CED und Nagelpilz: sollte man bei Crohn / Colitis Nagelpilz systemisch behandeln?

Vor kurzem hat auf einem bekannten online-Gesundheitsportal eine Colitis-ulcerosa-Patientin angefragt, ob sie ihren Nagelpilz behandeln lassen solle.

 

Eine Dermatologin hat die Frage natürlich mit ja beantwortet, dabei gleich ein Mittel empfohlen und zusätzlich die Empfehlung ausgesprochen, „engmaschig die Leberwerte kontrollieren zu lassen“.

 

Ich rieche da ein Problem…

 

Die Leber und der Dickdarm gehen ja eine besonders innige Beziehung ein, die man dann ebenso besonders bemerkt, wenn sie nicht mehr in Ordnung ist. Es ist wie bei einer Ehe der Kategorie „Gegensätze ziehen sich an“: es gibt leidenschaftliche Begegnungen und ebenso leidenschaftliche Streitereien. Und wenn der eine mal einen schlechten Tag hat, ist der für den anderen erst recht gehalten. Will sagen: ist der Dickdarm nicht fit, ist die Leber anfällig für alles Mögliche.

 

Leber und Darm treten in Beziehung miteinander

 

Es ist mit Sicherheit einige Monate her, da habe ich einen Blogeintrag über das Thema „Roaccutan und Morbus Crohn“ (Roaccutan ist ein Aknemittel, es handelt sich dabei um eine chemisch veränderte Variante von Vitamin A) gebracht und über das Risiko, das mit einer Aknebehandlung mit diesem Mittel gegeben ist. Bekannt ist in Naturheilkunde und Umweltmedizin auch die Beziehung zwischen Darm, Leber und Depressionen.

 

Das gilt natürlich auch in der anderen Richtung, indem Medikamente gegeben werden, die die Leber belasten könnten. Allein ein verändertes Verhältnis von Cholesterin zu Gallensäure kann schon zu Veränderungen im Darm führen. Beispiel: depressive Patienten sind häufig sehr verstopft, Patienten mit einer chronischen und hartnäckigen Verstopfung neigen stärker zu Depressionen als solche mit einem normalen Stuhlgang.

 

Gerade bei Pilzerkrankungen, egal wo sie sind, sollte man bedenken: Sie sind immer „systemisch“, d.h. sie betreffen immer den ganzen Körper

 

Deswegen rate ich von einer systemischen Behandlung einer Pilzerkrankung im Falle einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ab. Das Risiko ist einfach zu groß, dass sich die verordneten Medikamente nachteilig auf die Darmentzündung auswirken.

 

Sicher, Nagelpilz ist mehr als nur ein kosmetisches Problem. Er kann extrem unangenehm werden. Darüber sollte man aber keinesfalls vergessen, dass eine Erkrankung wie Nagelpilz sehr häufig ein Zeichen für ein zu schwaches Immunsystem ist. Die Hypothese, dass sich im Prinzip jeder überall mit Nagelpilz „anstecken“ kann, ist für mich ehrlich gesagt nicht haltbar. Ich verbringe meine Freizeit in den Sommermonaten oft in öffentlichen Bädern und hatte in meinem Leben noch nie einen Nagelpilz. Auch öffentliche Saunen et cetera lassen meine Füße, was das Thema Pilz angeht (die Nägel natürlich erst recht) vollkommen unbeeindruckt. Und das, obwohl ich nicht zu chemischen Abwehrmaßnahmen wie Duschen zur Fußdesinfektion greife.

 

Ein Nagelpilz hat viel mehr mit dem zu tun, was von Stoffwechsel und körpereigene Abwehr im Körper vorgeht als mit Ansteckung. Und genauso wie Schmerzmittel zu einem Magengeschwür führen können, können systemisch wirksame Antipilzmittel dazu führen, dass der Darm Amok läuft. Sie müssen dies natürlich nicht tun. Aber auch wenn es wesentlich länger dauert, befürworte ich in diesem Fall eher ganzheitliche Behandlungsmethoden.

 

Auch bei einer guten Therapie muss man mindestens mit einem halben Jahr rechnen, bis sich wirklich etwas tut.

 

Äußerlich leisten verschiedene ätherische Öle und natürliche Substanzen gute Dienste: zum Beispiel Teebaumöl oder Ingwer. Innerlich hilft oft eine Kombination aus: Probiotika, Enzymen, adstringierenden Stoffen (z.B. Myrrhe, Eichenrinde, Tormentilla) und natürlich einer lebendigen Ernährung, die auf Zucker und Weißmehl verzichtet. Das ist nicht nur wirksam gegen den Pilz, sondern tut langfristig auch dem Darm gut.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0