Morbus Crohn: können Mangelerscheinungen, die nicht erkannt werden, den Ausbruch einer Crohn-Krankheit begünstigen?

Bei Morbus Crohn sind ab Verläufen einer bestimmten Stärke Mangelerscheinungen möglich

 

Als Morbus-Crohn-Patient kennen Sie das vielleicht: ein Arzt würde einem Gesunden nie empfehlen, bestimmte Vitaminkuren auf sich zu nehmen. Doch einem Morbus-Crohn-Patienten wird entweder zur Einnahme oder sogar zur Injektion von Vitamin-bzw. Nährstoffpräparaten geraten. Sie können an einer Mangelerscheinung leiden, weil sie bestimmte Dinge einfach nicht richtig aus der Nahrung aufnehmen oder aber weil Sie aus Angst vor Beschwerden zu wenig essen oder sehr einseitig essen.

 

Aber: können vor dem Ausbruch der Erkrankung bereits bestimmte Mangelerscheinungen vorliegen, die die Erkrankung begünstigen?

 

Beinahe täglich liest man in der medizinischen Forschung von Meldungen, dass bei Morbus Crohn ein bestimmtes Enzym fehlt, ein bestimmter Eiweißbaustein und dass hierdurch wiederum Entzündungsmarker nicht gehemmt werden, verstärkt auftreten und eine Entzündung der Darmschleimhaut bzw. des gesamten Darms provozieren.

 

Bis vor kurzem wurden in Forschungsarbeiten regelmäßig bestimmte Gene für diese Probleme verantwortlich gemacht. Mittlerweile liest man immer häufiger, dass bestimmte Umstände auf diese Gene einwirken bzw. sie verändern. Die Wissenschaft, die solche Veränderungen erfasst, nennt man Epigenetik.

 

Die Verdachtszeichen mehren sich, dass sich hier die Katze in den Schwanz beißt

 

Denn um diese Enzyme und Eiweißbausteine herzustellen, benötigt der Körper Aminosäuren und Spurenelemente. Diese werden in handelsüblichen Nahrungsergänzungen nicht unbedingt berücksichtigt. Gerade wenn Darmpatienten in der klinischen Vorgeschichte Allergiker waren bzw. sind, an Neurodermitis leiden oder gar allergisches Asthma oder Psoriasis in ihrer Vorgeschichte haben, weist dies auf Probleme der Darmschleimhaut-Barriere hin, die schon vor Ausbruch der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung bestanden haben.

 

Manche Aminosäuren kommen in Nahrungsmitteln vor, die manche Patienten selten oder gar nicht konsumieren. Spurenelemente sind ein ziemlich schwieriges Thema. Wenn dazu noch kleinere, mikroskopische Störungen in der Darmschleimhaut kommen, kann es tatsächlich zu einer Mangelsituation kommen welche die Entzündung erst in Gang setzt.

 

Sind Allergien und manche Autoimmunerkrankungen eigentlich Hinweise auf eine Darmstörung?

 

In vielen Fällen ist es so. Neurodermitis nannte man früher auch Milchschorf und deutete damit eine Unverträglichkeit bestimmter Komponenten der Milch an. Nahrungsmittelunverträglichkeiten und natürlich erst recht Allergien „bedürfen“ einer geschwächten Darmschleimhaut. Die Folge dieser Unverträglichkeiten bzw. Allergien wiederum ist eine verminderte Aufnahme von bestimmten Nährstoffen. Wichtig dabei ist: die Symptome müssen sich nicht unbedingt am Darm zeigen.

 

Auch eine Immunschwäche kann ein Zeichen dafür sein. Denken Sie einmal an Erkältungen und Infekte im Bereich der Nebenhöhlen und der Ohren, aber auch der Blase, die nach Antibiotikabehandlungen häufiger und stärker werden: das Immunsystem ist geschwächt, weil die Darmflora sich durch die Antibiotikabelastung verändert hat oder geschädigt wurde. Dadurch wird auch die Koordination zwischen Flora und Schleimhaut verschlechtert, was die Nährstoffaufnahme angeht.

 

Sie sehen also: man kann tatsächlich in unserer Überflussgesellschaft eine Mangelerscheinungen erleiden. Und das öfter, als man denkt!

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