Welche Faktoren schädigen die Lipidbarriere der Darmschleimhaut?

Geht man nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand der Medizin, dann beruht die Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen hauptsächlich auf einer Mischung dieser drei Faktoren: der genetischen Disposition, die eine Person besonders sensibel auf Antigene (Schadstoffe, Erreger) reagieren lässt; der Anwesenheit solcher Antigene und der Schädigung der Darm-Schleimhautbarriere, die eben diese Antigene erst in das darmassoziierte Immunsystem übertreten lässt.

 

Da ich die Rolle der genetischen Disposition für überbewertet halte und die Anwesenheit von Schadstoffen bzw. Erregern, also Antigenen, in jedem Fall für gegeben halte, möchte ich mich vor allen Dingen auf diese dritte Komponente konzentrieren.

 

Was schädigt die Darm-Schleimhautbarriere?

 

Ich gebe zu, dass dieser Blog-Artikel zum großen Teil hypothetisch ist. Ich werde den einzelnen Komponenten allerdings in Zukunft verstärkt nachgehen.

 

Aus meiner Sicht gibt es Faktoren, die gerade in unserer modernen Zeit die Schleimhautbarriere des Darms schädigen und früher so nicht vorgekommen sind

 

Erstens: ein veränderter Fettstoffwechsel. Hier spielt vor allem die so genannte Trans-Fettsäuren-Problematik eine Rolle, die heute immer noch nicht gebannt ist. Der verstärkte Genuss von Gebäck und industriell gefertigten Teigwaren sorgt dafür, dass die große Mehrheit der Bevölkerung relativ hohe Mengen an Trans-Fettsäuren mit der Ernährung aufnimmt - auch wenn der Gehalt an Trans-Fetten bei vielen Nahrungsmitteln abgenommen hat.

 

Zweitens: die Anreicherung von „Detergenzien“. Die in Wasch-, Spül- und Reinigungsmitteln vorhandenen Tenside können selbst in minimalen Mengen die Schutzschicht der Schleimhäute nachhaltig schädigen.

 

Drittens: ein dauerhaft deutlich erhöhter bzw. erniedrigter pH-Wert der Darmschleimhaut. Eine zu saure bzw. zu basische Darmschleimhaut kann die Stabilität der Lipid-Barriere insofern beeinträchtigen, als dass eine „angepasste“ Darmflora mit ihren Stoffwechselprodukten die Schleimhautbarriere schädigt. Auch starke Schwankungen des pH-Werts können zu einer „robusten“ Darmflora führen, deren Stoffwechselprodukte die Schleimhautbarriere beeinträchtigen.

 

Viertens: Emulgatoren. Emulgatoren sind chemische Verbindungen, die die Eigenschaft haben, Fette wasserlöslich zu machen. Nun zählt ja auch Lecithin zu den Emulgatoren und seine positive Rolle im (wieder-)Aufbau der Darmschleimhaut gilt seit den Forschungen in Heidelberg als gesichert. Andererseits sind viele Nahrungsmittelzusätze, die als Emulgatoren fungieren, ab einer bestimmten Konzentration dazu angetan, diese Schleimhautbarriere zu schädigen. Eine englische Arbeit von Katalin F. Csaki, Budapest, aus dem Jahr 2011 bringt die vermehrte Nutzung von Emulgatoren in der Nahrungsmittelindustrie seit den sechziger Jahren mit dem verstärkten Auftreten von Allergien und Autoimmunerkrankungen in der Folgezeit in Verbindung. Die wissenschaftliche Arbeit können Sie hier herunterladen (leider nur auf Englisch verfügbar!).

 

Fünftens: Medikamente, ob direkt oder indirekt (z.B. über Veränderung der Darmflora)

 

All diese genannten Faktoren sind in der Tat „moderne Probleme“:

 

Die Vielfalt moderner und vor allen Dingen verarbeiteter Nahrungsmittel bei gleichzeitigem Enzymmangel des modernen Zivilisationsmenschen überfordert die Verdauung und lässt den pH-Wert besonders im Dickdarm stärker schwanken, als es für eine gesunde Darmflora verkraftbar ist. Trans-Fettsäuren sind, wie gesagt, trotz ihrer relativen Abnahme in modernen Nahrungsmitteln immer noch reichlich vorhanden. Der Einfluss von Wasch-, Spül- und Reinigungsmitteln auf die Gesundheit der Darmschleimhaut wird in der so genanntenHygiene-Hypothese immer wieder herausgestellt. Und natürlich nehmen wir mit unseren modernen Nahrungsmitteln zahlreiche Emulgatoren zu uns.

 

Bei den Emulgatoren ist meinem Erachten nach die Konzentration entscheidend. Emulgatoren werden selbst von kritischen Seiten wie www.das-ist-drin.de oder foodwatch als relativ harmlos eingestuft. Ich denke wirklich: die Menge macht‘s. Und natürlich die Sensibilität des Einzelnen. Nach dem Motto: ist der Schaden erst einmal gesetzt, können auch kleine Mengen solcher Emulgatoren die Symptome verschärfen - viele Patienten mit chronischer Darmentzündung entwickeln mit der Zeit "sekundäre" Nahrungsmittelintoleranzen - die nicht NUR auf Verdauungsschwäche beruhen.

 

Eine stoffwechselbedingte Belastung der Leber macht es nicht leichter

 

Natürlich muss die Schleimhautbarriere des Darms bzw. die Lipid-Barriere ständig neu synthetisiert werden. Ist die Entgiftungsaktivität der Leber durch unsere zivilisatorische Lebensweise nachhaltig geschädigt, beeinträchtigt dies natürlich auch den Fettstoffwechsel. Immer dann, wenn ich bei einem Patienten ein solches Problem sehe, gebe ich Cholesterinum und / oder Katalysatoren des Zitronensäurezyklus, die den Fettstoffwechsel koordinieren, zusammen mit einem Leberentgiftungspräparat.

 

Es liegt in der Natur der Sache, dass es auch unter einer solchen Therapie eine ganze Weile dauert, bis der Fettstoffwechsel sich neu koordiniert und die Barrierefunktion der Lipid-Barriere in Darm nachhaltig verbessert wird.

 

Zur Überbrückung dieses Problems empfehle ich Phosphatidylcholin-Retard, das inzwischen auch als diätetisches Lebensmittel verfügbar ist (siehe Link rechts).

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