Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Quecksilberbelastung und Homöopathie...

Wenn man auf diversen Homöopathie-Seiten im Internet und selbst in dem ein- oder anderen Repertorium der Materia medica herumliest, findet man bei Quecksilber-Zubereitungen (auf Lateinisch: Mercurius) insbesondere bei den klassisch eingesetzten Präparaten Mercurius solubilis hahnemannii und Mercurius sublimatus corrosivus an der ein- oder anderen Stelle bei den Leitsymptomen die Bemerkung: „Die Magen-Darm-Symptome entsprechen dem Vollbild einer Colitis ulcerosa.“.

 

Tatsächlich findet man bei Mercurius geradezu klassisch die charakteristischen schleimig-blutigen Durchfälle, neben anderen Magen-Darm-Symptomen, an denen ein Colitis-ulcerosa-Patient während eines Schubs leidet, mit am ausgeprägtesten bei Mercurius.

 

Dennoch setze ich Mercurius-Präparate in der homöopathischen Behandlung nur sehr selten ein

 

Ich setze Mercurius-Präparate tatsächlich nur extrem selten in der Behandlung ein - vielleicht ein- oder zweimal im Jahr. Von Kollegen habe ich da natürlich schon anderes gehört. Bei manch einem ist es sogar eine Standard-Verordnung. Ich möchte hier nicht in Wertungskategorien verfallen und sagen, dass das eine besser oder das andere schlechter ist. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass Mercurius-Präparate in ihrer tatsächlichen Wirkung extrem schwer kalkulierbar sind.

 

Meiner Erfahrung nach haben etwa 70 % aller Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine Vorbelastung mit Amalgam oder Quecksilber in irgendeiner anderen Art und Weise, zum Beispiel beruflich bedingt. Mein Homöopathie-Lehrer hat zu diesem Thema gesagt: „wenn das der Fall ist, sei vorsichtig mit Mercurius-Präparaten!“

 

Mit der Zeit habe ich von Patienten mit homöopathischer Vorbehandlung, die bei mir vorstellig werden, immer mal wieder gehört, dass sich bei Anwendung von Mercurius in irgendeiner Form eine Erstverschlimmerung eingestellt hat, die relativ schwer kontrollierbar war. Ich bin für mich selbst überzeugt davon, was man in der ein-oder anderen homöopathischen Schule findet, dass man „Mercurius nicht mit Mercurius ausleiten sollte!“

 

Kein Mercurius für Darmpatienten mit Quecksilberbelastung in der Vorgeschichte

 

Quecksilber ist als Nervengift (Neurotoxin) meiner Meinung nach allein auf homöopathischem Wege kaum aus dem Körper zu entgiften. Erst recht nicht wenn man eine Einzelmittel anwendet und schon gar nicht, wenn man dieses nach dem „isopathischen Prinzip“ („Gleiches mit Gleichem“) versucht. Wenn ich hier überhaupt Einzelmittel einsetze, dann Simile am Symptom (wie beispielsweise Colchicum oder Argentum nitricum).

 

Überhaupt leite ich zu Beginn einer Behandlung kein Quecksilber aus und wenn es dann schließlich soweit ist, kombiniere ich mehrere Therapien miteinander (Komplexmittelhomöopathie, Katalysatoren, Antioxidantien, die Darmschleimhaut schützende Maßnahmen) - und zwar dann, wenn ich mich darauf verlassen kann, dass der Patient eine solche Entgiftung verträgt.

 

Das ist zu Beginn der Therapie keineswegs der Fall. Im Gegenteil sollte man erst einmal versuchen, den Darm über die Stärkung anderer Organe zu entlasten.

 

Ich hatte in der Vergangenheit immer wieder den Eindruck, dass Therapieversuche mit Mercurius vor allem zu Beginn einer Therapie - was sich so berichtet bekam - wohl zu einer Mobilisierung von Giften (nicht nur Quecksilber) im Körper geführt hat. Jedoch auch, dass diese gelösten Gifte „in der Matrix (im Zwischenzellraum) stecken geblieben sind“ und so die Darmsymptome eher noch verstärkt haben.

 

Ich möchte daher allen Patienten (aber auch Therapeuten, insofern die Sie hier mitlesen) zu Vorsicht im Umgang mit Mercurius-Präparaten raten.

 

Vor allem zu Beginn einer Therapie!

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