Der Darmversteher, Teil 2: das Enzymsystem

Holz hacken ist Schwerstarbeit. Vorausgesetzt, man macht es nicht nur eine halbe Stunde, sondern einen ganzen Tag. Gerade für den maximal gestressten Büromenschen von heute. Und genauso, wie der gestresste und verspannte Büromensch von heute Probleme mit dem Holz hacken bekäme, hat er Probleme mit der Verdauung - und die kommen von seinem Enzymsystem.

 

Ein Enzym ist wie eine Axt – es zerkleinert etwas (Nahrung)

 

Wir bestrafen unser Verdauungssystem heutzutage doppelt. Wie, das möchte ich Ihnen an einem kleinen Beispiel erklären. Stellen Sie sich also vor, Sie müssten Holz hacken. Idealer Weise liegt der Baum bereits gefällt und grob von Ästen befreit sowie in groben Bohlen vor Ihnen. Wenn Sie jetzt eine scharfe Axt zur Hand haben, können Sie mit etwas Muskelschmalz daraus Feuerholz machen.

 

Aber was ist, wenn die Axt nicht scharf, sondern ausgesprochen stumpf ist? Das Hacken würde Ihnen wesentlich schwerer fallen. Jetzt stellen Sie sich zudem noch vor, dass der Baum noch gar nicht gefällt und grob zerkleinert ist. Dann wäre es für einen normalen Menschen wie Sie und mich schier unmöglich, Feuerholz zu machen.

 

Die Axt ist das Verdauungsenzym. Das Fällen des Baums entspricht dem Kauvorgang.

 

Wenn der Baum nicht gefällt ist, entspricht das einem ungenügenden Kauvorgang. Ist die Axt stumpf, entspricht das entweder dem Fehlen einer ausreichenden Menge von Enzymen oder der Verdünnung von Enzymen. Sie können sich sicherlich denken, worauf dies hinausläuft. Wir kauen unser Essen nicht mehr gründlich, sondern „spülen es runter“ - mit reichlich Flüssigkeit. In diesem Sinne bestrafen wir unser Verdauungssystem doppelt. Es muss sozusagen mit einer stumpfen Axt einen noch gar nicht gefällten Baum verkleinern und zu Feuerholz verarbeiten. In einem wortwörtlichen Sinne: es muss eine quasi ungekaute Nahrung in groben Brocken mit abgeschwächten oder verdünnten Enzymen in seine Nährstoffe zerlegen: in Aminosäuren, Fettsäuren und Glukose.

 

Warum reichlich Trinken zum Essen aus Sicht der Naturheilkunde nicht empfehlenswert ist

 

Irgendein Wissenschaftler sollen einmal sinngemäß geäußert haben, dass es völlig egal sei, ob der Magensaft einen pH-Wert von 1,0 oder von 2,0 hat. Es wäre in jedem Fall ausreichend, um Eiweiß vor zu verdauen.

 

Ich sehe das ehrlich gesagt nicht so. Der Unterschied zwischen pH-Wert 1,0 und 2,0 beträgt nämlich nicht das Doppelte, sondern das Zehnfache. Anders ausgedrückt: eine Lösung mit einem pH-Wert von 1,0 ist zehnmal so sauer wie eine Lösung mit einem pH-Wert von 2,0. Dem Wissenschaftler empfehle ich einmal, sich zuerst eine zweiprozentige Salzsäurelösung über die Hand zu kippen und dieses Experiment anschließend mit einer 20-prozentigen Salzsäurelösung zu wiederholen! Ich bin mir ziemlich sicher, er würde einen gewaltigen Unterschied merken.

 

Unter normalen Umständen (das bedeutet: Hormonhaushalt, Sympathikus und Parasympathikus sind ausgeglichen und es werden keine Medikamente eingenommen!) Schützt die Magenschleimhaut den Magen vor Selbstverdauung („Autodigestion“). Dieser Schutzmechanismus ist unter langanhaltenden Stress (oxidativer ebenso wie psychischer Stress), unter Veränderungen im Hormonhaushalt oder durch Medikamenteneinnahme gestört. Gerade bei „gutbürgerlichem“ Essen mit reichlich tierischem Eiweiß ist es gar nicht egal, wie stark konzentriert die Magensäure ist. Selbst wenn wir dazu ein Colagetränk trinken, ist die Cola mit einem pH-Wert von etwa 4 immer noch erheblich weniger sauer als der Magensaft und verdünnt diesen.

 

Die Eiweißvorverdauung im Magen ist einer der wichtigsten Teile der Verdauung überhaupt und wird stark unterschätzt. Sie ist allein durch unsere Lebensweise entscheidend geschwächt. Eine mangelhafte Eiweißverdauung „rächt“ sich im weiteren Verlauf im Dickdarm, wenn unverdautes Eiweiß regelrecht verfault und sich aufgrund dieses Fäulnisprozesses die Darmflora verändert. Der Körper wird schleichend belastet und vergiftet.

 

Mangelhaftes Kauen verstärkt das Problem!

 

Wenn wir dann nicht kauen, hektisch essen und das Essen „runterspülen“, werden viele Probleme verschärft. In jungen Jahren kann der Körper diese Unsitte einigermaßen kompensieren. Ist man allerdings erst einmal über 40, werden die Kompensationsmechanismen des Organismus immer schwächer. Der Darm, die Leber und damit indirekt der gesamte Organismus werden mit den Stoffwechselprodukten nicht vollständig verdauter Nahrungsmittel regelrecht schleichend „vergiftet“.

 

Dies merkt man natürlich nicht von einem Tag auf den anderen.

 

Auch reagiert jeder anders darauf. Unspezifische Symptome sind Müdigkeit, innerer Unruhe, schlechter Schlaf, Konzentrationsschwäche, Schwächen in der Regulation der Körperwärme (friert leicht, schwitzt leicht), depressive Verstimmung, alle möglichen Verdauungsprobleme von Verstopfung über Reizdarm bis Divertikulitis / Divertikulose, chronische Verspannungszustände.

 

Was darüber hinausgeht, hängt viel von den Schwächen des Einzelnen an den verschiedenen Organbereichen ab. Es kann sich eine chronische Darmentzündung einstellen, es können sich degenerative Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Lungenerkrankungen einstellen. Bei vielen degenerativen Veränderungen kommen noch andere Faktoren hinzu. Tatsache ist aber, dass die Darmflora sowie die allgemeine Gesundheit des Darms viele Dinge und Vorgänge im Körper beeinflussen. Nicht umsonst geben viele Naturheilkundler bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose oder sogar Krebs hoch dosiert Enzyme!

 

Die Enzymtherapie war vor dem Aufkommen der Chemotherapie des für den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts sogar einmal der Goldstandard in der Krebstherapie!

 

Enzymschwäche, die sich mit dem Alter verschärft

 

Gerade durch unseren modernen Lebensstil ist das Enzymsystem an allen Fronten geschwächt.

 

Permanenter Stress, langes Sitzen, Mangel an Spurenelementen, Bitterstoffen und sekundären Pflanzenstoffen in unserer modernen Ernährung und Umweltgifte erschöpfen unser Enzymsystem.

 

Ich denke, dass dies eine der Ursachen ist, warum erstens immer jüngere Leute an den so genannten degenerativen Alterserkrankungen erkranken (wie finden Diabetes 2 heute schon bei Kindern!) Und warum zweitens gerade bei jüngeren Menschen, deren Immunsystem noch stärker auf Belastungen aller Art reagiert, immer mehr chronisch entzündliche Erkrankungen auftreten.

 

Wenn wir dann auch noch schlecht kauen, unser Essen hektisch herunterschlingen und womöglich noch „nachspülen“, geben wir unserem Enzymsystem den Rest!

 

Mit einer stumpfen Axt ist nicht gut „Holz machen“. Erst recht nicht, wenn der Baum noch in seinem ursprünglichen Zustand vor einem steht!

 

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