Morbus Crohn - Colitis ulcerosa: TNF-Alpha-Blocker "erhöhen das Krebsrisiko nicht"?!

Der Tumornekrosefaktor α ist für viele Morbus Crohn-, aber auch Colitis ulcerosa-Patienten so etwas wie der Poltergeist, der in ihren Eingeweiden haust und ihnen das Leben zur Hölle macht. Zumindest wissen dies viele seit der Einführung der TNF-α hemmenden Medikamente Remicade und Humira (Infliximab und Adalimumab).

 

In einer nicht mehr ganz taufrischen Studie (Juni 2014), die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, konstatiert man allerdings, dass es „bisher zu keiner Erhöhung des Krebsrisikos sich die Anwendung dieser Medikamente gekommen sei“. Wie es der Zufall will, war ich vorgestern auf einer kleinen aber feinen Fachfortbildung, auf der sich einige der Größen der biologischen Krebsforschung tummelten, beispielsweise der Laborpartner von Herrn Dr. Johannes Coy. Ich brachte dort das Thema einmal zur Sprache.

 

Wir haben alle herzlich gelacht…

 

Der Tumornekrosefaktorα ist ein so genanntes Zytokin, sprich: ein Übermittler einer immunologischen Reaktion. Zur Abwehr von Infektionen, aber auch von Zellenneubildungen ist dieser Faktor absolut lebensnotwendig. Das gehört zu den absoluten Grundlagen der Zellbiologie und der Immunologie.

 

Wie wir heute aus diesen beiden Disziplinen wissen, entsteht im Körper ständig irgendwo Krebs. Nur die effektive Arbeit des Immunsystems lässt diesen nicht in Erscheinung treten. Es ist daher mehr als vermessen, zu behaupten, dass eine Form von Immunsuppression das Krebsrisiko nicht erhöhen würde.

 

Unser Erfahrungshorizont ist schlicht und ergreifend noch nicht groß genug

 

Zur Erinnerung: für die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wurden diese Wirkstoffe in 2007  zugelassen. Das macht jetzt insgesamt knappe acht Jahre Erfahrung mit diesen Substanzen. Viele der Patienten sind zudem sehr jung, und wie man aus Beobachtung und Erfahrung weiß, steigt das Krebsrisiko üblicherweise ab dem 50. bis 55. Lebensjahr signifikant an. Wenn man also überhaupt Beobachtungen und Erfahrungen zu dem Thema Krebsrisiko bei der Langzeitanwendung von Remicade sowie Humira sammelt, kann man kaum von wirklich repräsentativen Rahmenbedingungen ausgehen.

 

Zunächst einmal nehmen viele Patienten chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die keine TNF-α-Hemmer einnehmen, andere Immunsuppressiva, die ihrerseits wiederum das Krebsrisiko erhöhen. Wen oder was sollte man dann überhaupt als Vergleichsgruppe darstellen?

 

Die Verhältnismäßigkeit der Mittel muss gewahrt bleiben!

 

Ich habe es schon einige Male gesagt, und ich sage es wieder: die Neuentwicklung von Medikamenten ist sicherlich nicht sinnlos. Doch sollten diese neuen Medikamente, wenn sie sehr stark wirken, bei ihrem Einsatz in einer vernünftigen Relation zu der Stärke der Symptome stehen. Es kann nicht angehen, dass ein Patient mit einem CDAI von 180 und einem Calprotectin von vielleicht 125 mit gelegentlichen Bauchschmerzen und 2-3 Stuhlgängen pro Tag einen TNF-α-Hemmer verordnet bekommt!

 

Denken Sie daran: Remicade und Humira waren als „Last-Resort-Medikamente“ vorgesehen! Dieser aus dem englischen entlehnte Begriff bedeutet, dass man sie nur dann einsetzen, wenn wirklich nichts anderes mehr geht. Der Nutzen-und-Gefahren-Abwägung wird ein zu kleiner Raum gewährt. Leider musste ich auch von Patienten immer mal wieder sinngemäß Sätze wie die folgenden vernehmen: „jetzt probieren wir mal Remicade“ aus.

 

Ich finde: wenn diese Medikamente eingesetzt werden, sollte wirklich ein triftiger Grund vorliegen. Denn Sie greifen nun einmal sehr tief in die menschliche Biochemie und den Stoffwechsel ein!

 

Übrigens: sinnvoll in diesem Zusammenhang ist z.B. das Vorgehen hier:

 

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/58469/Test-auf-Ansprechen-auf-TNF-alpha-Therapie-bei-Morbus-Crohn-entwickelt

 

Hoffentlich macht es recht bald Schule!

Kommentare: 0 (Diskussion geschlossen)
    Es sind noch keine Einträge vorhanden.