Morbus Crohn - Colitis ulcerosa: was tun bei Aphten?

Aphten sind höchst unangenehme Geschwüre der Mundschleimhaut. Bei Kontakt schmerzen sie sehr stark. Aus medizinischer Sicht sind die Ursachen nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass Stress oder mechanische Reizung eine Rolle spielen, des weiteren Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen, wie beispielsweise Vitamin B12, Folsäure, Eisen und eventuell Zink.

 

Bei dem letzten Punkt fühlen wir bereits einem Grund auf den Zahn, warum Aphten bei Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wesentlich häufiger auftreten als bei gesunden Menschen. Gerade an den oben genannten Vitaminen und Spurenelementen besteht ja bekanntermaßen häufig eine Aufnahmestörung über den Darm.

 

Damit sind wir der Ursache zwar schon näher gekommen, allerdings noch nicht nah genug…

 

Es gibt eine große Auswahl an verschiedenen, symptomatisch anzuwendenden Medikamenten bei Aphten. Eines der bekanntesten Präparate ist sicherlich Pyralvex. Dabei handelt es sich um eine Verbindung aus Rhabarberextrakt und Salicylsäure. Die Lösung wird auf die betroffenen Partien der Mundschleimhaut aufgepinselt.

 

Bei ansonsten gesunden Personen mag dieses Vorgehen sinnvoll sein und helfen. Im Angesicht einer Morbus Crohn-Erkrankung ist es allerdings etwas fehl am Platze. Denn die Aphten sind im Grunde genommen kein Sekundärsymptom einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, sondern Sie entsprechen dem Vollbild einer solchen Erkrankung. Wer einmal Endoskop-Bilder der Darmschleimhaut bei Morbus Crohn studiert hat und diese mit Aphten im Mund verglichen hat, der wird keinen nennenswerten Unterschied feststellen.

 

Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass Aphten am sinnvollsten über den Darm mit behandelt werden

 

Aphten sind aus meiner Sicht nichts weiter als ein Zeichen dafür, dass die Schleimhäute des Verdauungstrakts starkem oxidativem Stress ausgesetzt sind. Wenn wir also in unserer Behandlung diesen oxidativen Stress adressieren, lindern wir auch die Aphten. Dabei gibt es unterschiedliche Ebenen, wie wir dieser Art von Stress entgegenwirken können.

 

Eine simple, aber dennoch effektive Maßnahme ist die Versorgung der Schleimhaut mit Aminosäuren. Allen voran sein genannt L-Glutamin und L-Arginin. Dadurch wird die Schutzfunktion der Schleimhaut verbessert und die Schleimhäute werden gleichzeitig besser durchblutet, ergo auch besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

 

Da vor allen Dingen bei Morbus Crohn mit einiger Sicherheit von einer Mangelerscheinung an den oben genannten Vitaminen und Spurenelementen auszugehen ist, sollten diese in der richtigen, für den Körper gut aufnehmenden Form zugeführt werden. Das wäre beispielsweise in der Form von zweiwertigem Eisen oder Methylcobalamin (biologisch aktives Vitamin B12). Ich würde vor allen Dingen die Eisenaufnahme aber eher hinten anstellen aus dem Grunde, da orale Eisenpräparate schlecht vertragen werden.

 

Des Weiteren halte ich potente Antioxidantien aus dem Reich der sekundären Pflanzenstoffe für sinnvoll: beispielsweise OPC (Oligomere Proanthocyanidine) und Anthocyan. Dieses sind in Ihre antioxidativen Wirkung deutlich stärker als Vitamine. Ein sehr empfehlenswertes Vitaminpräparat ist dennoch das Tocotrienol, ein chemisch leicht abgewandelte Vitamin E.

 

Schleimhautsanierung mit homöopathischen Komplexmitteln

 

In der Komplexmittel-Homöopathie stellt sich bei Aphten immer die Frage: wie macht man Schleimhäute insgesamt resistenter? Die Antwort ist eigentlich relativ leicht: man stärkt den lymphatischen Apparat. Die Kalium-Salze sind beinahe durch die Bank weg schleimhautstärkende Mittel in der Homöopathie (Kalium chloratum, Kalium carbonicum, Kalium bichromicum u.s.w.) und eignen sich gut für eine Schleimhautsanierung in Kombination mit lymphstärkenden Mitteln wie Scrophularia, Galium, Calendula, Sanguinaria, Hydrastis etc.

 

Allerdings sollte man, bevor man mit diesen Mitteln arbeitet, sicherstellen, dass keine akute Entzündung vorliegt. Diese könnte sich nämlich unter Anwendung der genannten Mittel zunächst einmal verstärken - und darauf wollen wir auch als Homöopathen unbedingt verzichten.

 

Ernährungsleitlinien bei Aphten

 

Auch in der Ernährung ist darauf zu achten, die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts so weit wie es geht zu entlasten. Koffeinhaltige Speisen, Zucker, Nachtschattengewächse (außer Kartoffel und Aubergine) sowie allgemein reizende Speisen sind unbedingt zu vermeiden. Außerdem sollte Schweinefleisch gemieden werden und die Eiweißmenge sollte insgesamt eher gering gehalten werden. Auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die individuell sind, ist natürlich ebenso zu achten. Für viele Patienten ist es sinnvoll, auf Milchprodukte komplett zu verzichten (außer Butter). Ein Verzicht auf Gluten ist - trotz der Erfahrung mit Zöliakie und Aphten (diese Kombination kommt sehr häufig vor!) - Dennoch individuell abzuwägen. Etwa 50-60 % sprechen positiv auf eine vorübergehende Auslassdiät von Gluten an.

 

Bei 20-30 % der Betroffenen Frauen sind außerdem hormonelle Erwägungen mit ins Kalkül zu ziehen. Hieraus leitet sich ein striktes Verbot von Kaffee, Fruchtsäften, Energydrinks, Milchprodukten sowie Zucker und Weißmehl ab. Falls Sie betroffen sein sollten: achten Sie darauf, wie Aphten im zeitlichen Verhältnis zur Periode auftreten! Liegt eine gewisse Rhythmik vor, ist ein Zusammenhang naheliegend!

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Kommentare: 3
  • #1

    Enrico (Sonntag, 28 Februar 2016 14:08)

    Sehr interessanter Artikel, auch und für mich gerade wegen dem Bezug zu Aphten. Würden Sie eines, der im Folgenden aufgezählten Hausmitteln für Morbus Crohn-Erkrankte ausschließen oder würden Sie sagen, dass eines davon möglicherweise besonders gut geeignet ist?

    Typische Hausmittel gegen Aphten sind:
    - Kamillentinktur
    - Grüner Tee
    - Teebaumöl
    - Kauen von Papaya Stückchen
    - Backpulver auf die Entzündung
    - Saft der Blätter der Aloe-Vera-Pflanze
    - Vitamin C
    - Rettichsaft-Mundspülung

    VIelen Dank und viele Grüße!!

  • #2

    Andreas Ulmicher (Sonntag, 28 Februar 2016 19:40)

    Hallo,

    Sofern extern angewandt, d.h. nicht geschluckt, sind bis auf Teebaumöl und eventuell Aloe-Produkte alle die von Ihnen genannten Mittel kein Problem. Bei Teebaumöl werden vereinzelt allergische Reaktionen beobachtet. Die Wirkung von Aloe, aber auch Papaya hängt von der individuellen Empfindlichkeit aller Schleimhäute gegen Enzyme ab.

    Manche Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen haben darüber hinaus eine ausgeprägte Erschöpfung des autonomen Nervensystems ("Adrenal Fatigue"). Viele dieser Personen reagieren mit allen Schleimhäuten empfindlich auf enzymhaltige Speisen und Präparate. Da gibt es aber keine allgemeingültige Regel, nur individuelle Beobachtung. Betroffen sind dann so ca. 10-20% aller CED-Patienten, wo es dann wirklich "reizt und ätzt".

    Auch der Rettichsaft kann bei einigen CED-Patienten aufgrund der Scharfstoffe "nach hinten losgehen", ich selbst habe aber mit dieser Geschichte bei CED-Patienten noch keine Erfahrung.

    Vitamin C innerlich (!) ist bei 70% aller Patienten problematisch, hier lieber eines der Salze des Vitamin C verwenden: z.B. Kaliumascorbat, Calciumascorbat.

    Wie ich anhand Ihrer HP sehe, beschäftigen Sie sich ja intensiv mit dem Thema. Sie können mich gerne über das Kontaktformular kontaktieren.

    Herzliche Grüße
    Andreas Ulmicher

  • #3

    Enrico (Freitag, 04 März 2016 11:59)

    Hallo Herr Ulmicher,

    vielen Dankf für die ausführliche Antwort. Diese hilft mir bereits sehr weiter. Falls ich später noch weitere Fragen haben sollte, komme ich gerne auf Ihr Angebot mit dem Kontaktformular zurück.

    Viele Grüße
    Enrico Lauterschlag