Darmgesundheit allgemein: ist die propagierte "Schlank-Darmflora" wirklich immer goldrichtig?

Das Thema Darmflora ist ja zurzeit wirklich die große Mode schlechthin bei den Gesundheits-Veröffentlichungen. Es vergeht kaum eine Woche ohne irgend einen Artikel über die Darmflora. Das Haupt-Thema der letzten Zeit passt gut in die Vorweihnachts-ebensolche: die „Darmflora, die schlank macht“.

 

Gut ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist übergewichtig, etwa 14 % sind fettleibig. Nachdem verschiedene Gesundheits-Veröffentlichungen in letzter Zeit konstatiert haben, dass Diäten ja im Grunde genommen nutzlos sind, liest man zurzeit viel über die schlank machende Darmflora. Diese wird, wie es sich versteht, gemäß unserem Schönheitsideal als „Idealflora“ verherrlicht.

 

Aber ist sie das wirklich?

 

Ein derzeit etwa vier Jahre alter Artikel stimmt mich diesbezüglich ein wenig bedenklich. Dieser Artikel berichtet zunächst einmal vom Gegenteil. Eine noch relativ junge Frau, die lange Zeit vergeblich mit verschiedenen Antibiotika gegen einen krankmachenden Keim namens Clostridium difficile behandelt wurde, erhielt irgendwann eine Stuhltransplantation. Mit dem Ergebnis, dass Clostridium tatsächlich verschwand. Allerdings verschwand auch noch etwas anderes: nämlich die Figur der jungen Dame, die daraufhin - ohne irgendetwas an Ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zu ändern! - Über 30 Pfund zu nahm!

 

Ist da etwas grob schiefgelaufen? Oder prallen ganz einfach nur zwei Welten aufeinander?

 

Nach etlichen Recherchen zu diesem Thema sehe ich das so: die Darmflora kommuniziert über das Darm-Nervensystem mittels Nervenbotenstoffen mit bestimmten Zentren des Gehirns, die ansonsten alles Mögliche im Körper steuern: Zellstoffwechsel, Immunsystem, Grundumsatz und die Ausschüttung von Hormonen. Dabei bin ich hinter einen erstaunlichen Zusammenhang gekommen.

 

„Gute“ und „schlechte“ Futterverwerter wirken sich auch auf das Immunsystem aus!

 

Im Gehirn gibt es das Hunger- bzw. Sättigungszentrum. Auch das wird über Hormone gesteuert - wie ja nicht anders zu erwarten ist. Zwischen diesem Zentrum und der Darmflora gibt es eine Standleitung, die über das enterische Nervensystem (das intrinsische, autonome Nervensystem oder Nervus vagus) läuft. Ist die Darmflora in ihrer Gesamtheit gesehen als Organ ein „guter Futterverwerter“, läuft im Zwischenhirn alles rund. Das bedeutet wiederum: „es gibt keine Meldungen über Stoffwechselstress!“ Die Konsequenz ist, dass auch beim Immunsystem alles rund läuft und dieses sich unmittelbar auf anstehende Aufgaben konzentrieren kann - zum Beispiel schlechte Darmbakterien zu bekämpfen!


Ich nenne ein solches System „in sich kohärent“. Das alles rund läuft im wahrsten Sinne dieses Wortes bemerkt der „Wirt“ dieser Darmflora allerdings daran, dass bei einer durchschnittlichen zivilisatorischen Lebensweise und einer durchschnittlichen zivilisatorischen Kost diese recht schnell auf die Hüften schlägt. Sprich: kommt viel Energie (im Verhältnis zu Vitalstoffen und Sauerstoff) in Form von Glukose an der Zelle an, wird dies sehr schnell in Speicherfett umgewandelt. Dazu reicht es aus, wenn man immer mal wieder industriell verarbeitete Nahrungsmittel (vor allen Dingen Gebäck und zuckerhaltige Nahrungsmittel!) zu sich nimmt und immer wieder mal die Bewegung vernachlässigt.

 

Was passiert hingegen, wenn wir der Verlockung „Schlank mit Darmflora“ erliegen?

 

Wer trotz unserer zivilisatorischen Lebensweise gertenschlank bleibt, der macht nicht etwa alles richtig - sondern der hat ein Problem. Er hat eine so genannte „schlechte-Futterverwerter-Darmflora“. Das Profil an Nervenbotenstoffen ist bei dieser Darmflora natürlich anders als bei der Darmflora, die für eine gute Futterverwertung sorgt. Dementsprechende Signale kommen im Zwischenhirn an. Das Zwischenhirn interpretiert diese Signale als „Stoffwechselstress durch Energiemangel!“ Die Konsequenz: Stresshormone werden freigesetzt, was in der Langfrist das Immunsystem unterdrückt!

 

Sollte es die „schlank-Darmflora“ irgendwann in Pillenform geben, bekommt sie nicht meine Empfehlung. Ein normales bzw. ideales Körpergewicht ergibt sich langfristig durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Energie (Glukose), Sauerstoff und Biokatalysatoren (also Vitaminen, Enzymen, Spurenelementen etc.), die „bei der Zelle ankommen“ - und durch ausgewogene, regelmäßige Bewegung.

 

Das größte Ernährungsproblem sehe ich in unserer westlich-zivilisierten Welt darin begründet, dass im Verhältnis zu viel Glukose / Energie gegenüber Sauerstoff und Vitalstoffen bei der Zelle ankommt. Sprich: unsere Nahrungsmittel sind zu stark verarbeitet, wodurch sich dieses Verhältnis verschiebt. Bei einergesunden (!) Darmflora führt dies mit der Zeit automatisch zu Fetteinlagerung! Und natürlich zählt auch der Faktor Bewegung dazu! Wer 8 Stunden am Tag oder länger sitzt, darf unter normalen Bedingungen nicht damit rechnen, schlank zu bleiben! Dass sich die Darmflora unter solchen Lebensbedingungen langfristig krankhaft verändert, steht auf einem ganz eigenen Blatt und ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

 

Sie können sich ausrechnen, was dann passiert!

 

Wenn Sie mithilfe einer künstlich designten „Schlank-Darmflora“ ohne Änderung bei Kost-und Lebensgewohnheiten die gertenschlanke Model-Figur bekommen, geht dies zulasten anderer Stoffwechselsysteme. Das Immunsystem steht dabei an vorderster Front. Stoffwechsel- oder endogener Stress haben auch andere Symptome im Gepäck: innerer Unruhe, Schlafstörungen, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, Schilddrüsenprobleme, Muskelverspannungen, Spannungskopfschmerz, Migräne und Bluthochdruck, um einige zu nennen. Im Umkehrschluss: sollten eins oder mehrerer dieser Gesundheits-Probleme auftreten, muss dies nicht nur an den Organen selbst liegen, an denen sie auftreten.

 

Es könnte auch an Ihrer Darmflora liegen!

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