Relatives und absolutes Darmkrebsrisiko - und Krebsfrüherkennung

Wenn eine Form der Krebsfrüherkennung wirklich sinnvoll ist, dann ist es die Darmkrebsvorsorge. Hier sind sich die meisten Ärzte und Wissenschaftler - auch die, die es normalerweise nicht so mit Früherkennung haben - einig. Jetzt sollte man meinen, dass dies für Colitis-ulcerosa-Patienten erst recht gilt.

 

Über die Probleme, die mit einer Darmspiegelung einhergehen, habe ich in den letzten Blog-Einträgen berichtet. Ich denke, dass Colitis-Patienten sowieso relativ häufig eine Darmspiegelung vornehmen lassen - unabhängig davon, dass diese auch ihre Probleme und Risiken hat. Eines der Risiken ist der leider immer häufiger verwendete Zusatz von Süßstoffen in den Abführmitteln.

 

Relatives vs. Absolutes Darmkrebsrisiko…

 

Glaubt man den Statistiken, erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Patienten in Deutschland an Darmkrebs. Der Enddarm ist dabei am häufigsten betroffen. Besonders Patienten mit einer chronischen und hartnäckigen Verstopfung sollten auf sich acht geben, darüber hinaus natürlich auch Patienten mit einem Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall und mit gutartigen Wucherungen wie beispielsweise Polypen oder einer Divertikulose im letzten Dickdarmabschnitt. Dass Menschen mit einer Verstopfung relativ häufiger von Darmkrebs betroffen sind als solche, die keine Verstopfung haben, erklärt sich damit, dass in der „Lagerzeit“ des Kots die Darmschleimhaut des Darms stärker gereizt wird - durch freiwerdende Fäulnistoxine.

 

Colitis-ulcerosa-Patienten sollten von diesem Problem weniger betroffen sein. Allerdings: erstens ist das Immunsystem durch die häufig langjährige Einnahme von Immunsuppressiva herabgesetzt. Zweitens - das beobachte ich häufig in der Praxis - absolut gesehen kann der ständigen Reizung durch die Darmentzündung, so absurd es klingt, immer noch eine Darmträgheit zugrunde liegen.

 

Statistiker sagen, dass das Darmkrebsrisiko für langjährige Colitis-ulcerosa-Patienten um etwa 70-100 % höher liegt. Diese „100 %“ bedeuten abernicht, dass jeder Colitis-Patient früher oder später von Darmkrebs betroffen wird! Es bedeutet vielmehr, dass sich das Risiko gegenüber der Normalbevölkerung in etwa verdoppelt. In Zahlen: ist in der Normalbevölkerung jeder 1000. irgendwann einmal von Darmkrebs betroffen, ist es unter den Colitis-ulcerosa-Patienten etwa jeder 500.. Bei schätzungsweise rund 200.000 Patienten erkranken demnach rund 400 Patienten bundesweit jedes Jahr an Darmkrebs. Plus: zu 95 % betreffen die Erkrankungen die Altersgruppe „55+“.

 

Zudem sind Sie als Colitis-ulcerosa-Patient sehr viel wahrscheinlicher mit einer regelmäßigen Darmspiegelung vertraut als „Otto-Normal-Bürger“. Es gibt also wenig Grund, ob eines erhöhten Darmkrebsrisikos in Panik zu verfallen!

 

Im Übrigen zum Thema Morbus Crohn: der Dünndarm ist nur extrem selten von Darmkrebs betroffen. Tatsächlich habe ich bis heute überhaupt erst von einem einzigen Patienten gehört. Sollte sich der Morbus Crohn überwiegend im Dickdarm befinden, gilt das gleiche wie für Colitis-ulcerosa-Patienten.

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