Crohn & Colitis: Therapiehindernis "Reizung des enterischen Nervensystems"

Bei aller Konzentration der Therapie auf das Darmmilieu, die Bakterienflora etc. wird ein wichtiger Faktor immer wieder vergessen:

 

Was macht das „enterische Nervensystem“ – und hier besonders der Nervus vagus?

 

Selbst eine umfangreiche Analyse der Darmflora, des pH-Werts, von Nahrungsresten im Stuhl und so weiter kann wenig Auskunft darüber geben, wie es um das enterische Nervensystem bestellt ist. Dennoch sind die Nerven der wahrscheinlich (fast) alles entscheidende Faktor:

 

  • Sie koordinieren das Zusammenspiel zwischen Peristaltik und Enzymen
  • Sie koordinieren das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Darmflora und natürlich
  • Koordinieren sie auch das Stressmanagement des Verdauungstrakts.

 

Haben Sie sich schon immer gefragt, warum Sie „noch während des Essens oder sofort danach“ Stuhldrang haben? Das liegt nicht daran, dass Ihr Darm über einen Hyperspace-Knopf verfügt. Sondern daran, dass ein gereiztes enterisches Nervensystem bei einem „Neuzugang“ oben sofort den Entleerungsreflex auslöst.

 

Wodurch kann das enterische Nervensystem gereizt sein?

 

Hier einige Möglichkeiten, die ich aus der Vergangenheit in der Praxis gelernt habe:

 

  • Nicht ausgeheilte Infekte
  • Lebensmittelvergiftungen
  • Medikamente (!) – auch wenn ihre Einnahme lange zurückliegt, interessanterweise auch und vor allem Psychopharmaka!
  • Langanhaltender oxidativer, nitrosativer oder psychischer Stress

 

Ein Kennzeichen einer Reizung des enterischen Nervensystems ist es, dass konventionelle Behandlungsmethoden nicht anschlagen: beispielsweise fällt der Einsatz von medizinischen Probiotika im wahrsten Sinne des Wortes auf unfruchtbaren Boden. Ja, die Symptome verschlechtern sich unter Umständen noch!

 

Wie gehe ich bei der Behandlung des enterischen Nervensystems vor?

 

In über 90 % aller Fälle werden verbleibende Toxine, die das empirische Nervensystem reizen, über die Leber abgebaut. Ein gut zusammengestelltes Leber-Entgiftungstherapeutikum orientiert sich an der Kapazität des Patienten. Wenn der Patient eher sensibel reagiert, wähle ich ein schwaches Präparat, ist er eher robuster, wähle ich ein stärkeres Präparat. Diese Leber-Entgiftungspräparate kombiniere ich meist mit einem oder zwei Katalysatoren des Zitronensäurezyklus (Heel), die auf die Symptomatik abgestimmt sind.

 

Alle Katalysatoren des Zitronensäurezyklus haben in ihrem Arzneimittelbild Magen-Darm-Symptome. Klassisch auf die hormonell-vegetative Sphäre wirkt Acidum Alpha-Ketoglutaricum. Ich bezeichne diese Substanz immer wieder als „Arnica des hormonell-vegetativen Systems“ Ich habe bei Einsatz dieses Mittel schon öfter beobachtet, dass die Patienten im Verlaufe der Behandlung mit ausgeprägten psychischen Symptomen - beispielsweise Stimmungsschwankungen - reagieren.

 

Acidum cis-aconiticum „verbindet den Darm mit dem Rücken“. Ausgeprägte Verspannungen im Bereich der mittleren Brustwirbelsäule sowie unteren Lendenwirbelsäule in Verbindung mit Magen-Darm-Symptomen sind eine Indikation für dieses Mittel.

 

Die Koordination des Enzymsystems mit dem Hintergrund einer ausgesprochen chronischen Stressbelastung fällt in die Kompetenz des Mittels Acidum succinicum.

 

Insgesamt muss man bei der Auswahl des passenden Mittels genauso gründlich und genau vorgehen wie bei der Auswahl eines klassischen homöopathischen Mittels!

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