Gründe, warum die Steinzeit-Diät sich bei CED nicht positiv oder sogar negativ auswirken kann

In diesem Artikel haben Sie gelesen, wann und wieso sich eine Steinzeit-Diät positiv auf die Gesundheit des Darms besonders bei Morbus Crohn auswirken kann.

 

Eines der größten Missverständnisse in der Ernährungstherapie und in der Naturheilkunde ist, dass eine Art der Ernährung sich bei bestimmten Symptomen und Krankheiten grundsätzlich positiv auswirkt. Tatsächlich können aber zwei verschiedene Personen nahezu deckungsgleich Symptome entwickeln und auch medizinisch betrachtet an der gleichen Krankheit leiden. Trotzdem ist der Eine mit einer überwiegend vegetarischen oder sogar veganen Ernährung gut bedient, der Andere sollte hingegen die Kohlenhydrate in seiner Kost reduzieren.

 

Die Steinzeit-Diät ist nicht für jeden geeignet…

 

Nein, auch nicht für jeden mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder mit einer anderen Autoimmunerkrankung. Die Probleme im Darm sind zu vielschichtig und komplex, dass man sagen könnte: „die Steinzeit-Diät macht in vier Wochen gesund!“

 

Zunächst einmal: die Steinzeit-Ernährung ist so völlig anders als die von den meisten Ernährungswissenschaftlern empfohlene Ernährung besonders bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Nun könnte man argumentieren: viel Sinnvolles ist von Seiten der „offiziellen“ Ernährungswissenschaften bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ja noch nicht gekommen. Dass die empfohlene Schonkost in jeder Lebenslage genau das richtige für Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist, wage ich zu bezweifeln. Dennoch: eine konsequente Steinzeit-Diät ist weit davon entfernt, jedes Problem im Darm zu lösen. Ja, unter ungünstigen Umständen schafft diese Form der Ernährung sogar neue Probleme. Hier die wichtigsten:

 

1.     Pflanzliche Energiequellen sind oft sehr ballaststoffreich

 

Nein, in der Steinzeit-Diät ernährt man sich nicht ausschließlich von Fleisch. Gegenüber der „bürgerlichen Normalkost“ ist der Anteil an tierischem Eiweiß meist etwas erhöht (das kann für sich gesehen wieder Probleme erzeugen, siehe nächster Punkt). Die pflanzlichen Nahrungsquellen bestehen aus: Salat, Gemüse, etwas Obst (vorwiegend Beerenobst und fruchtzuckerarme Obstsorten), Nüssen, Sprossen - wenn man die Diät streng einhält. Manche Steinzeit-Anhänger „mogeln“ etwas und nehmen noch Pseudogetreide mit hinzu, wie beispielsweise Buchweizen. So lässt sich mit Mandelmehl etwa ein vernünftiges Brot backen. Wenn man reichlich von diesen Nahrungsmitteln isst und dazu ein wenig tierisches Eiweiß, wirkt sich das bei den meisten nicht von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung betroffenen Personen zumindest eine Zeit lang sehr gut auf die Gesundheit aus. Beispielsweise auf das Gewicht. Wenn aber der Darm abschnittsweise oder ganz entzündet ist, sieht das anders aus. Ballaststoffe und Fruchtsäuren können den Darm verstärkt reizen, was Durchfälle verstärken kann.

 

2.     Zu viel tierisches Eiweiß oder „auf der Suche nach Energie“

 

Der zweite wichtige Punkt bei der in der Steinzeit erlaubten Pflanzenkost ist der: Umsteiger berichten von einem (meist eine gewisse Zeit anhaltenden) Energieabfall durch die stärkearme Kost. Schon für gesunde Personen kann das im Alltag zum Problem werden, Stichwort: Heißhunger. Bei Morbus Crohn-Patienten, die dazu aufgrund einer verminderten Nährstoffresorption von vornherein notorisch an Energiemangel leiden, ein k.o.-Kriterium! Durch die noch einmal verringerte Energiezufuhr durch stärkearme Kost kommt es im Körper zu einem regelrechten Energienotstand, der eine massive Ausschüttung von Stresshormonen ermöglicht. In einem Zustand von Stress jedoch wird die Verdauungsleistung weiter eingeschränkt. Besonders Eiweiß wird dann ganz schlecht verdaut - gerade für Morbus Crohn-Patienten, die mit einem notorischen Energiemangel zu tun haben, eine fatale Kombination!

 

Der ein- oder andere Ernährungsexperte empfiehlt daher, so genannte „sichere Stärkequellen“ zuzulassen: Reis, Kartoffeln, Hirse, Pseudogetreide. Wer es aber mit der Steinzeit-Diät ernst meint, für den bleiben zwei Alternativen, um an Energie zukommen: Eiweiß oder Fett. Beide Energiequellen sind im Übermaß problematisch. Was der Körper nicht verdauen kann, wird im Dickdarm zur tickenden Zeitbombe! Die Darmflora verändert sich, konfrontiert mit großen Mengen unverdauten tierischen Eiweißes oder mit Fetten, oder mit beidem. Auf diese Weise werden so genannte sekundäre Entzündungsherde gefördert: im Enddarmbereich stellt sich eine massive Fäulnisflora ein, die mit ihren Stoffwechselprodukten die Darmschleimhaut reizt und zur Entzündung provoziert. Das ganze kann noch verschärft werden durch den nächsten Punkt…

 

 3.     Enzymmangel

 

Eventuell haben Sie dies beim Lesen anderer Artikel von mir schon mitbekommen: es gibt verschiedene „Enzym-Typen“. Wenn der Magen und die Bauchspeicheldrüse, aber auch die Leber schwach sind (das ist zum Beispiel bei mir der Fall) bewältigt der Darm schon im gesunden Zustand kaum die Mengen an Eiweiß und Fett, die mit einer Steinzeit-Diät verbunden sind. Ist die Darmschleimhaut des Darms dann noch entzündet, ist es ganz aus. Die Faktoren zwei und drei verstärken sich gegenseitig! In der Naturheilkunde gibt es daher unter anderem die Empfehlung, den Enzymhaushalt gezielt zu stärken, beispielsweise die Magensäure oder die Bauchspeicheldrüse anzuregen. Bei einem sensibilisierten darmassoziierten Nervensystem kann dieser Schuss im wahrsten Sinne nach hinten losgehen: auch Enzympräparate bekommen nicht jedem mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, sondern können Durchfälle verstärken!

 

4.     Eine zu Grunde liegende Darmträgheit

 

Eventuell fällt Ihnen es schwer, dies zu glauben, aber: trotz Durchfall kann die natürliche Tendenz eher die einer Darmträgheit sein. Auch das ist zum Beispiel bei mir der Fall. Ich war vor meiner Morbus Crohn-Erkrankung eher „verstopft“ und ich bin es heute wieder, wenn ich nicht genügend „Säure“ mit meiner Nahrung bzw. (lösliche) Ballaststoffe bekomme. Die Steinzeit-Diät ist eher säurearm. Sie kann zu einem Paradoxon führen: der Darm wird so träge, dass sich die Bakterienflora des Dickdarms vollkommen umbaut. Gleichzeitig ist der Darm aber so entzündet, dass er nur wenig Wasser aus dem Stuhl resorbieren kann. Das Resultat ist ein (ich habe das selbst schon erlebt) äußerst zäher, breiiger Stuhlgang, der nur mit Krämpfen und viel Druck auszuscheiden ist und wo „der Stuhldrang nie so richtig aufhört“. Kombiniert man das Ganze dann auch noch mit viel Eiweiß aus der Steinzeit-Diät, läuft die Darmflora völlig aus dem Ruder. Was wiederum reichlich oxidativen Stress bedeutet, wodurch der Organismus von den vielen „Steinzeit-Nährstoffen“ erst recht nicht profitieren kann.

 

Aus den Gründen 3 + 4 können auch Nahrungsmittelintoleranzen resultieren, die sich mit einer „Steinzeit-Diät“ verstärken können!

 

Meine Meinung: wenn sich die Symptome nach einer Ernährungsumstellung erst einmal verschlechtern, wird dies von vielen Ernährungsexperten und –Therapeuten häufig auf einen Entgiftungsprozess zurückgeführt. Aber was ist, wenn die Symptome auch nach ein paar Tagen oder gar Wochen anhalten? Wir sollten endlich aufhören, eine Ernährungsform zum Heilsbringer oder „Gott“ zu erklären und eine andere dafür schlecht zu machen. Jeder, der aufgrund eigener positiver Erfahrungen eine bestimmte Ernährungsform favorisiert, hat für sich genommen Recht. Er kann diese Erfahrungen aber nicht uneingeschränkt auf alle anderen Personen, auch nicht mit ähnlichen Problemen, übertragen.

 

Die Steinzeit-Diät kann sicherlich etliche Personen mit chronischen Darm- oder immunologischen Problemen helfen, ihre Symptome zu verbessern und sich gesünder zu fühlen. Sie ist aber kein Allheilmittel!

 

Quellen für diesen Artikel:

 

http://www.debrapasquella.com/2012/10/the-great-paleo-fail.html

 

https://paleoleap.com/paleo-troubleshooting-bloating-gas/

 

http://www.paleoplan.com/2012/09-17/still-having-digestive-problems-while-eating-paleo/

 

http://scdlifestyle.com/2012/05/did-scd-gaps-or-paleo-make-you-feel-worse/

 

 

 

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