Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Nahrungsmittel-Intoleranzen: helfen Enzyme wie Lactase?

Bei manchen Patienten entwickeln sich Nahrungsmittel-Intoleranzen sekundär. D.h.: die chronische Darmentzündung war vorher da, durch die schlechte Verdauungskraft entwickelte sich die Nahrungsmittel-Intoleranz. Bei anderen Patienten wiederum können bereits vorher Probleme mit der Verdauungskraft bestehen, die die Entwicklung einer chronischen Entzündung im Darm wiederum mit begünstigen.

 

Aber wie man es auch immer dreht: Enzympräparate gegen die Intoleranzen sind eine Option - oder?

 

Ich sehe das nicht unbedingt so. Bringen wir mal ein klassisches Beispiel: Milch. Milch enthält bekanntermaßen Milchzucker (Laktose). Einige Menschen haben auch ohne besondere Darmprobleme eine Laktoseintoleranz. Andere wiederum entwickeln mit der Entzündung eine Unverträglichkeit von Milchzucker. Das Enzym „Lactase“ hilft bei der Verdauung von Milchzucker. Daher lautet eine mögliche Überlegung:

 

"Chronisch-entzündliche Darmerkrankung -> Milch wird nicht vertragen -> Lactase hilft bei der Verdauung von Milchzucker -> Milch wird wieder vertragen -> Darmsymptome bessern sich!"

 

Nach diesem Schema gehen Hersteller von Enzympräparaten vor, die gegen diese Nahrungsmittelintoleranzen gerichtet sind. Dabei tun sich aber einige Probleme auf:

 

Erstens: es muss nicht unbedingt am Milchzucker liegen. Viele Patienten, gerade mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, vertragen Milcheiweiß nicht. Dann ist das Präparat vollkommen nutzlos.

 

Zweitens: selbst wenn eine sekundäre Laktoseintoleranz besteht, die mit einem solchen Präparat behandelt werden kann, hat das noch lange keine Auswirkungen auf die Grunderkrankung. Hier zeigt sich, dass die Symptome oft weiter bestehen.

 

Drittens: die Werbeslogans der Hersteller solcher Produkte werben oft mit Sprüchen wie "Milch wieder genießen!" - In schlechten Zeiten aber kann ein Darmpatient gar nichts genießen, sondern muss einfach zu sehen, dass sein Körper das Beste aus dem macht, was er ist. Dieses "daraus machen" kann auch bedeuten, auf bestimmte Nahrungsmittel oder bestimmte Nahrungsmittelgruppen verzichten zu müssen. Das gilt auch und gerade für Milch. Denn die ist bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oft problematisch. Und das liegt ganz sicher nicht nur am Milchzucker.

 

Daher empfehle ich meinen Patienten, bestimmte Produkte eher insgesamt zu meiden und sich die entsprechenden Nährstoffe aus anderen Nahrungsmitteln zu holen als zu versuchen, mit einem Enzympräparat Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu bekämpfen.

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