Brennnesselextrakt bei Colitis ulcerosa?

Kann das sein? Übersehen wir Therapeuten bei aller Komplexität, die chronisch-entzündliche Darmerkrankungen mit sich bringen, öfter mal die einfachen Dinge? Sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht oder besser (in diesem Fall) ausgedrückt: vor lauter Kräutern den Wald nicht?

 

Manchmal hat es den Anschein…

 

Eine Tierstudie zum Thema Brennnesseln und Colitis gab es bereits 2005!

 

Wir Naturheilkundler bringen mit Brennnesseln (Brennnesseltee) ein gutes Rheumamittel, eine gute Quelle für organisches Kalium und eine verbesserte Nierentätigkeit in Verbindung, um die wichtigsten Eigenschaften dieser Pflanze zu nennen. Mit chronischen Darmproblemen hingegen bringen wir sie nicht so sehr in Verbindung.

 

Dabei zeigte sich bereits in 2005 in einem Laborversuch mit Mäusen, bei denen eine Colitis künstlich herbeigeführt wurde, eine signifikante Reduktion sowohl der Symptome als auch der labormedizinischen Entzündungszeichen beim Einsatz von IDS 30, einem Extrakt aus Brennnesseln.

 

Allerdings war es erst vor einigen Wochen, als im Rahmen einer iranischen Studie mögliche positive Effekte von Brennnesselextrakt auf Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verifiziert wurden:

 

In dieser Studie, die im Mai 2017 veröffentlicht wurde, wurden 64 Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen rekrutiert. Die Hälfte erhielt einen ethanolischen Auszug aus Brennnessel, dreimal täglich 400 mg, die andere Hälfte ein Placebo.

 

Bei der „Brennnessel-Gruppe“ verbesserten sich: die Thrombozyten, das C-Reaktive Protein, die Verfügbarkeit und Wirksamkeit antioxidativ wirkender Enzyme, aber auch subjektive Faktoren wie die Lebensqualität gegenüber der Placebo-Gruppe. Sicherlich sind die Unterschiede nicht dramatisch, aber dennoch auffällig. Auf Verbesserungen im roten und weißen Blutbild waren zu verzeichnen.

 

Brennnessel: positive Wirkungen von Kalium

 

Brennnesseltee enthält reichlich Kalium. Kalium ist ein Mineralstoff, der in der durchschnittlichen modernen Ernährung etwas unterrepräsentiert ist. Kalium reguliert den Wasserhaushalt, den Blutdruck und den Darmtonus. So ist es beispielsweise bekannt, dass Abführmittel dem Organismus diesen Mineralstoff entziehen. Auch chronische Durchfälle wie bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können mittelfristig zu einem Kaliummangel führen. Der Tonus des Darms erschlafft. Gerade bei Colitis ulcerosa kann dieser Umstand indirekt eine Entzündung verstärken:

 

Durch die Stagnation von Kot im erschlafften Dickdarm wird das Wachstum ungünstig wirksamer Darmbakterien gefördert. Gerade im letzten Dickdarmabschnitt, vor dem Rektum, wird dadurch eine Entzündung möglicherweise gefördert. Eine zusätzliche Zufuhr von Kalium könnte sich also als nützlich erweisen.

 

In diesem Sinne spricht nichts dagegen, neben einem Extrakt wie beispielsweise „Hox Alpha“ auch den Tee auszuprobieren.

 

Allgemeiner Hinweis: Kräutertees bzw. Kräuterextrakte sollten ohne Aufsicht sowie Verordnung durch einen Arzt bzw. Heilpraktiker nicht länger als 4-6 Wochen am Stück genommen werden, zumindest sollten während der Einnahme immer einmal wieder Pausen eingelegt werden.

 

Quellen:

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15338166

 

https://wildfoodism.com/2013/12/02/plant-medicine-and-inflammatory-bowel-disease/

 

http://www.organiclifestylemagazine.com/healing-allergy-inflammation-with-stinging-nettle

 

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S221080331730026X

 

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