Morbus Crohn - Colitis ulcerosa: Dosiserhöhung bei Naturheilmitteln?

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei einem erkrankten Darm nicht alles da ankommt, Ankommen soll. Das gilt nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch für Medikamente. Es kommt - besonders bei starken Durchfällen - immer mal wieder vor, dass Patienten mir berichten, die Kapsel vom Vortag käme gleich mit heraus.

 

Klartext: kein Wirkstoff, keine entzündungshemmende Wirkung, mehr Durchfall, keine Wirkstoffaufnahme - kein Wirkstoff!

 

Sollten Sie beispielsweise drei oder vier - oder auch noch mehr - Kapseln Weihrauch einnehmen und Sie finden zwei davon bei ihren zahlreichen Toilettengängen wieder, können Sie davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der Wirkstoffmenge wirklich da ankommt, wo sie hin soll. Wenn ein entzündungshemmender Stoff nicht resorbiert wird, kann er die Entzündung auch nicht kennen. Das gilt natürlich nicht nur für Naturheilmittel, sondern auch für medizinische Standardmedikamente. Meiner Beobachtung nach kommt es bei Mesalazin und Azathioprin häufiger vor als bei Kortison - was sicherlich auch an der Darreichungsform liegt. Tabletten lösen sich eher im Verdauungstrakt auf als Kapseln, die zumeist aus Zellulose bestehen und sowohl bei schneller Darmpassage als auch bei fehlenden Enzymen schwer zu knacken sind.

 

Sollten Sie deswegen mehr vom natürlichen Wirkstoff einnehmen?

 

Während ich für medizinische Standard Medikamente ganz klar sagen würde: nein! – sprechen Sie die Einnahme unbedingt immer mit Ihrem behandelnden Arzt ab! - Sollte man theoretisch annehmen, dass man die Wirkstoffdosis der natürlichen Arzneien wie Weihrauch oder Activomin am besten erhöhen sollte, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen.

 

Ich rate davon ab.

 

Einfach mehr Tabletten schlucken ist auch in der Naturheilkunde nicht die Lösung. Sollten Sie tatsächlich zu den bedauernswerten Menschen gehören, die in ihrem Stuhlgang ganze Kapseln vorfinden, empfehle ich eine andere Vorgehensweise. Die drei Tipps können - je nach Lage - helfen:

 

„Fletchern“: Horace Fletcher war ein Arzt, der der Ansicht war, dass die meisten übel unzureichender Verdauung, aber auch von Übergewicht und Zivilisationskrankheiten schlicht und ergreifend auf ungenügendem Kauen beruhen. Er empfahl, die Nahrungsmittel so lange zu kauen, bis sie im Mund quasi flüssig sind. Das vereinfacht dem Verdauungstrakt die Aufschließung der Nährstoffe und lässt ihm mehr Kapazität, mit Medikamenten verabreichte Wirkstoffe aufzunehmen.

 

Das Enzymsystem anregen: magensaftstimulierende Mittel oder Präparate wie das afrikanische Okoubaka regen das Enzymsystem an und sorgen für eine verbesserte Nährstoffaufnahme. Der Effekt ist so ähnlich wie beim Fletchern. Der Vorteil ist, dass man nicht endlos lange kauen muss, der Nachteil: Enzyme werden nur von 30-40 % aller Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung gut toleriert.

 

Piperin: Piperin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der in Pfeffer vorkommt. Mixt man geringe Mengen davon mit verschiedenen pflanzlichen Wirkstoffen, so wird deren Aufnahme in den Organismus um das mehrfache verbessert. Theoretisch ist die Methode ideal, sie hat allerdings drei Nachteile: erstens nützt sie nichts, wenn der Organismus Zellulosekapseln nicht auflösen kann, zweitens: der Wirkstoff muss mit dem eigentlichen Arzneimittel in einer Kapsel vereint sein. Nur wenige Hersteller tun dies. Drittens: Piperin kann bei manchen Sodbrennen auslösen.

 

Fazit: nach Abwägung aller Pros und Contras halte ich die Fletcher-Methode für die vernünftigste! Und wie gesagt: es dauert nicht sehr lange, bis der Körper darauf reagiert!

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