Der Grund, warum man Neurodermitis wie eine Darmentzündung behandeln sollte - und umgekehrt

Neulich habe ich mir die Frage gestellt, warum so viele Morbus-Crohn-Patienten eine Vorgeschichte mit Neurodermitis hatten und wieso umgekehrt scheinbar mehr Neurodermitis-Patienten später einen Morbus Crohn entwickeln als (augenscheinlich) „gesunde“ Personen. Natürlich sind mir die Grundlagen zu dieser Thematik bekannt. Aber man will ja bekanntlich dazu lernen. Um einen Aufhänger zu haben, habe ich diese beiden Krankheiten durch das schicke Wort „Gamma-Linolensäure“ (eine Omega-6-Fettsäure) miteinander verbunden und vorsichtshalber gleich im englischsprachigen Internet geforscht.

 

Was ich gefunden habe, ist eine der besten Zusammenfassungen über das Leaky-Gut-Syndrom, die ich je in meinem Leben gelesen habe. Zwar auf Englisch, aber immerhin!

 

Wen es interessiert: hier ist die Zusammenfassung! http://www.mdheal.org/leakygut.htm

 

Nun aber zurück zum Thema.

 

Welche Fäden spinnen sich zwischen Neurodermitis und Morbus Crohn?

 

Der rote Faden zwischen diesen beiden Krankheiten hört auf den Namen „erhöhte intestinale Permeabilität“, was so viel bedeutet wie „erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut“. Da fragt man sich natürlich: erhöhte Durchlässigkeit für wen oder was?

 

Zunächst einmal geht es in diesem Kapitel überwiegend um die Dünndarmschleimhaut. Vor allen Dingen in der letzten Abschnitt konzentrieren sich große Teile des darmassoziierten Immunsystems. Gerade wenn man auch die Häufigkeit von Darmbakterien im Dünndarm mit denen vom Dickdarm vergleicht, sollte der Dünndarmeigentlich ein recht sicheres Areal sein. Kurz gesagt will der Körper hier auch keine allzu hohe Konzentration von Darmbakterien haben.

 

Wo beginnen nun die Probleme?

 

Es gibt vier Problemkreise, die zur Entstehung, Verschärfung und vor allen Dingen zum Erhalt einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut beitragen. Alle vier können sich wechselseitig verstärken. Es sind:

 

  • Nahrungsmittelallergien und-Intoleranzen
  • Unter- und Fehlernährung
  • Bakterielle Fehlbesiedlung
  • Oxidativer Stress der Leber

 

Die Neurodermitis ist auch als atopisches Ekzem bekannt. Außerdem ist bekannt, dass sie durch (individuell unterschiedliche) Ernährungsfehler deutlich verstärkt werden kann. Bestimmte Nahrungsmittel dienen als Trigger für „atopische Mediatoren“ wie Histamin oder Serotonin, die ihrerseits die Darmschleimhaut noch stärker erweitern. Dadurch treten mehr belastende Stoffe über eine „parazelluläre Absorption“ in die Darmschleimhaut ein. Sie provozieren eine Immunabwehr.

 

Direkt damit in Verbindung steht der zweite Punkt: durch diese „parazelluläre“ Aufnahme auch von Nährstoffen gehen diese verloren. Hier kommt die alte chinesische Weisheit „du bist nicht, was du isst, sondern, was du verdauen kannst!“ ins Spiel. Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut sorgt tatsächlich dafür, dass dem Körper Nährstoffe verloren gehen.

 

Dadurch kommt es zu einem Mangel an Antioxidantien, die sich wiederum direkt in der Leber auswirken und zu einer veränderten Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit führen. Diese werden wiederum in den Dünndarm freigesetzt und führen dort zu oxidativen Prozessen. Dadurch wird die Erweiterung der Darmschleimhaut noch einmal verstärkt. Ein echter Teufelskreis entsteht!

 

Gekrönt wird das Ganze noch von einer veränderten Zusammensetzung der Bakterienflora – oder einer erhöhten Empfindlichkeit des Ansprechens des darmassoziierten Immunsystems auf die vorhandene Bakterienflora. Hier kommt in dem Artikel interessanterweise der Missbrauch von nicht-steroidalen Entzündungshemmern zur Sprache, welche die Schleimhautbarriere schädigen und so den Darm angreifbar für die normale Darmflora machen. Beide Zustände werden als Dysbiose bezeichnet.

 

Jetzt werden Sie sich sicherlich fragen: wo kommt dabei die Gamma-Linolensäure ins Spiel?

 

Es ist gar nicht mal so schwer: diese Omega-6-Fettsäure steht bereits seit mindestens zwei Jahrzehnten in der Diskussion, ob sie nicht Neurodermitis von innen heraus lindern kann. Während die Wissenschaft trefflich darüber streitet - de facto gibt es sowohl Studien, die dafür sprechen als auch solche, die dagegen sprechen - gibt es nämlich eine Eigenschaft dieser Fettsäure, die in die oben beschriebenen Teufelskreise eingreift: Gamma-Linolensäure aktiviert nämlich Prostaglandin-E. Prostaglandin-E dichtet die Darmschleimhaut ab, wirkt also einer erhöhten Durchlässigkeit entgegen. Die gerade erwähnten Schmerzmittel bzw. entzündungshemmenden Medikamente wirken der Freisetzung von Prostaglandin-E nämlich entgegen.

 

Beschäftigt man sich mit diesen Faktoren eine Weile, wundert es nicht, dass Neurodermitis, Gelenksentzündungen oder auch eine Asthma-Erkrankung dem Morbus Crohn recht oft vorausgehen. Diese Erkrankungen sind Fernreaktionen auf die Überempfindlichkeit einer erweiterten Darmschleimhaut, die mehr Antigene, Schadstoffe und Bakterien „an das Immunsystem heran lässt“ und der gleichzeitig wertvolle Nährstoffen und Antioxidantien verloren gehen.

 

Deswegen sollte man sich nicht wundern, warum in der Naturheilpraxis gerade bei Jugendlichen die Neurodermitis, Gelenksentzündungen oder andere Erkrankungen mit so genannter „Autoimmun-Komponente“ so behandelt werden wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

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