Der Darmversteher, Teil 5: die Darmflora

Die Darmflora, oder etwas moderner: das Mikrobiom, ist aktuell der Forschung liebstes Kind. Nur nicht in Deutschland - das musste ich mir neulich auf einer Fachfortbildung anhören. Der Grund: „in Deutschland machen das ja eh die Heilpraktiker!“

 

Nur, dass die Heilpraktiker dummerweise nicht Millionen und Milliarden Euro für die pharmakologische Forschung im Rücken haben. Drum wundert es nicht, dass uns Nachbarländer diesbezüglich mittlerweile um Lichtjahre voraus sind.

 

Die Bakterien sind für den Darm, was ein Volk für ein Land ist

 

Man kann die Darmbakterien durchaus mit einem Volk vergleichen: die lebensnotwendige Basis eines Volkes ist der „Arbeiter“, ohne den von vornherein überhaupt nichts geht. Übertragen auf den Darm sind das die Bakterienstämme, die mit einer großen Zahl von Individuen vorkommen und grundlegende Funktionen im Darm wahrnehmen – und ohne die der Darm nicht wirklich existieren könnte. Diese Darmbakterien hören auf Namen wie Enterococcus, Lactobacillus, Bifidobacterium.

 

Dann gibt es da noch die einigen Wenigen. Das sind sehr spezielle Typen, die nicht in großer Zahl vorkommen. Auch ohne Sie geht das Leben irgendwie weiter. Aber um einen Staat bzw. einen Darm wirklich zum „Erblühen“ zu bringen, braucht es auch diese Typen. Es sind die Querköpfe, die kreativen Denker oder übertragen auf die Darmflora eben die Typen für die ganz speziellen Aufgaben. Auf die Darmflora übertragen kommen Sie nicht in sehr große Anzahl vor, übernehmen aber ganz spezielle Aufgaben. Sie heißen Faecalibacterium, Akkermansia oder Oxalobacter.

 

Eine Abnahme der Artenvielfalt - das Leben geht irgendwie weiter, aber toll ist es nicht

 

Ein Biologe, der sich womöglich mit Umweltproblemen beschäftigt, beschwört gerne die so genannte Artenvielfalt in Ökosystemen wie beispielsweise dem Wald. Und beobachtet, dass diese im letzten halben Jahrhundert immer mehr abnimmt. Umweltmediziner und Mikrobiologen beobachten aktuell die gleiche Entwicklung mit der Bakterienvielfalt im Darm:

 

„es ist nichts mehr so, wie es einmal früher war!“

 

Theoretisch können in so einem Darm bis zu 2000 verschiedene Arten von Bakterien stecken. In der Praxis finden sich in einem halbwegs gesunden „Zivilisationsdarm“ nur mehr ca. 400 bis 500 verschiedene Arten, bei einer chronischen Krankheit sind dies häufig nur noch 150-200 verschiedene Arten. Die Anzahl der Individuen nimmt dabei absolut gesehen gar nicht mal so sehr ab. Es ist tatsächlich eine Abnahme der Artenvielfalt auch im Darm, die zu beklagen ist.

 

Die wichtigsten Basisfunktionen können so zwar wahrgenommen werden, zu einer brillanten Gesundheit verhilft einem eine solch artenarme Darmflora allerdings nicht. Die Betroffenen haben dann zwar keine großartigen Symptome, fühlen sich aber müde, schlapp, haben Konzentrationsschwächen und sind nicht sehr belastbar - weder körperlich, noch geistig.

 

Ein Zustand, den bezogen auf Länder wie Deutschland sicherlich ungefähr 90 % der Bevölkerung zu beklagen hat.

 

Genauso sieht es im Prinzip mit einem Land aus. Wo die genialen Köpfe, die Querdenker bzw. auch die „Spinner“ und Visionäre fehlen, geht das Leben natürlich irgendwie weiter. Herausragendes ist von einem solchen Land aber zumindest langfristig nicht zu erwarten. Hier wie dort passt auf eine beinahe geniale Weise der Spruch: „es geht so!“

 

Eine schwerwiegendere Darmerkrankung beeinträchtigt Leben und Gesundheit insgesamt!

 

Wesentlich dramatischer und natürlich auch in einem negativen Sinne sehr spürbar ist es, wenn es der „Basis-Darmflora“ an den Kragen geht. Auch diesbezüglich habe ich auf der oben genannten Fachfortbildung etwas gelernt: Antibiotika-Kuren, die im Abstand von weniger als zwölf Monaten wiederholt werden, schädigen die Darmflora nicht selten dauerhaft und nachhaltig.

 

Wenn das der Fall ist, ist der Darm quasi schutzlos, da die oben beschriebene Darmflora aus den häufigsten Arten auch ein Teil des Immunsystems ist und das ausbildet, was man so schön als „Kolonisationsresistenz“ bezeichnet. Abwehrschwäche auf der einen Seite, Auto Immunreaktionen auf der anderen Seite und chronische Krankheiten sind die Folge.

 

Übertragen auf ein Ökosystem ist es das gleiche, wenn dieses nachhaltig zerstört wurde. Übertragen auf ein Volk und ein Land wäre eine vergleichbare Situation die der Diktatur oder der totalen Anarchie.

 

Die beiden Zustände, einander entgegengesetzt, finden ihre Entsprechung im Darm in einer rigiden „Autoimmunsituation“ – wenn das darmassoziierte Immunsystem die Darmflora beständig angreift und in Mitleidenschaft zieht – bzw. der absoluten Abwehrschwäche, wenn sich subversive Elemente wie schädliche Erreger, Pilze, Viren oder Parasiten auf Kosten der normalen „Basis-Darmflora“ ausbreiten. Dann übernehmen entzündliche Prozesse, schädliche Erreger und freie Radikale da wie dort das Regiment, stürzen den Darm ins Chaos und seinen Träger in eine chronische Krankheit. Man spricht da wie dort nicht umsonst von der „gesunden Mitte“.

 

Das trifft auf einen Staat ebenso wie auf ein Ökosystemen und den Darm zu. Die Situation muss da wie dort ausreichend unter Kontrolle sein, dass kein Chaos entsteht. Gleichzeitig muss ausreichend Freiheit bestehen, dass die „genialen Köpfe“ und natürlich auch die „Arbeiter“ positiv stimuliert werden! Jeder muss sich wohlfühlen!

 

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