Morbus Crohn - was hat es mit einer fettreichen Ernährung auf sich?

Mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz: Sie trauen Nahrungsfetten sicherlich immer noch nicht so recht über den Weg, oder? Jahrzehnte lange „Anti-Fett-Propaganda“ hat ihre Spuren hinterlassen - vor allen Dingen in den Köpfen der Menschen, die sich aktiv mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen.

 

„Aktiv mit der Gesundheit auseinandersetzen“ - das betrifft auch die allermeisten Morbus Crohn-Patienten!

 

Das Thema Fett ist besonders bei Patienten mit Darmerkrankungen ein besonders sensibles Thema. Der Grund: Fette sind nun mal schwer verdaulich und benötigen eine hohe enzymatische Aktivität, wenn es um die richtige Verwertung geht. Plus: man hat uns wirklich sehr lange eingeredet, dass gerade die gesättigten Fettsäuren in jeder Hinsicht schlecht für unsere Gesundheit sind. Es ist gerade erst ein paar Wochen her, da wollte man uns gesundheitsbewussten Menschen den Genuss von Kokosöl „madig machen“.

 

Doch jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung von Ernährungsphysiologie hat, weiß, dass gesättigte Fettsäuren nicht gleich gesättigte Fettsäuren sind. Hier muss man schon unterscheiden: es gibt nämlich kurzkettige gesättigte Fettsäuren, die der Körper im Dickdarm überwiegend selbst herstellt. Dann gibt es die mittelkettigen Fettsäuren, wie sie zum Beispiel in Kokosöl enthalten sind - und die vom Körper energetisch und biochemisch völlig anders behandelt werden als langkettige Fettsäuren! Und dann gibt es die langkettigen Fettsäuren, die vor allem in Butter und Schmalz stecken.

 

Neue Studie sagt: der gesteigerte Verzehr von Fetten wie Kakaobutter und Kokosöl kann Morbus Crohn lindern!

 

Und nein, diese Studie stammt nicht von einer „alternativen“ Gesundheitszeitschrift oder gar einem bekannten Organ für Verschwörungstheorien! Sie stammt vom American Journal of Medicine. Bei Mäusen mit Crohn-ähnlichen Symptomen wurde eine Reduktion der diversifiziert der Darmflora um bis zu 30 % festgestellt, wenn sie mehr gesunde Fette erhielten, und zwar Kakaobutter und Kokosöl. Dadurch verringerten sich auch die Entzündungserscheinungen. Kurz gesagt, scheinen die erwähnten Fette die Vermehrung bestimmter Bakterienstämme zu hemmen.

 

Eine andere Theorie ist, dass durch dieses Vorgehen ein niedriger Kohlenhydratanteil notwendig ist und die damit auch fehlenden Ballaststoffe sich ebenfalls auf die Biodiversität auszuwirken scheinen, also die Anzahl der registrierbaren Darmbakterien.

 

Hier tun sich besonders bei Kokosöl vor allen Dingen zwei Fettsäuren hervor: die Laurinsäure und vor allen Dingen die Caprylsäure.

 

Aber hinter der Idee steckt noch mehr:

 

Eine Ernährung, reich an Kokosöl und Kakaobutter, senkt den „Bedarf“ an Kohlehydraten, vor allen Dingen an stärkereichen Kohlehydraten. Viele Therapeuten, Ernährungsberater und Gesundheitsberater haben gerade bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Kohlenhydrate „auf den Index“: man liest häufig Empfehlungen einer kohlenhydratarmen Diät, wie z.B. der „Steinzeit-Diät“.

 

Ein unbemerkter Trend aus den USA, der dort vor einigen Jahren für Furore gesorgt hat, ist hierzulande fast untergegangen: „LCHF“. Das ist die Abkürzung für „Low Carb, High Fat“ und quasi die Aufforderung, die beliebtesten Kohlenhydratquellen quasi durch Fett zu ersetzen. Ein mögliches Beispiel wäre ein schönes, thailändisches Kokosmilch-Curry, nur ohne Reis (Davon gibt es auch sehr milde Varianten ohne scharfe Gewürze)! Wie schon gesagt, hat man von dieser Diät hier in Europa nur wenig gehört. Man muss schon genau danach suchen, um entsprechende Artikel und Erfahrungen zu finden.

 

Die Autoren der oben genannten Studie empfehlen weiterhin eine überwiegend auf pflanzlicher Kost basierte Ernährung. Außerdem weisen Sie darauf hin, dass Betroffene unterschiedlich auf eine fettreiche Ernährung reagieren könnten und empfehlen, die verwendeten Fette zunächst ohne eine Veränderung der Menge durch Kokosöl und Kakaobutter zu ersetzen.

 

Wie ich darüber denke…

 

Fett ist ein wichtiger Baustein in der menschlichen Ernährung und viele Menschen müssen sich wohl eher um zu wenig Fett oder die falschen Fette Gedanken machen als um zu viel Fett. Gerade bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen muss man das Ganze differenziert sehen. Fette haben unterschiedliche Effekte:

 

Erstens: grundsätzlich klagen besonders viele Morbus Crohn-Patienten über eine schlechte Verträglichkeit von Nahrungsfetten. Das Problem liegt zu einem kleinen Teil in einem Enzymmangel begründet, zu einem weitaus größeren Teil daran, dass Fette über die entzündete Darmschleimhaut nicht richtig resorbiert werden können. Dadurch wandern sie unverdaut in den Dickdarm. Unter ungünstigen Umständen kann dies Fäulnisprozesse verstärken.

 

Zweitens: die „falschen Fette“ lösen Beschwerden aus. Dabei denke ich jetzt nicht so sehr an Omega-6-Fettsäuren und Transfettsäuren, die für sich natürlich gefährlich sind, vor allen Dingen langfristig betrachtet. Ich denke an gewisse Pflanzenöle, die Polyphenole und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, wie z.B. Olivenöl oder Rapsöl. Diese reizen nämlich hormonell (über die Ausschüttung von Cholezystokinin z.B.) das vegetative Nervensystem und sorgen für Blähungen und Unwohlsein. Bei Kokosöl und Kakaobutter finden wir dieses Problem, allerdings bereits stark reduziert.

 

Drittens: problematische Kohlenhydrate! Durch den kontinuierlichen Energiemangel aufgrund von Verdauungsproblemen haben nicht wenige Morbus Crohn-Patienten ständig das Gefühl eines Energiedefizits bzw. eines Glukosemangels, was zu Heißhunger führt. Dadurch entsteht eine Gier nach Süßem, das natürlich wieder wegen Reizung der Darmschleimhaut die Beschwerden verstärkt - ein Teufelskreis! Durch die vermehrte Zufuhr von Fetten mit mittelkettigen Fettsäuren wird der Energiehaushalt verbessert. Heißhungerattacken verringern sich oder verschwinden ganz.

 

Viertens: ob es wirklich nur Vorteile hat, wenn die Artenvielfalt der Darmflora bei einer entzündlichen Erkrankung reduziert wird, sei dahingestellt. Es gibt sowohl Studien, die dafür sprechen als auch solche, die dagegen sprechen. Es könnte sich letzten Endes nur herausstellen, dass eine Reduktion der reinen Artenvielfalt (unspezifisch, ohne die Darmflora in „gut“ und „böse“ einzuteilen) in letzter Konsequenz ausschließlich die Flexibilität des darmassoziierten Immunsystems reduziert. Denken Sie daran: die reine Artenvielfalt sagt bei einer entzündlichen Erkrankung im Verdauungstrakt noch relativ wenig über den Verlauf aus. Wichtig sind die so genannten „Leitkeimstämme“ und vor allen Dingen die Bakterien, die über die Dominanz verschiedener Anteile des Immunsystems entscheiden.

 

Letzten Endes können wir die Rolle „guter Fette“ im Sinne der Studie nur in Bezug auf einige, nicht aber auf alle Parameter in ihrer Auswirkung auf die Entzündung bewerten. Ganz sicher hat vor allen Dingen Caprylsäure in Kokosöl eine positive Auswirkung auf das Mikrobiom und genießt daher meine Empfehlung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Manchmal kann und sollte sie auch therapeutisch eingesetzt werden als Nahrungsergänzung. Kokosöl enthält Caprylsäure, allerdings sind die Mengen meinem Erachten nach bei normalen Verzehrmengen zu gering, um einen wirklichen therapeutischen Effekt im Darm entfalten zu können.

 

Mein Tipp: Mit hohen Mengen an Fett zu „arbeiten“, lohnt sich nicht für jeden. Die meisten Pflanzenöle wie Olivenöl, Distelöl, Maiskeimöl oder Rapsöl mal eine Zeit lang durch Kokosöl oder durch Kakaobutter zu ersetzen (oder beides) ist für die meisten Morbus Crohn-Patienten in jedem Fall einen Versuch wert!

 

Quellen:

 

http://www.ajmc.com/newsroom/high-fat-diet-reduces-gut-bacteria-and-fights-against-crohns-disease

http://www.rd.com/health/conditions/diet-for-crohns-disease/ 

https://www.welt.de/kmpkt/article165682199/Darum-ist-Kokosoel-schlimmer-als-Schweineschmalz.html#Comments

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