Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und das Thema "Beziehung"

Menschen, die längere Zeit (mit sich) alleine sind, neigen dazu zu glauben, eine Liebesbeziehung wäre grundsätzlich der bessere Zustand. Es ist Teil der menschlichen Natur, anzunehmen, dass „der andere Zustand“ immer der bessere ist.

 

Es ist eine der großen Fallen des Lebens, anzunehmen, dass sich Probleme von selbst erledigen würden, wenn man etwas Bestimmtes hat, was man nicht hat.

 

Langzeit-Singles mögen es kaum glauben, doch es ist so: Liebesbeziehungen sind mit Arbeit und Entwicklung verbunden

 

Wer lange Zeit allein war, glaubt, dass eine Beziehung der Himmel auf Erden ist. In einer Beziehung zu stehen ist aber nicht besser oder schlechter als alleine zu sein. Viel hängt einfach von den persönlichen Präferenzen ab. Ich habe allerdings schon einige Male folgendes beobachtet: Singles, die chronisch krank sind, neigen dazu zu glauben, eine Beziehung würde einen Großteil ihrer - wenn nicht sogar alle - Probleme lösen. Das ist leider ein großer Trugschluss.

 

Zu Liebesbeziehungen gehört auch Auseinandersetzung, Arbeit und manchmal eben auch Streit. Die ewig heile Welt, an die wir glauben, wird uns von der Werbung und der Filmindustrie suggeriert.

 

Und hier fängt das Problem an: denn weder in der Werbung noch in der Filmindustrie gibt es kranke Menschen.

 

Wie sieht es aus, wenn Sie krank sind und in einer Beziehung stehen?

 

Wenn der Partner von Anfang an Bescheid wusste und sich unabhängig von Ihrer Erkrankung auf Sie eingelassen hat, ist es nicht anders als in anderen Beziehungen auch. Es gibt schöne Momente und natürlich gelegentlich auch weniger schöne. Probleme können dann auftreten, wenn sich die Gesundheit des kranken Partners verschlechtert - und zwar langfristig verschlechtert. Dies wird vor allen Dingen bei jungen Paaren problematisch. Ältere Paare können mit so etwas naturgemäß besser umgehen.

 

Das Problem ist, dass der kranke Partner dann das Gefühl hat, den gesunden Partner zu „enttäuschen“. Dies kann zu einem Gefühl von Selbstvorwürfen und Schuldbewusstsein führen, die eine Gesundung bekanntermaßen nur noch weiter erschweren. Natürlich ist eine solche Beziehung unter Umständen in Gefahr, wenn nicht beide Partner geistig reif sind und besonders liebevoll miteinander umgehen.

 

Was passiert, wenn Sie in einer Beziehung stehen und krank werden?

 

Das ist eine wesentlich schwierigere Situation. Ich weiß es deshalb so genau, weil ich selbst mal in dieser Lage gewesen bin. Mit etwa Anfang 20 hatte ich die beste Phase überhaupt während meiner Krankheit. In der Zeit zwischen meinem ca. 16. und 28. Lebensjahr war dies tatsächlich meine beste Phase - gesundheitlich gesehen. Zu dieser Zeit lernte ich eine ungefähr gleichaltrige junge Frau kennen. Nach einer Weile verschlechtere sich mein gesundheitlicher Zustand bedenklich. Ich bin mir nicht sicher, ob meine damalige Partnerin langfristig damit hätte umgehen können - ich konnte es jedenfalls nicht.

 

Die Beziehung endete nach ziemlich genau nach einem Jahr in einem großen Streit.

 

Gesund in eine Beziehung zu treten - zumal wenn man jung ist - und nach einer Weile ernsthaft und womöglich chronisch krank zu werden, kann zu großen Problemen führen. Wenn beide Partner jung sind, bringen sie selten die geistige Reife auf, um mit diesen Problemen umgehen zu können. Auch hier gilt: mit zunehmenden Jahren wird es besser. Perfekt ist es natürlich nie…

 

Was ist, wenn Sie krank sind und sich eine Beziehung wünschen?

 

Jetzt möchte ich einmal auf den Punkt kommen. Fallen Sie nicht auf diese Illusion herein. Es ist eine emotionale Falle, anzunehmen, dass Sie mit ihrer Krankheit in einer Beziehung besser dran wären. Natürlich - in der anfänglichen Phase der Verliebtheit nehmen Sie an, dass sich Ihre Probleme in Luft auflösen. Doch mit der ersten Verliebtheit ist das so eine Sache: Sie hält nicht allzu lange an. Irgendwann kehrt der Alltag in jeder Beziehung ein und dann ist da ein Partner mit seinen Bedürfnissen, seinen Wünschen und seinen Erwartungen.

 

Als ich selbst jung war, habe ich natürlich auch anders über diese Dinge gedacht. Heute bin ich etwas älter, die Haare sind grau und ich denke ernsthaft, dass eine Krankheit in erster Linie ein Weckruf ist, sich besonders intensiv (und liebevoll) um sich selbst zu kümmern. Das bedeutet nicht, dass Sie sich verwöhnen sollten. Es bedeutet, dass Sie wachsen sollen. In jeder Hinsicht. Auf körperlicher Ebene, indem sie sich mit gesunder Ernährung, Körperpflege, Körperkultur und Sport auseinandersetzen. Auf mentaler, emotionaler und geistiger Ebene, indem Sie wachsen und in dem Sie lernen, sich selbst zu respektieren. Vor allen Dingen sollte niemand annehmen, dass ein Partner in einer Liebesbeziehung ein Therapeut ist. Möglicherweise ist er bzw. sie besonders gesund und „steckt Sie mit seiner Körperkultur an“. Dann stellt sich auf dieser Ebene eine Win-Win-Situation ein: der gesunde Partner fühlt sich gut, weil er den kranken mit seiner Gesundheit "ansteckt", dem kranken Partner geht es körperlich besser. 

 

Auf mentaler, emotionaler und geistiger Ebene allerdings ist das was anderes. Sie müssen lernen, sich selbst zu respektieren und anzunehmen. Sie müssen geistig wachsen.

 

Und das ist Ihre Angelegenheit. Partner wie Therapeuten können Sie bestenfalls darin unterstützen. Abnehmen können sie Ihnen diese Arbeit allerdings nicht.

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