Crohn und Colitis: seien Sie vorsichtig mit Colon-Hydro-Therapie!

Colon-Hydro-Therapie ist durchaus eine geeignete Methode aus der Naturheilkunde für bestimmte Zustände: dazu zählen chronische, hartnäckige Verstopfung und viele degenerativen Zivilisationskrankheiten. So können beispielsweise Diabetiker, Arthrose-Patienten, auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen bei Abwägung von Indikation und Kontraindikation auf von einer Darmreinigung profitieren.

 

Aber was ist beispielsweise mit Morbus-Crohn- und Colitis-ulcerosa-Patienten?

 

Diese Patienten leiden ja schon zumeist unter Durchfall. Allerdings ist es ein Irrglaube, anzunehmen, dass sich der Darm dadurch ständig „selbst reinigt“. Das Problem liegt auf einer ganz anderen Ebene…

 

Erstens: die Entzündung im Dickdarm

 

eine Colon-Hydro-Therapie ist etwas ganz anderes, als wenn Sie sich beispielsweise mit einem Abführtrunk auf eine Darmspiegelung vorbereiten. Der Darm wird sozusagen in mehreren Spülgängen durchgespült und alte Ablagerungen in den so genannten „Haustren“, den Ausstülpungen der Darmwand, werden gelöst. Durch eine Bauchmassage wird dieser Lösungsvorgang noch verstärkt. Dabei ist die Darmwand natürlich einem gehörigen Druck ausgesetzt. Bei entsprechenden akuten Entzündungen und eventuell Anschwellungen des lymphatischen Apparates um den Darm herum kann das zu einem Risiko werden. Ein Riss dürfte zwar die absolute Ausnahme sein, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Deswegen ist bei einem akuten Entzündungsschub die Colon-Hydro-Therapie keinesfalls zu empfehlen.

 

Zweitens: die Darmflora

 

auch in einem entzündeten Dickdarm ist sie Darmflora nicht zu 100 % schlecht. Ich habe es dann und wann erlebt, dass Patienten mir berichteten, dass sie nach einer Darmspiegelung bestimmte Dinge nicht mehr vortrugen, die sie vorher einwandfrei vertragen haben. Dieses „nicht mehr vertragen“ bezieht sich in erster Linie auf Rohkost und ballaststoffreiche Nahrungsmittel, wie etwa Gemüse, Salate und Beeren.

 

Es ist zwar eine Hypothese von mir, aber sie ist nahe liegend: es gibt im Dickdarm eine Bakteriengattung, die dabei hilft, grobe Ballaststoffe zu verwerten. Es liegt nahe, dass diese Bakterien unter einer „Spülung“ am meisten zu leiden haben. Sie wieder „aufzuforsten“ ist nicht leicht.

 

Drittens: der Rhythmus

 

Selbst wenn Sie sich im Moment der Darmspülung in einer guten Phase befinden sollten und eine einigermaßen regelmäßige Stuhlentleerung haben sollten, kann sich die Darmspülung irritierend auf das System legen. Eigentlich benötigt der Dickdarm nämlich erst einmal 2-3 Tage Zeit, um sich wieder so zu füllen, dass eine normale Stuhlentleerung stattfindet. Dann kann es meiner Erfahrung nach vor allen Dingen bei Colitis-ulcerosa-Patienten zu unregelmäßigen Zwischenentleerungen kommen, die dann meist nur aus ein bisschen Schleim bzw. abgeschabter Schleimhaut bestehen.

 

Dies kann zum Eindruck führen, ein neuer Schub bahne sich an. Auch in einem guten Zustand kann das Unterbrechen des normalen Rhythmus sehr selten der Entzündung verschlimmern, die Gefahr ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen.

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