Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: was Interessantes über Glutamin und Glutamat

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Ich finde: asiatisches Essen schmeckt. Wenn Ihnen allerdings als womöglich Betroffener einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung sich allein beim Gedanken an Chop Suey der Magen umdreht, kann ich das nachvollziehen. Nicht unbedingt alles, aber zumindest ein guter Teil der Probleme, die mit dem Abendessen beim Chinesen einhergehen können, sind auf eine Substanz namens Glutamat zurückzuführen. Weswegen es dann zumindest bei uns darauf hinausläuft, dass ich mich beim Thema "asiatische Küche" selbst mit Kochlöffel und Schürze bewaffne...

 

Fatale Verwechslung: ähnliche chemische Struktur, völlig unterschiedliche Wirkungen im Körper!

 

Alles, was in der Chemie auf der Silbe –at endet, ist ein Salz. Glutamate nennt man die Salze der Glutaminsäure. Es gibt verschiedene Arten von Glutamat: Mononatriumglutamat, Kaliumglutamat, Kalziumglutamat, Ammoniumglutamat. Die Salze der Glutaminsäure werden im E-Nummern Verzeichnis unter den Nrn. 621-625 zusammengefasst. Die Glutaminsäure selbst wird unter der E-Nummer 620 gelistet.

 

Glutamat gilt in der Naturheilkunde - und nicht nur da - als „Teufelszeug“ und wird mit einigem Recht für etliche Probleme verantwortlich gemacht. Um einem Missverständnis vorzubeugen: echte Allergien werden durch Glutamat nicht ausgelöst. Daher ist der Begriff „Glutamat-Allergie“ wissenschaftlich nicht korrekt. Es gibtUnverträglichkeitsreaktionen auf Glutamat. In erster Linie sind Glutamate Salze, die das Sättigungszentrum des Gehirns überlisten. Das natürliche Hungergefühl wird sozusagen ausgetrickst. Von daher ist man mehr, als einem eigentlich gut tut. In der Kombination mit exotischen Gewürzen, die man bei China-bzw. Thai-Food nun mal so findet, kann sich diese Kombination sehr empfindlich auf den Verdauungstrakt schlagen. Kenner wissen Bescheid: plötzliche, „biliäre“ Durchfälle mit brennendem Stuhlgang und der charakteristischen Gelbfärbung bei krampfartiger Entleerung, „bis nichts mehr im Bauch drin ist“, sind die wahrscheinlichste Folge.

 

Glutamat macht noch weitere Symptome: diese sind überwiegend auf ein Stresssignal im Körper zurückzuführen, beispielsweise Schweißausbruch, Bluthochdruck, Kopfschmerzen. Im Extremfall kann sogar eine Migräne entstehen. Vereinzelt kommt es zu Sinneseinschränkungen, bei entsprechend disponierten Personen kann es sogar zu einem epileptischen Anfall kommen.

 

Glutamin und Glutamat sind wie eine Art „Januskopf“

 

Was ich persönlich interessant finde ist, dass Glutaminsäure bzw. Glutamin im Körper nahezu das Gegenteil von dem macht, was Glutamat anstellt:

 

Es ist wichtiger Teil des körpereigenen Redoxsystems und schützt Zellen - übrigens auch Darmzellen. Es gibt Therapeuten, die empfehlen, vor jeder Gabe von Probiotika für eine Zeit lang hoch dosiert Glutamin einzunehmen.

 

Mit der Aminosäure Cystein zusammen bildet es Glutathion - den stärksten Radikalenfänger im menschlichen Körper.

 

Glutamin kann im Gehirn zu „Gamma-Aminobuttersäure“ umgewandelt werden: eine angstlösende, entspannende und erholungsfördernde Substanz. Geradezu genau das Gegenteil von dem, was Glutamat im Gehirn so anstellt.

 

Glutamin ist Kraftfutter für die Zellen des Immunsystems und für die Darmzellen. Therapeuten empfehlen, es nach einer Verletzung oder einem chirurgischen Eingriff zum Aufbau einzusetzen.

 

Es gibt noch etliche weitere, positive Wirkungen. Meinem Erachten nach ist es der größte Nachteil von Glutamin, dass es in relativ großen Mengen eingenommen werden muss. Um einen ernsthaften therapeutischen Effekt zu erreichen, sollten nämlich 6-10 g pro Tag eingenommen werden.

 

Was ist das wichtigste, was Sie hier mitnehmen können?

 

Sollten Sie demnächst einkaufen gehen, werfen Sie einen genauen Blick auf die Zutaten und hier besonders auf die Geschmacksverstärker. Glutamin hat, wie gesagt die E-Nummer 620. Hier können Sie bedenkenlos zugreifen. Glutamate hingegen haben die E-Nrn. 621-625. Hier Rate ich von einem Verzehr ab!

 

(Anm.: natürlich sollten Sie auch auf andere Lebensmittelzusatzstoffe achten! Eine Beschreibung der bedenklichen Lebensmittelzusatzstoffe habe ich in meinem Ernährungsratgeber beigefügt)

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Kommentare: 1
  • #1

    Ferdinand Schneider (Mittwoch, 30 Mai 2018 12:09)

    Meine Tante hat eine Chronisch-entzündliche Darmerkrankung und muss deshalb aufpassen, was sie isst. Praktisch um zu wissen, dass man Glutamin verzehren kann, aber Glutamat nicht. Ich weiß nicht, ob meine Tante das weiß, aber ich werde es ihr sicher sagen.
    https://mvz-portal10.de/schwerpunkte/chronisch-entzuendliche-darmerkrankungen-ced/