Morbus Crohn - Colitis ulcerosa: was tun, wenn die naturheilkundliche Behandlung an ihre Grenzen kommt?

Zu einem vernünftigen Umgang mit schweren Erkrankungen wie Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa als Heilpraktiker gehört es auch, sich mal wieder seine eigenen Grenzen bewusst zu machen. Niemand kann „alle Patienten heilen“ - ich natürlich auch nicht. Meist ist es so, dass Ärzte der Naturheilkunde bzw. Heilpraktiker unterschiedliche Ansätze haben, die zum Erfolg führen sollen. Kein Ansatz deckt alle Ebenen, auf denen eine Therapie vollzogen werden kann, ab.

 

Auch wenn der Körper definitiv auf die Therapie reagiert, kann es zu Problemen kommen

 

So kann zum Beispiel eine Entgiftungsreaktion außer Kontrolle geraten. Ich möchte betonen, dass dies nur extrem selten vorkommt - bei mir bisher bei weniger als einem Prozent aller Patienten. Deswegen mache ich eine umfangreiche Anamnese, um unter anderem auch die Grenzen der Therapierbarkeit auszuloten.

 

Allerdings - wie gesagt! - Es gibt immer die ein-oder andere Person, bei der die Reaktionen rein naturheilkundliche nicht mehr kontrollierbar sind.

 

In einer solchen Situation macht es auch keinen Sinn, wenn man gegenüber der „Schulmedizin“ zu kritisch eingestellt ist und sie um jeden Preis vermeiden möchte. Das funktioniert nicht immer. Patienten, die zu mir kommen, haben in aller Regel schon sämtliche medizinischen Therapien durchlaufen. Und nach jahrelanger Beobachtung und Auswertung meiner Patientendaten komme ich immer wieder zu dem einen Schluss: wenn etwas im Akutfall gut hilft, dann ist es Kortison. Systemisches Kortison. Nicht Budesonid, was ich im Verhältnis für ein recht gut wirksames und nebenwirkungsarmes Präparat halte, sondern wirklich Prednisolon bzw. Decortin.

 

Wenn sich eine starke Entgiftungsreaktion einstellt, die nicht mehr stoppt, bin ich für den gezielten und kurzfristigen Einsatz von Kortison

 

Manche Heilpraktiker hassen Kortison wie die Pest und möchten es am liebsten vermeiden. Ich halte es für den Notfall und für die kurzfristige Anwendung aber immer noch für das beste medizinische Medikament, was man im Falle einer chronisch-entzündlichen Erkrankung nehmen kann und sollte. Die meisten anderen Medikamente scheitern hier in der kurzfristigen Anwendung. Mesalazin ist zu schwach, Azathioprin wirkt in dieser kurzen Zeit nicht und die Biologika sind bei einem normalerweise leichten Verlauf mit kurzfristig akuter Symptomatik (ob aufgrund eines Schubs oder aufgrund einer Entgiftungsreaktion) medizinisch fragwürdig, zumindest nach meinem Dafürhalten.

 

Wie kann man einen echten Schub von einer Entgiftungsreaktion unterscheiden?

 

Es funktioniert zwar nicht immer, aber doch sehr häufig. Die meisten Patienten stellen an sich bestimmte charakteristische Verläufe während eines Schubs fest: man nennt sie Muster, oder auf Englisch „Pattern“. Entgiftungsreaktionen können zwar durchaus ähnlich verlaufen, unterscheiden sich aber im Detail. Hier die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

 

  • Die Symptomatik ist weniger heftig
  • Der Stuhlgang /der Durchfall hat einen veränderten Geruch
  • Wenn bei einem normalen Schub blutiger Stuhlgang besteht, kann dieses während einer Entgiftungsreaktion fehlen
  • Es kann bei gleicher Durchfall-Reaktion zu weniger Schmerzen bzw. Krämpfen kommen
  • Es können sich Blähungen einstellen, die vorher so nicht da waren
  • Die Stuhlgangverteilung ist anders, nächtliche Stuhlgänge können fehlen und natürlich
  • Begleiterscheinungen an anderen Organen sollten sich während einer Entgiftung nicht einstellen! (Gelenkschmerzen, Augenentzündungen, Fisteln und Abszesse et cetera)

 

Trotzdem kann in diesen Fällen, wenn diese Erscheinungen außer Kontrolle geraten, Kortison gute Dienste leisten. Als Langzeit-Stresshormon hemmt es Reaktionen der körpereigenen Abwehr und damit auch der Entgiftung. Schließlich muss man als Patient den goldenen Mittelweg finden zwischen Entgiftung und Lebens- / Zeitmanagement!

 

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