"Biliäre" Durchfälle bei Morbus Crohn

Wenn Sie mit einem bereits diagnostizierten Morbus Crohn zu einem Gastroenterologen gehen und von Durchfällen berichten, wird er diese Durchfälle auf einen entzündeten Darm schieben. „Sie haben einen Schub“ ist in diesem Falle die wahrscheinlichste Antwort. Natürlich hat er in den allermeisten Fällen Recht. Aber eben nicht in Allen. Und: trotz „Schub“ kann die genauere Ursache für den Durchfall von Person zu Person sehr verschieden sein.

 

Die kleinen, aber feinen Unterschiede: Ursachen für Durchfall bei Morbus Crohn

 

Es gibt einige verschiedene Ursachen für Durchfall bei Morbus Crohn, wenn man sich die Lage genauer betrachtet. Hier die wichtigsten Ursachen:

 

Erstens: Entzündung im Dünndarm. Der Dünndarm ist der Ort, wo vor allen Dingen im letzten Drittel Nährstoffe aufgenommen werden. Es ist auch der Ort, wo sich Morbus Crohn am wahrscheinlichsten manifestiert. Wenn aufgrund der Entzündung bestimmte Nährstoffe nicht aufgenommen werden, wandern sie in den Dickdarm. Dort fördern Sie das Wachstum von verschiedenen Darmbakterien, die dem „Wirt“ nicht immer wohlgesonnen sind. Wird Eiweiß nicht richtig verdaut, werden Fäulnisbakterien im Wachstum gefördert. Werden Kohlehydrate nicht richtig verdaut, nimmt die Gärungsflora überhand. Ein Übermaß beider Arten von Bakterien kann über unterschiedliche Mechanismen chronischen Durchfall auslösen. Darüber hinaus gibt es noch den Fall, dass nichts wirklich so richtig verdaut wird und der pH-Wert im Dickdarm stark schwankt. Durch die ständige Reizung der Darmschleimhaut kommt es ebenfalls zu Durchfällen.

 

Zweitens: Entzündung im Dickdarm. Hier ist der Fall einfacher. Der Dickdarm dient der Umwandlung für Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren und der Resorption von Wasser aus dem Speisebrei. Dadurch wird dieser angedickt und fest. Bei einer Entzündung im Dickdarm sind die für eine Umwandlung notwendigen Bakterien (z.B. „Faecalibacterium prausnitzii“) nicht ausreichend vorhanden, die Ballaststoffe verbleiben im Dickdarm und reizen die Darmschleimhaut. Dadurch haben Sie eine viel stärkere Wirkung als in einem gesunden Darm. Es kommt zu Durchfall. Wenn große Flächen des Dickdarms entzündet sind, kann Wasser nicht ausreichend aus dem Kot aufgenommen werden. Der Stuhlgang bleibt dünnflüssig.

 

Drittens: eine Verkürzung des Darms. Patienten mit Kurzdarmsyndrom leiden häufiger unter chronischen Durchfällen, da aufgrund der verkürzten Darmpassage weder alle Nährstoffe ausreichend aufgenommen werden, noch dem Stuhlgang genügend Wasser entzogen werden kann.

 

Viertens: ganz simpel: auch Morbus Crohn-Patienten können einen Infekt bekommen. Es ist sogar wesentlich wahrscheinlicher als bei einer gesunden Person, dass dieser auf den Darm schlägt. Ich denke: das kann man nicht oft genug betonen. In aller Regel haben Personen mit Morbus Crohn ein typisches Muster bei Schüben. Sie haben dann die für sich typischen Durchfälle. Oftmals, aber nicht immer, sind bei Infektionen die Durchfälle gegenüber einem klassischen Schub verändert. Und schließlich…

 

Fünftens: so genannte biliäre Durchfälle. Diese Art von Durchfällen entsteht, wenn Gallenflüssigkeit im letzten Dünndarmabschnitt aufgrund der Entzündung nicht aufgenommen wird. Das ist immer dann der Fall, wenn entweder eine Entzündung besteht, oder bestimmte Darmbakterien fehlen, oder beides.

 

Ein Artikel des medizinischen online-Archivs Pubmed von 2015 fasst die Probleme, wie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine verschlechterte Resorption von Galle entstehen kann, kurz zusammen:

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25248001

 

Es gibt weitere Artikel zu dem Thema, einer davon erstaunlicherweise bereits aus dem Jahr 1994:

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3157032/

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1374639/

 

Als Hauptgründe werden eine Entzündung im letzten Dünndarmabschnitt bzw. die chirurgische Entfernung dieses Abschnitts genannt. Wichtigstes Kennzeichen dieser Art von Durchfällen ist, dass Sie auf eine konventionelle Behandlung mit Immunsuppressiva nicht recht ansprechen. Oftmals brennen die Studiengänge bereits kurz vor der Ausscheidungen Enddarm und während und nach der Defäkation am After. Die Probleme lassen sich mit Colestyramin ausreichend behandeln.

 

Natürliche, aber dennoch nicht immer empfehlenswerte Alternativen:

 

Es gibt einige natürliche Alternativen zu Colestyramin, die allerdings bei einem entzündeten Darm nicht immer empfehlenswert sind.

 

  • Tonerde, wie z.B. Argiletz grüne Tonerde oder Luvos Heilerde Ultra
  • Smektit (Colina)
  • Huminsäuren, eventuell in Kombination mit Fulvosäuren (geringer therapeutischer Effekt)

 

Ich empfehle den Patienten in der Praxis häufig, Öle mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren (unabhängig vom Gehalt an Omega-3-Fettsäuren!) und Öle, die reich an sekundären Pflanzenstoffen sind wie Olivenöl, zu reduzieren bzw. gegebenenfalls ganz zu vermeiden. Durch diese Öle wird verstärkt die Ausschüttung von Galle angeregt. Bei Kokosöl ist dies weniger der Fall.

 

Von einem großartigen Effekt zu reden, wäre allerdings übertrieben. Durch die Nutzung ausschließlich von Kokosöl kommt es bei manchen Patienten zu einer gewissen Linderung der Symptome, allein hierdurch allerdings nicht zu einer Heilung. Was ich aber festgestellt habe, ist, dass vor allen Dingen Olivenöl und bestimmte Pflanzenöle die Beschwerden zu verschlimmern scheinen. Außerdem muss man ja bei allen Nahrungsmitteln auf versteckte Fette achten. Industriell verarbeitete Nahrungsmittel wie beispielsweise abgepacktes Gebäck schneiden hier besonders schlecht ab, was „auch“ ein Problem von Transfettsäuren ist.

 

Dünndarmmilieu und Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit beeinflussen

 

Ich habe interessanterweise in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass homöopathisiertes Cholesterin (Potenzen: D4 bis D8) in Kombination mit fettlöslichen Antioxidantien wie Tocotrienol (eine besondere Form von Vitamin E) sowie Cholin / Inositol die Symptome mittelfristig etwas lindern kann, da durch all diese Dinge die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit beeinflusst werden kann.

 

Dazu kann es bei Patienten ohne akute Entzündung sinnvoll sein, das Dünndarmmilieu zu beeinflussen. Gerade wenn die Übergangsklappe zwischen Dünndarm und Dickdarm fehlt (nach Operation), wandern auf Bakterien aus dem Dickdarm in den Dünndarm ein, die sich ebenfalls negativ auf die wieder Aufnahme von Gallensäuren auswirken. Dieses Phänomen nennt man aus dem englischen SIBO (= „Small Intestinal Bacterial Owergrowth“). Schwache natürliche Antibiotika können hier „ausdünnen“ und das Milieu des Dünndarms verbessern. Im Dünndarm sind gegenüber dem Dickdarm natürlicherweise viel weniger Bakterien vorhanden.

 

Dies alles sind Maßnahmen, die das Problem „biliärer Durchfälle“ individuell lindern können.

 

Quellen: siehe oben

 

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