Morbus Crohn – Colitis ulcerosa: die Grenzen der Nahrungsergänzung (Teil 2)

(Fortsetzung von Teil 1)

 

Bestimmte Vitamine und Aminosäuren in Kombination liefern die Rohstoffe zu Bildung dessen, was man wissenschaftlich-Schlauch so schön als inhibitorische Neurotransmitter bezeichnet. Etwas weniger kompliziert: beruhigende Nervenbotenstoffe. Kann es sein, dass genau diese Stoffe dem Organismus fehlen, wenn der Darm in seinen Möglichkeiten von vornherein eingeschränkt ist?

 

Ich habe mir lange über diese Fragestellung Gedanken gemacht und die Antwort ist: teilweise.

 

Ich habe mich bereits in einigen Blogeinträgen über das Thema „oxidativer und nitrosativer Stress und seine Auswirkungen auf die Schleimhäute“ ausgelassen. Ich vermute, hierbei handelt es sich um einen der zentralen Faktoren, die dafür sorgen, dass ein Morbus Crohn bzw. eine Colitis ulcerosa nicht nur entstehen, sondern auch bleiben. Das Ganze muss man sich so vorstellen:

 

Vor dem Beginn der ersten ernsthaften Krankheitssymptome ist die Darmschleimhaut bereits geschädigt…

 

Wie bereits einige Male erwähnt, haben Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen fast immer eine Vorgeschichte im Schleimhautbereich mit immunologischer Komponente. Es braucht nicht viel dazu, sich auszumalen, dass zu diesem Zeitpunkt die Darmschleimhaut bereits beeinträchtigt ist. Geht die Nährstoffaufnahme hier bereits zurück, bzw. - was viel wichtiger ist - werden bestimmte Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen (Vitamin B 12 beispielsweise gehört dazu!), Werden dämpfende Nervenbotenstoffe immer weniger gebildet, es kommt zu einer Reizung des vegetativen Nervensystems. Dieser Stresszustand führt an den Schleimhäuten des Körpers zu weiterer Degeneration, Atrophie und mehr Mangelerscheinungen. Ein Teufelskreislauf entsteht.

 

Warum auch langfristige Mikronährstofftherapie den Teufelskreislauf nicht vollständig brechen kann

 

Da mag man sich denken: wenn ich nur die richtigen Nährstoffe in konzentrierter Form zu mir nehme, die notwendig sind, diese Nervenbotenstoffe zu bilden, könnte ich den Teufelskreislauf doch brechen? Das sollte man annehmen, hat sich in der Praxis aber leider nicht oder nur zu einem kleinen Teil bestätigt. Im entzündeten Darm werden auch Nahrungsergänzungen nicht so gut resorbiert, wie man annehmen könnte. Aber das ist nur ein Teil der Gleichung. Auf der anderen Seite bin ich davon überzeugt, dass die Übertragungswege für dämpfende Nervenbotenstoffe - die dem Körper und insbesondere den Schleimhäuten eine Entspannung und Erholung bringen könnten - blockiert sind. Hier sehe ich die Entzündung an sich und die Faktoren, die an ihr beteiligt sind, als Problem an.

Die Entzündung an sich kann ich das alleinige Problem sein: ansonsten wäre die Nuss mit einem entzündungshemmenden Präparat aus der Medizin, wie beispielsweise Kortison oder den Biologika, in Kombination mit Nahrungsergänzung, zu knacken. Deswegen ist es das Hauptziel einer Therapie, im Organismus vorhandene Fernwirkungen auf die Schleimhäute, auf die Entzündungsreaktion und Wechselwirkungen zwischen dem Darm und anderen Organen zu ermitteln und zu behandeln. Hier ist die ganzheitliche Medizin gefragt.

 

Allerdings hat auch der Heilpraktiker hier seine Grenzen…

 

Sollte ein organischer Herd vorliegen, der den Darm quasi an seiner Heilung hindert, so muss dieser fachgerecht von einem Arzt saniert werden: beispielsweise ein toter Zahn, komplett vereiterte und verkümmerte Mandeln, usw.

 

Die Aufgabe eines Heilpraktikers wäre es beispielsweise, hierdurch entstandene Toxine im Körper zu mobilisieren und aus dem Körper heraus zu schaffen. Dazu reicht Nahrungsergänzung alleine nicht aus. In der Pflanzenheilkunde und der Komplex- Homöopathie gibt es etliche Mittel, die diese Aufgabe bewerkstelligen können.

 

Das funktioniert allerdings nur, wenn der Patient die Erschütterungen einer Ausleitung verkraften kann. Besteht gerade eine akute Entzündung, ist dies in aller Regel nicht der Fall. Daher sollte man zunächst „stärken und beruhigen“.

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