Können psychische Einflüsse die Darmflora verändern? (Teil 1)

Ich ziehe meinen Hut vor der „Schulmedizin“, die in der Zwischenzeit sogar erkannt hat, dass die Darmflora irgendwie das Immunsystem und die Allgemeingesundheit zu beeinflussen scheint. Wer hätte das gedacht?

 

In der Naturheilkunde und Alternativmedizin ist dieses Wissen übrigens schon seit 3-4 Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit, dass mal nebenbei bemerkt. Aber jetzt zum wesentlichen: was ist eigentlich mit nicht körperlichen bzw. psychischen Einflüssen, wie zum Beispiel Stress? Beeinflusst der die Darmflora? Und, was noch wichtig ist: wie schnell beeinflusst er die Darmflora?

 

„Stressdurchfall“ vs. „Entspannungsdurchfall“

 

Stressdurchfall kennt fast jeder, der ein wenig sensibel ist. Wer hat nicht, zum Beispiel vor einer wichtigen Prüfung, schon mal den „flotten Otto“ gehabt? Selbst bei einem gesunden Menschen kommen sie vor, verschwinden allerdings ebenso unkompliziert wieder, wenn der Stress vorbei ist. Zum großen Teil lässt sich dieser Durchfall auf die Aktivität bestimmter Nervenbotenstoffe im Darm zurückführen.

 

Aber was ist Entspannungsdurchfall? Wenn Sie einmal eine Flugreise in ein warmes, subtropisches Land zu Urlaubszwecken gemacht haben und die ersten zwei oder drei Tage mehr oder weniger auf dem stillen Örtchen zugebracht haben - und das, bevor Sie von einheimischen Spezialitäten gekostet haben - wissen Sie: Entspannung kann auch Durchfall mit sich bringen. Vor allen Dingen immer dann, wenn es vor dem Urlaub auf der Arbeit besonders stressig war!

 

Das alles kommt vor, hat aber relativ wenig mit der Darmflora zu tun. Es sei denn, es ist vorher etwas anderes im Körper nicht in Ordnung und der Durchfall hält länger an.

 

Womit wir beim Reizdarmsyndrom wären…

 

Die heilige apostolische Kirche der wissenschaftlichen Lehrmeinung liegt auch, was das angeht, ein wenig mit den Ketzern der Alternativmedizin im Clinch. Das liegt daran, dass die wissenschaftliche Lehrmeinung „psychische Vorgänge“ auf das Schalten und Walten von Hormonen und Nerven reduziert. Es ist nichts Falsches daran, dass Hormone und Nerven die Darmtätigkeit steuern. Da die Hormone und Nerven allerdings bei jedem Menschen gleich aufgebaut sind, fehlt die Erklärung, warum unter vergleichbaren psychischen Belastungen der Darm einer Person ganz gelassen reagiert, der Darm einer anderen Person geradezu hysterisch wird. Hier kommt es zur berühmten Henne-oder-Ei-Frage: was war zuerst da?

 

Wenn wir beim rein körperlichen Geschehen bleiben, wird klar, dass die Darmflora in eine Art Feedback-Mechanismus mit Hormonen und Nerven tritt. Doch irgendetwas muss die Darmflora schließlich vorher verändert haben, wenn eine Person plötzlich mit einem Reizdarm-Syndrom reagiert.

 

Ich möchte mal eine kleine Metapher liefern

 

Stress bedeutet: veränderter Enzymhaushalt, schwindende Verdauungskraft, mehr unverdaute Bestandteile in tiefen Darmschichten. Das ist ein wenig wie mit einer Spieluhr: wenn Sie die Spieluhr einmal bis zum Anschlag aufziehen, wird ihr das nichts ausmachen. Wenn Sie dies einige hundertmal tun, wird sich der Mechanismus der Spieluhr irgendwann „ausleiern“. Die „Response“ des Organismus auf Stress verändert sich mit der Zeit ebenso, wenn jemand kontinuierlich unter Stressbelastung steht.

 

Zurück zur harten bzw. flüssigen Realität in Darm

 

Es ist das Charakteristikum einer langfristigen Stressbelastung, dass die reduzierte Verdauungskraft indirekt einigen Bakterienstämmen zum großen Sieg über alle anderen verhilft. Bakterien, die im Dickdarm Unverdautes zersetzen, vermehren sich dramatisch. Nischenbakterien, die ein bestimmtes und sehr konstantes Milieu brauchen, verschwinden. Dadurch ist die Darmflora letzten Endes nicht nur anders zusammengesetzt, sondern sie beherbergt auch wesentlich weniger Arten als eine wirklich gesunde Darmflora.

 

Im Moment kann ich es nur vermuten, aber es spricht vieles dafür: diese reduzierte „Not-Darmflora“ hat gewisse Kommunikationsschwierigkeiten mit Nerven und Nervenbotenstoffen. Diese Fehlsteuerung kann auch ohne Entzündung Reizdarm-Syndrom auslösen. Und damit einen schwungvollen Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall unter dem geringsten Stressreiz.

 

(Wird im nächsten Blogbeitrag fortgesetzt)

Sie haben noch keins? Hier klicken zum bestellen!
Sie haben noch keins? Jetzt hier bestellen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Chris (Mittwoch, 19 November 2014 12:06)

    Kennen Sie bzw. was halten Sie von diesem Produkt? (www.greensupps.de/Darmgesundheit/Probiotika/Darmflora-plus-select-Dr-Wolz.html)
    Wurde mir bereits mehrmals empfohlen, auch von Medizinern, die ihr Handwerk verstehen ;-). Bin vergleichsweise öfter krank als der Durchschnittsbürger. Kann ich es guten Gewissens verwenden oder sollte ich auf etwas achten? Habe bis auf einige Darmprobleme sonst keine Beschwerden.

    Grüße aus Augsburg

  • #2

    Andreas Ulmicher (Mittwoch, 19 November 2014 19:31)

    Also, gegen das Produkt gibt's von meiner Seite nichts einzuwenden. Wahrscheinlich handelt es sich um Darmbakterien, die die so genannte "Kolonisationsresistenz" steigern sollen, also die Darmflora immun gegen schädliche Keime machen soll. Das merken Sie recht schnell positiv am Darm (falls keine versteckten Entzündungen vorliegen), am Immunsystem etwas zeitverzögert.

    Herzliche Grüße

    Andreas Ulmiche

  • #3

    Katie Zipp (Donnerstag, 02 Februar 2017 19:58)


    Very energetic article, I liked that a lot. Will there be a part 2?