Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Ballaststoffe, Freund oder Feind?

Die „medizinische Fachliteratur“ macht es sich ziemlich einfach: während eines Krankheitsschubs sollten Ballaststoffe deutlich reduziert werden, in Ruhephasen sollten Patienten mit Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa normale Mengen an Ballaststoffen verzehren.

 

Aber zunächst einmal wirft das die Frage auf: was sind schon normale Mengen?

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung geht von einer Mindestmenge von 30 g Ballaststoffen pro Tag bei einer Person mit einem durchschnittlichen Gewicht (75 kg) aus. Wer beispielsweise einmal Weston Andrew Price gelesen hat - einen Ernährungsguru aus den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, wird erstaunt sein: die von ihm untersuchten, natürlich lebenden Volksstämme verzehrten bis zu 100 g Ballaststoffe pro Tag!

 

Geben Sie einem Patienten mit Morbus Crohn - auch wenn seine Krankheit gerade ruht - 100 g Ballaststoffe pro Tag, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 90 %, dass er Amok läuft - jedenfalls bis zur nächsten Toilette in Reichweite.

 

Wenn man sich neuere Studien zum Thema Ernährung und Darmflora ein wenig genauer anschaut, wird man feststellen, dass so genannte „natürlich lebende Volksstämme“ (sofern dies heute noch möglich ist) eine völlig anders aufgebaute Darmflora haben als wir Zivilisationsmenschen. Vor allen Dingen wird man erstaunt sein, dass die naturnah lebenden Volksstämme über Darmbakterien verfügen, die nach unserer allgemeinen Lehrmeinung als schlecht gelten, wie zum Beispiel „Treponema pallidum“. Hingegen sind die bei uns als „gut“ bekannte Bakterienstämme wie Lactobazillus und Bifidus bei ursprünglich und natürlich lebenden Menschen abseits der Zivilisation weniger stark vertreten als bei uns.

 

Die Frage nach löslichen und unlöslichen Ballaststoffen

 

Unlösliche Ballaststoffe sind zum Beispiel in Getreide und in Kartoffelschalen vorhanden: beispielsweise Hemicellulose. Sie binden Wasser und reizen den Darm zu reflektorischen Kontraktionen (Peristaltik). Lösliche Ballaststoffe wie Pektin, Inulin oder Oligofruktose kommen in Nahrungsmitteln vor, die bei Patienten mit einer chronisch-entzündliche Darmerkrankung schon Symptome auslösen, wenn sie nur angeschaut werden: Obst, Salat und Gemüse.

 

Wenn man allerdings ihre Funktion ansieht, sind sie eigentlich deutlich wichtiger für den Kranken: Sie regen die Darmflora an, fördern ihren Stoffwechsel, helfen bei der Herstellung bestimmter Vitamine die auch der Wundheilung dienen (z.B. B5 und K) und helfen bei der Synthese kurzkettiger Fettsäuren.

 

Die wiederum sind wichtig, um die Darmschleimhaut zu schützen und zu ernähren. Bleibt die Frage: warum haut es mit den löslichen Ballaststoffen nicht hin? Dafür gibt es mehrere Gründe:

 

Die Zubereitung

 

Du bist nicht das, was du isst, sondern das, was dein Körper aufnehmen kann. O.k.: Ballaststoffe werden ja nicht vom Körper aufgenommen sondern im Dickdarm benutzt, um bestimmte Stoffwechselprozesse anzuregen. Aber bei den Nahrungsmitteln, die diese Ballaststoffe enthalten, gibt es ja noch ein Drumherum: und gerade da hat sich gezeigt, dass Dünsten für viele (nicht für alle!) Deutlich besser verträglich ist als Rohkost. Das gilt im Übrigen auch für Obst! In Italien gibt es beispielsweise ein traditionelles Rezept mit gedünsteter Birne, das dabei hilft, den Magen-Darm-Trakt bei Durchfällen zu beruhigen.

 

Das Kauen

 

Das Kauen ist immer wieder ein heißes Thema. Gerade ballaststoffreiche Nahrungsmittel sollten intensiv gekaut werden - übrigens auch dann, wenn sienicht roh sind. Ich empfehle sogar bei grünen Smoothies, die noch ein wenig zu kauen. Bereits im Speichel sind Enzyme, die bei der Verdauung helfen.

 

Der Rest des Nahrungsmittels

 

Es mag ja sein, dass bestimmte Obstsorten Pektin enthalten. Aber darüber hinaus enthalten sie ja auch noch all die anderen Stoffe, die in Obst nun mal sind: Säure und Fruchtzucker beispielsweise. Und die werden nun mal eher selten von Darmpatienten vertragen. Was das Thema Obst angeht, empfehle ich von vornherein, auf säure- und fruchtzuckerarme Sorten zuzugreifen. Beispielsweise die Kaktusfeige: Sie ist reich an Pektin, aber arm an Fruchtzucker und erst recht an Säure!

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