Kann eine hohe Dosierung von Vitamin B3 (Niacin) einen Krankheitsschub abmildern?

Jeder, der sich ein bisschen mit Gesundheit befasst, hat dieses Wissen quasi mit der Muttermilch aufgesogen: eine ballaststoffreiche Ernährung schützt zu einem gewissen Grad sowohl vor chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und - längerfristig betrachtet - vor Darmkrebs.

 

Aber mit den Ballaststoffen gibt es ein Problem: was ist, wenn Sie bereits erkrankt sind? Besonders im akuten Schub reizen Ballaststoffe die Darmschleimhaut noch mehr und führen eventuell zu stärkeren Symptomen. Nicht bei allen Patienten, aber bei vielen. Was ist zu tun?

 

Um hier einen Ausweg zu finden, muss ich Ihnen zunächst erklären, wie das mit der Prävention eigentlich funktioniert.

 

Viel der positiven Wirkung von Ballaststoffen hängt mit einem bestimmten Rezeptor im Darm zusammen

 

Im Darm gibt es einen Rezeptor mit dem Namen „Gpr109a“. Dieser Rezeptor wird durch Butyrat aktiviert. Butyrat ist eine Kurzkettige Fettsäure, die durch Fermentation im Dickdarm aus Ballaststoffen entsteht. Bestimmte Bakterien wandeln lösliche Ballaststoffe in Butyrat um. Butyrat wiederum aktiviert den Rezeptor Gpr109a, der wiederum erstaunlich große Teile des Immunsystems im Darm koordiniert. Ist dieser Rezeptor aktiviert, werden Entzündungen gehemmt.

 

Das mag einer der Gründe sein, warum chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in der Vergangenheit zum Teil auch mit einer ballaststoffarmen Ernährung in der Vorgeschichte assoziiert wurden.

 

Wenn bereits eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung besteht, gibt es mehrere Probleme

 

Das erste Problem ist: Ballaststoffe reizen die bereits entzündete Darmschleimhaut und sorgen so indirekt dafür, dass Nährstoffe noch schlechter aufgenommen werden als sowieso schon. Das zweite Problem: sowohl durch die Entzündung im Dickdarm als auch durch die Tatsache, dass Nährstoffe unverdaut in den Dickdarm gelangen, ist das Milieu verändert. Andere Darmbakterien haben die Schleimhaut besiedelt. Dabei ist es gut möglich, dass die Darmschleimhaut von Arten besiedelt wird, die keine Ballaststoffe fermentieren. Also entsteht auch kein Butyrat. Der Rezeptor Gpr109a bleibt inaktiv, das Immunsystem des Darms arbeitet im „Entzündungsmodus“ (etwas wissenschaftlicher ausgedrückt: im proinflammatorischen Modus).

 

Daher bringen Ihnen in einem Krankheitsschub von Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa Ballaststoffe relativ wenig Nutzen, Sie können aber einigen Schaden anrichten.

 

Gibt es eine Alternative?

 

Ja, die gibt es. Untersuchungen aus 2014 legen nahe, dass der Rezeptor Gpr109a auch durch Vitamin B3 in hoher Dosierung (Niacin) aktiviert wird. Es besteht also eine gute Möglichkeit, dass ein Entzündungsschub durch eine Hochdosistherapie mit Vitamin B3 abgemildert werden kann.

 

Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 15 mg. Bis zu 500 mg täglich gelten als harmlos, darüber kann es aufgrund der gefäßerweiternden Wirkung von Niacin zu "Flush" und Hautrötungen kommen. Wie auch immer bei Themen rund um Nahrungsergänzung: fragen Sie vorher einen Therapeuten!

 

Quelle (in Englisch)

 

Allgemeine Informationen zu Vitamin B3 (Niacin)

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