Crohn und Colitis: Durchfall ohne Krankheitsschub? Hier sind die Gründe!

Das Leben mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist nicht gerade leicht. Zu den Krankheitssymptomen selbst kommt der Stempel, der einem nur allzu gerne vom Arzt aufgedrückt wird. Dieses Thema ist zwar nicht gerade neu, kommt aber relativ oft in meiner Naturheilpraxis zur Sprache.

 

Was ist, wenn Durchfälle vorherrschen, aber nichts auf einen Krankheitsschub oder eine Entzündung hindeutet?

 

Sie wissen Bescheid: sollte irgendwo in ihrer Krankenakte der Vermerk „Morbus Crohn“ oder „Colitis ulcerosa“ stehen, was wird Ihr Arzt Ihnen sagen, wenn Sie mit Durchfall in seiner Praxis vorstellig werden? „Das ist der Crohn / die Colitis!“

 

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole: nein. Nicht immer.

 

Tatsächlich kann es durchaus sein, dass Sie entzündungsmäßig nie so gut dagestanden haben. CRP, Calprotectin, Leukozyten, Alpha-1-Antitrypsin und Blutsenkung? Alles im grünen Bereich! Trotzdem haben Sie Durchfall. Wenn Sie Pech haben und einen besonders „pflichtbewussten“ Gastroenterologen haben, wird er Sie so lange durchchecken, bis er irgend eine geringe Abweichung von der Norm aufgetan hat - und Ihnen dann mit wissenden Blick verkünden: „sehen Sie?“

 

Wie auch immer, wenn Sie einen solchen Gastroenterologen haben, gebe ich Ihnen hier die passenden Fragen zum „kontern“:

 

  • Könnte es nicht sein, dass ich einen simplen Magen-Darm-Infekt habe?
  • Könnte es nicht sein, dass Durchfall zu den Nebenwirkungen Ihrer Medikamente zählt?
  • Könnte es nicht sein, dass ich schlicht und ergreifend was Falsches gegessen habe?
  • Könnte es nicht sein, dass sich eine Erkältung auf meinen Darm schlägt?
  • Könnte es nicht sein, dass ich Gallensäure verliere? (Anm.: zum Beispiel nach einer OP am letzten Dünndarmabschnitt)
  • könnte es nicht sein, dass ich ein Mineralstoffungleichgewicht habe, weil mein Darm irgendwie Mineralstoffe verliert bzw. nicht verwertet?
  • Könnte es sein, dass ich unabhängig von meiner Darmentzündung eine noch nicht erkannte Nahrungsmittelintoleranz habe?
  • Könnte es sein, dass ich gegen etwas allergisch bin?
  • Könnte es sein, dass bei mir ein bestimmtes Enzym nicht ausreichend vorhanden ist?
  • Könnte es sein, dass schlicht und ergreifend Stress am Durchfall schuld ist? (Wer hätte das gedacht: es kann auch unabhängig von der CED ein Reizdarmsyndrom bestehen!)

 

Ich bin mir sicher, wenn ich noch eine Weile darüber nachdenken würde, würden mir noch wesentlich mehr Argumente einfallen. Doch bereits mit diesen sehr offensichtlichen Argumenten steht es zehn zu eins. Und zwar für eine mögliche andere Ursache außerhalb Ihrer Darmentzündung. Jeder normale Mensch hat irgendwann einmal Durchfall. Ich zum Beispiel habe zwei bis dreimal pro Jahr einen Tag mit Durchfall. Das ist nichts Besonderes. Meist ist ein Infekt dafür verantwortlich, aber gelegentlich natürlich auch ein grobes über-die-Stränge-schlagen beim Essen. Schließlich feiern wir ja alle mal gelegentlich, oder?

 

Uneinsichtiger Gastroenterologe vs. ängstlicher Patient

 

Das ist, wenn Sie mich fragen, keine gute Kombination. Häufig kommt es zwar nicht vor, aber es gibt so Ärzte: Sie stecken die Patienten in eine Schublade und weigern sich im Zweifelsfall standhaft, sie herauszunehmen. Sollten Sie als Patient dann noch besonders ängstlich oder sensibel sein, wird es unangenehm. Schließlich bringt die offensichtliche Fehldiagnose einem Patienten einen nicht unerheblichen Stress - der sich, wie gehabt, auf das Immunsystem schlägt. Solch eine unglückliche Kombination kann im Extremfall sogar dafür sorgen, dass der Patient mehr Schübe erleidet.

 

Zum Glück sind solche extremen Situationen meiner Beobachtung nach sehr selten und betreffen maximal 2-3 % aller Ärzte.

 

Im Zweifelsfall: erst Labor - dann bei Unklarheiten Spiegelung!

 

Blutbilder und Stuhlbefunde lügen meiner Erfahrung nach nur sehr selten, wenn es um die Objektivierung des Gesundheitszustandes geht: nämlich in weniger als 0,1% aller Fälle (bewusste Manipulationen an den Ergebnissen, die es leider auch gibt, außen vor). Sollte bei Ihnen aufgrund einer Durchfallerkrankung psychisch gesehen Krisenstatus angezeigt sein, zögern Sie bitte nicht mit den Laborbefunden.

 

Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung traumatisiert. Das ging mir in der Anfangsphase meiner eigenen therapeutischen Bemühungen nicht anders als allen anderen Patienten. Sollten Sie an Durchfall leiden, das Blutbild bzw. der Stuhlbefund aber Entwarnung geben, gehen Sie nach Hause, bereiten sich einen Entspannungstee zu und nehmen sich vor, die nächsten 3-4 Tage Schonkost zu essen. Sollte danach der Durchfall nicht abgeklungen sein (unwahrscheinlich), können Sie immer noch „drastischere“ Maßnahmen ergreifen.

 

Am Schluss noch einmal die üblichen Verdachtszeichen: Blut im Stuhl, Schleim im Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang, auffällige Farb- und Geruchsänderungen die vorher nicht da waren, bedürfen der medizinischen Abklärung!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0