Fruktoseintoleranz und Morbus Crohn

Es gibt einige Dinge im Leben, die ich nicht verstehe: vor zwei oder drei Wochen erhielt ich einen Anruf von einer jungen Frau. Ihr Arzt bestand darauf, bei ihr eine Darmspiegelung vornehmen zu lassen, obwohl vom Labor und von anderen Untersuchungen nicht das Geringste auf eine Entzündung im Darm hindeutete. Auf der anderen Seite hatte ich einmal - das ist schon eine ganze Weile her - eine Kontroverse mit einem Arzt, der sich standhaft geweigert hat, einen zwölfjährigen Jungen zu spiegeln. Obwohl dieser bei einer Ultraschalluntersuchung die klassische Verdickung der Darmwand zeigte, die man gemeinhin mit Morbus Crohn assoziiert.

 

Wie ich später allerdings feststellte, hatte eben jener Arzt neben seinen üblichen Diagnosegeräten offensichtlich eine Glaskugel seiner Praxis.

 

Denn eben jener Junge stellte sich ein paar Tage später mit seiner Mutter in meiner Praxis vor. Nach einer Anamnese von ungefähr einer Dreiviertelstunde dämmerte es mir, dass da noch etwas anderes im Busch war als der klassische „Verdacht auf Morbus Crohn“. Ich diagnostizierte kurzerhand eine starke Fructoseintoleranz und wies die Mutter des Jungen an, für 6-8 Wochen strikt auf fructosearme Ernährung zu achten.

 

Am Ende dieser Periode bestellte ich den Buben und seine Mutter für ein erneutes Gespräch

 

In der Zwischenzeit hatte sich nämlich jener Arzt doch bereit erklärt gehabt, eine Spiegelung vorzunehmen. Das Ergebnis war der „Idealdarm“, der eigentlich nur in der Anatomie existiert. Die zuvor diagnostizierte Schwellung der Darmwand war vollkommen verschwunden.

 

Was ist da passiert?

 

Wie so oft in der Erfahrungsmedizin bzw. Naturheilkunde muss man schlicht und ergreifend die Lage abschätzen und versuchen, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Meine Abschätzung der Lage sieht wie folgt aus: Fruchtzucker wird im Dünndarm verdaut - normalerweise. Ist dies aufgrund einer erworbenen Fruchtzuckerintoleranz nicht der Fall, kann der Fruchtzucker im letzten Dünndarmabschnitt das Wachstum bestimmter Bakterien anregen, die ihrerseits wiederum die Darmschleimhaut in diesem Abschnitt reizen. Gerade im letzten Dünndarmabschnitt jedoch ist das Immunsystem - das darmassoziierte lymphatische System - besonders stark aufgestellt. Dadurch kommt es zu immunologischen- bzw. Abwehrreaktionen gegen die überhandnehmenden Darmbakterien. Die klassische Entzündung im letzten Dünndarmabschnitt stellt sich ein.

 

Fruchtzuckerintoleranz und Morbus Crohn: wie hängen die beiden miteinander zusammen?

 

Im Falle des Jungen hätte bei Missachtung meines Diätplans eventuell sogar an Morbus Crohn entstehen können - aber nur dann, wenn noch andere Faktoren beteiligt gewesen wären. Ansonsten wäre es einfach bei einer schlichten, irreversiblen Dünndarmentzündung geblieben. Auf der anderen Seite kann jeder Morbus-Crohn-Kranke ein Lied davon singen, dass sich Fruchtzuckerintoleranz alsFolge der Erkrankung ausbilden kann: wenn weite Dünndarmabschnitte entzündet sind, kann der Darm den Fruchtzucker nicht aufnehmen. Ein sich selbst unterhaltendes (und verstärkendes) Problem.

 

Allerdings möchte ich hier eine Einschränkung machen: ohne weitere Faktoren kann sich aus einer Fruchtzuckerintoleranz allein kein Morbus Crohn entwickeln. Dazu werden schlicht und ergreifend andere Faktoren benötigt: Blockaden im Stoffwechsel, umweltmedizinische Belastungen und eine ausgeprägte Erschöpfung des vegetativen Nervensystems mit eventueller Reizung des enterischen Nervensystems sind eine Voraussetzung dafür, dass sich überhaupt erst Morbus Crohn entwickeln kann.

 

Was mir ein bisschen Sorgen bereitet ist die Tatsache, dass schon Kinder und Jugendliche diese Symptome entwickeln können - teilweise bereits in einem wirklich sehr frühen Alter. Dennoch scheint es zumindest überlegenswert, ob das Ruder zu Beginn der ersten Symptome und Verdachtshinweise nicht doch noch in vielen Fällen durch eine einfache Ernährungsumstellung herumgerissen werden kann.

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