Morbus-Crohn- bzw. Colitis-Schub nach einer Spiegelung?!

Eigentlich ist es nur eine Routineuntersuchung für Sie: schließlich haben Sie seit mehr als einem dreiviertel Jahr Ruhe vor den Symptomen und die letzten zwei Blutuntersuchungen ergaben, dass die Entzündungswerte auf einem erfreulich niedrigen Niveau sind. Aber dennoch muss es mal wieder sein:

 

Die Spiegelung: das leidige Abführen, die Kurznarkose etc.

 

Es hat etwas von einem Ritual: vor dem Spiegeln müssen Sie die Abführlösung trinken. Also trinken Sie: drei Liter, vier Liter, fünf… Der Weg, das loszuwerden, was sich in Ihrem Dickdarm an Stuhlgang angesammelt hat, ist nicht der angenehmste. Aber wenn die Spiegelung erst einmal vorbei ist, haben Sie vielleicht für zwei oder drei Tage ganz Ruhe vor dem leidigen Stuhlgang, oder?

 

Das Folgende höre ich gar nicht mal so selten…

 

Doch dann passiert das Gegenteil: bereits am Tag nach der Spiegelung stellt sich Durchfall ein. Und was noch schlimmer ist: der Durchfall geht auch nicht wieder weg. Wenn es ganz schlimm kommt, besteht nicht nur längere Zeit Durchfall, sondern die ungeliebten Erscheinungen eines Krankheitsschubs stellen sich ein: Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfe vor dem Stuhlgang und eventuell sogar Schleim- und Blutbeimengungen! Bei Ihnen klingeln sämtliche Alarmglocken!

 

Doch wenn Sie sich in diesem Moment die Frage stellen sollten: wieso ausgerechnet nach der Spiegelung? - Dann sind Sie nicht allein! Ich höre das nämlich öfter…

 

Thema Süßstoffe im Abführmittel

 

Jeder, der diesen Blogeintrag hier liest, kennt das Problem: die meisten Abführlösungen enthalten Aspartam. Aspartam ist ein Süßungsmittel, das von der großen Mehrheit aller Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung - und ich rede hier nach meiner Erfahrung von mindestens 80-90 %! - nicht vertragen wird. Ein Patient teilte mir neulich per E-Mail mit, dass er bei seinem Arzt ein Abführmittel verlangt habe, das frei von Aspartam ist. Er schickte mir den Beipackzettel und siehe da - es war tatsächlich kein Aspartam enthalten. Dafür aber „Sucralose“.

 

Sucralose - fast noch schlimmer als Aspartam!

 

Sucralose ist selbst in der „Szene“ noch nicht sehr bekannt. Es handelt sich um den Süßstoff „Splenda“.  Und Splenda ist nicht eben gerade dafür bekannt, besonders schonend mit dem Darm umzugehen. Im Gegenteil: dieser künstliche Süßstoff verändert das Milieu und den pH-Wert des Darms: es macht den Darm basischer. Gerade im Zusammenhang mit dem Dickdarm ist „basischer“ allerdings nicht besser - im Gegenteil. Hier sorgt ein basisches Milieu dafür, dass sich schädliche Bakterien vermehren und ausbreiten können - auch solche, welche die Darmschleimhaut schädigen.

 

Künstliche Süßstoffe sind natürlich nicht immer schubauslösend, aber es kommen noch andere Faktoren hinzu:

 

  • Der äußere Stress: Darmspiegelungen werden natürlich als belastende und stressige Situation empfunden. Nach der inneren Anspannung kommt es oft zu hormonellen Reaktionen, die eine erneute Entzündung begünstigen.

 

  • Der innere (Schleimhaut-)Stress: durch die salzige Abführlösung wird das lymphatische System gereizt und die osmotischen Verhältnisse der Zellen der Darmschleimhaut verändert, was zu einem veränderten Wasserhaushalt führt. Die Folge: Durchfall.

 

  • Die Kurznarkose: diese wird nicht immer hundertprozentig vom Patienten vertragen, obwohl man sagen muss, dass die Verträglichkeit hier in den letzten Jahren besser geworden ist.

 

  • Darm aus dem Rhythmus: bei guten Funktionieren fällt der Darm nach einer Weile in eine Art Routine, was Sie daran bemerken, dass sie immer mehr oder weniger zu den gleichen Zeiten das WC aufsuchen müssen. Auch dieser Rhythmus wird vom Vegetativum und den Hormonen mit gesteuert. Es reagiert natürlich auch sensibel auf „Unterbrechungen“!

 

Fazit: wundern Sie sich daher bitte nicht, falls es Ihnen nach einer Spiegelung schlechter gehen sollte. Mein Rat: lassen Sie sich regelmäßig zur Blutuntersuchung und den anderen Laborwerten blicken. Lassen Sie aber besser nur dann „nachschauen“, wenn die Entzündungswerte und das subjektive Befinden es nahe legen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Heidi (Montag, 22 Oktober 2018 08:34)

    Herr Ulmicher, genauso geht es mir momentan. Habe CU seit 2009, mit jahrelangen Remissions-Intervallen. Durchfall habe ich eigentlich täglich gehabt - ein-, zweimal pro Tag. Damit hatte ich mich über die Jahre gut arrangiert. Letzte Woche bemerkte ich aber Blut im Stuhl, worauf ich einen Arzt konsultierte. Dieser empfahl eine Darmspiegelung, welche auch erfolgte. Seit der Spiegelung habe ich einen richtig schlimmen Schub mit viel Blut bei jedem Toilettenbesuch. Ich vermute, dass dieser Schub durch die Spiegelung ausgelöst wurde. Nehme momentan 3x2 Salofalk 500 Tabletten und in Eigenregie 3x einen Teelöffel Manuka Honikg mit 20 Propolis Tropfen....leider ist noch keine Besserung in Sicht.