersgruppe der Patienten zwischen 17 und 40 hatte hingegen kein erhöhtes Risiko, mit der Vordiagnose Asthma an Colitis ulcerosa zu erkranken.

 

Lässt dieses Ergebnis Raum für eine Aussage über das Immunsystem?

 

Wenn eine simple Korrelation sozusagen taufrisch ist, gibt es von wissenschaftlicher Seite natürlich keine Interpretation. Es ist jedoch merkwürdig: Asthma in jeder Altersgruppe erhöht das Risiko für Morbus Crohn, hingegen nur bei den Jugendlichen und Kindern und bei den Personen in etwa ab den Wechseljahren das Risiko für Colitis ulcerosa. Es muss eine gewisse Bedeutung haben, die eventuell in der allgemeinen Stärke des Immunsystems, in der Flexibilität und in der Differenzierungsfähigkeit liegt.

 

Ich möchte mich als einfacher Heilpraktiker diesbezüglich natürlich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich kann selbst nur Vermutungen anstellen.

 

Zunächst einmal erreicht die Entwicklung der Thymusdrüse etwa mit dem zwölften Lebensjahr ihren Höhepunkt. In dieser Zeit ist das Immunsystem sozusagen am stärksten, aber auch am flexibelsten. Nach der Pubertät schrumpft die Thymusdrüse. Die Thymusdrüse gibt hormonelle Signale zur Differenzierung der T-Helferzellen. Sie ist sozusagen die Schule für diese Zellen des lymphatischen Systems.

 

In der Naturheilkunde kennen wir den Zusammenhang zwischen Asthma, Allergien und Neurodermitis – die alle drei auch als „Atopie“ oder krankhafte „Th2-Dominanz“ bezeichnet werden. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können nicht mit Sicherheit in diese Kategorie eingeordnet werden. Im Gegenteil: Morbus Crohn ist mehrheitlich Th1-dominant, Colitis ulcerosa hat eine relativ ausgewogene Verteilung bei Th1- und Th2-Dominanz.

 

Es ist daher von vornherein schon einmal erstaunlich, dass alle Altersgruppen mit Asthma in der klinischen Vorgeschichte ein erhöhtes Risiko haben, an der Th1-dominanten Erkrankung Morbus Crohn zu erkranken.

 

Warum gibt es diesen Zusammenhang bei Colitis ulcerosa-Patienten der mittleren Altersgruppe nicht?

 

Ich kann aktuell nur vermuten, dass ein immunologisches Paradoxon zur „Bevorzugung“ junger und älterer Patienten bei Colitis ulcerosa führt: das flexible, Jugendliche Immunsystem versucht die vorhandener Entzündung sozusagen über den Darm zu „retten“ - wohingegen das Immunsystem mit Beginn der Wechseljahre gegenüber der Th2-Dominanz mehr oder weniger machtlos ist und sich daher das Risiko für Colitis ulcerosa als Folgeerkrankung erhöht.

 

Aus meiner eigenen Beobachtungen bisher weiß ich, dass bei vielen jüngeren Patienten mit Beginn der Darmentzündung sich die Asthma-, Allergie- und Neurodermitis-Symptome entweder abschwächen oder sogar ganz verschwinden. Wohingegen ich bisher bei Personen ab dem 40. Lebensjahr beobachtet habe, dass entweder länger keine Asthma-Symptome mehr aufgetreten sind oder sich die „Atopie“ mit Beginn der Erscheinungen der chronischen Darmentzündung nicht abschwächt.

 

Eines ist sicher: diese unscheinbare Studie, die ich aus dem englischsprachigen Netz herausgezogen habe, könnte mittelfristig interessante neue Erkenntnisse in Bezug auf das Immunsystem vermitteln - wenn man nur danach geht und nachfragt, was dieses seltsamen Zusammenhänge zu bedeuten haben!

 

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