Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Ballaststoffe und was Interessantes über grüne Smoothies

Wir haben alle gehört bzw. gelesen, dass für die beschwerdearmen oder beschwerdefreien Zeiten moderate Mengen an Ballaststoffen in der Ernährung integriert werden sollten. Wir haben auch gehört bzw. gelesen, dass man die Ballaststoffe während eines Schubs reduzieren sollte. Ich habe bereits in einem früheren Blogartikel geschrieben, dass die unlöslichen Ballaststoffe meist problematischer sind als die löslichen.

 

Grüne Smoothies enthalten größere Mengen lösliche Ballaststoffe, hingegen nicht zu große Mengen unlösliche

 

Viele Patienten haben den „grünen Smoothie“ - ein pürierter Mix aus Früchten und Blattgrün - als eine gute Möglichkeit kennen gelernt, auch mit Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa vernünftige Mengen an Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Man sollte den Mixer dabei als eine Art „Verdauungserleichterung“ betrachten. Nicht mehr und nicht weniger. Verwendet man mild schmeckendes Blattgrün in Kombination etwa mit Bananen und Heidelbeeren, können sogar Durchfälle vermindert werden.

 

Allerdings ist die Verträglichkeit der „grünen Smoothies“ selbst relativ unabhängig von der Intensität der Beschwerden von Person zu Person sehr unterschiedlich. Wir alle wissen, dass sie eine eher problematische Komponente haben - und eine gesundheitsfördernde Komponente.

 

Als gesundheitsfördernd sind sicherlich die großen Mengen der Antioxidantien anzusehen: Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe sowie die Enzyme. Problematisch hingegen sind für viele Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung die Ballaststoffe - auch dann, wenn sie fein püriert sind.

 

Was könnte der Grund dafür sein, dass es einigen Patienten mit grünen Smoothies unabhängig von der Intensität der Symptome deutlich schlechter geht?

 

Ich habe mir letzter Zeit über dieses Thema Gedanken gemacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: die löslichen Ballaststoffe in den grünen Smoothies dienen den Darmbakterien vor allem im Dickdarm ja als Energiequelle. Sie gewinnen aus Ihnen kurzkettige Fettsäuren, die nicht nur sie, sondern auf die Darmschleimhaut ernähren und regenerieren.

 

Aus dieser Tatsache hergeleitet können zwei Probleme bei einem Patienten, der grüne Smoothies trinkt, zu einer objektiven Verschlechterung führen:

 

Erstens: es finden sich in der Darmflora verstärkt Elemente, die als „pathogen“ bezeichnet werden - und dementsprechend mit ihren Stoffwechselgiften die Darmschleimhaut belasten. Werden diese durch die Ballaststoffe zu verstärkter Vermehrung angeregt, werden mehr dieser giftigen Stoffwechselprodukte freigesetzt und die Darmschleimhaut stärker belastet. Durch die daraus resultierende verstärkte Reizung resultiert meiner Beobachtung nach ein ebenso verstärktes Vorhandensein schleimiger Stuhlgänge. Auch beobachtet habe ich eine Zunahme der Stuhlfrequenz, kleinere Stühle durch stärkere Reizung der Enddarmschleimhaut und verstärkte Blähungen.

 

Zweitens: die Darmflora an sich ist einigermaßen ausgewogen. Man mag es kaum glauben, aber auch das kommt gelegentlich vor (nicht allzu häufig). Hier ist der Störenfried ein ganz anderer: die Kommunikation zwischen dem Immunsystem, den darmassoziierten lymphatischen System und der Darmflora ist durch umweltmedizinische Faktoren (beispielsweise „Endokrine Disruptoren“, also hormonähnliche Stoffe, die das System der Nervenbotenstoffe durcheinanderbringen) gestört. Dann vermehren sich zwar durch die grünen Smoothies die „guten“ Darmbakterien, da sie vom Immunsystem allerdings nicht als „gut“ erkannt werden, sieht dieses in ihnen nur etwas mehr Trouble und bekämpft Sie dementsprechend stärker. Die Folge: die Entzündungsreaktionen verstärken sich. Typischerweise resultiert dies in verstärkten Bauchkrämpfen, „gewaltsamen“ Durchfällen und eventuell sogar (mehr) Schleim und Blut im Stuhlgang.

 

Dadurch wird der grüne Smoothie nicht schlechter. Aber wie es ebenso ist mit Naturheilkunde: Sie ist immer individuell. Und individuell kann es sein, dass eine eigentlich „gesunde“ Sache für den Einzelnen eben eher ungesund ist.

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