Können psychische Einflüsse die Darmflora verändern? (Teil 2)

Ich habe im letzten Blogbeitrag dargestellt, wie langfristige psychische Einflüsse eine Veränderung der Darmflora bewirken können. Aber wie sieht es in der Kurzfrist aus? Darüber kann ich im Moment nur spekulieren, es ist aber durchaus folgendes Szenario denkbar.

 

Stress und erhöhter Kortisolspiegel im Speichel

 

Vor ungefähr zwei Jahren gab es eine Studie in Australien, bei der Studenten, die einer Prüfungssituation ausgesetzt waren, durch die Bank einen höheren Kortisolspiegel im Speichel hatten als Studenten, die nicht geprüft wurden. Ein Anstieg des Kortisols hat Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel. Natürlich in erster Linie auf den Blutzuckerspiegel. Einige andere Faktoren werden ebenfalls beeinflusst: zum Beispiel der Durchmesser der Blutgefäße. Und hier wird es spannend in Bezug auf den Darm.

 

Minderdurchblutung der Schleimhäute - Schnelle Auswirkungen auf die Darmflora?

 

Werden die Schleimhäute des Körpers weniger gut durchblutet - und das ist bei Stress der Fall - bleibt das auch kurzfristig nicht ohne Auswirkungen auf die Darmschleimhaut. Das Gefüge aus darmassoziierte Immunabwehr, Lymphsystem und Darmflora kann kurzfristig durcheinandergebracht werden. Das ist zwar in aller Regel nicht dramatisch, kann aber Konsequenzen haben, wenn der Betroffene sich „darauf einlässt“.

 

Normalerweise wird die Darmtätigkeit unter solchen Umständen verlangsamt. Eine Verstopfung stellt sich ein. Wenn dem selteneren Stuhldrang dann nicht nachgegeben wird, kann sich diese Verstopfung wesentlich verstärken und chronisch werden. Unter diesen Umständen stellt sich natürlich im Enddarmbereich eine andere Darmflora ein. Diese Umbauten dauern einige Monate und können den Beginn einer chronischen Verstopfung markieren. Wie bereits besprochen, kann natürlich auch das Gegenteil davon auftreten. Dies ist dann der Fall, wenn zusätzlich Nervenbotenstoffe in ihrer Zusammensetzung verändert sind oder durch den Prozess verändert werden.

 

Das alles hängt wiederum vom „Stresstyp“ ab. Der reine Sympathikotoniker, der unter Stresseinfluss „auf Krawall gebürstet“ ist – sprich: der kämpferische Managertyp - wird eher mit einer reinen Verstopfungsproblematik reagieren, wohingegen der eher ängstliche und zurückhaltende Typ eher mit Symptomen eines Reizdarmsyndroms reagieren wird.

 

Entzündung im Darm durch Stress - wann?

 

Kann das Ganze irgendwann in einer Entzündung ausarten? Unter den heutigen Umständen ist es wahrscheinlicher, dass sich eine chronische Entzündung manifestieren kann. Hier treten umweltmedizinische Probleme auf den Plan und wirken sich vor allen Dingen dann aus, wenn im Körper bereits ein latentes Entzündungsgeschehen abläuft. Sehr häufig habe ich diesem Zusammenhang beobachtet mit so genannten „Slow-Virus-Infektionen“. Dass jemand in relativ kurzen Zeitabstand zunächst an Erkrankungen wie Epstein-Barr (Pfeiffersches Drüsenfieber) erkrankt und nur kurze Zeit später eine Darmentzündung entwickelt, habe ich in den letzten Jahren einige Dutzend Mal beobachtet. Wobei natürlich auch hier andere Einflüsse nicht auszuschließen sind!

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