Crohn / Colitis: wieso bekommt man bei der Einnahme von 5-htp Durchfall?

Serotonin-Precursor 5-Hydroxy-Tryptophan kann Durchfall erzeugen…

 

Freies Serotonin als Hormon, dass gute Gefühle erzeugt im Gehirn ist eine Sache. Freies Serotonin im Darm jedoch eine ganz andere…

 

Als Gewebshormon andere Aufgaben…

 

Da lernt man leicht die unangenehmen Seiten von Serotonin kennen: als ich vor ein paar Jahren im Frühjahr im Mittelmeer geschwommen bin, bin ich aus Versehen auf ein „Petermännchen“ getreten. Die Fische mit dem putzigen Namen und dem - Verzeihung! - Etwas dümmlichen Gesichtsausdruck zählen zu den giftigen Tieren in Europa. Was die Beschwerden macht ist neben Enzymen, die Eiweiß auflösen vor allen Dingen Serotonin und Histamin. Histamin Macht Rötung und Schwellung, Serotonin löst den Schmerz aus. In meinem Fall war der nicht von Pappe.

Es kommt eben nicht nur darauf an, wie viel es ist, sondern wo es ist.

 

Serotonin beteiligt an Entzündungsprozessen?

 

Mehrere Studien - zum Beispiel aus Kanada bringen anhand von Mäusen, die durch eine Substanz eine künstliche Colitis erzeugt bekamen, nahe, dass Serotonin beteiligt ist am Entzündungsprozess. Bei den Mäusen, die genetisch bedingt mehr Serotonin im Darm freisetzen, waren auch die Entzündungsmediatoren (-vermittler) erhöht. Im Detail ist das ziemlich kompliziert und würde auch zu weit führen. Wen es interessiert: hier ein Überblick über die Studien auf Englisch:

 

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2940144/

 

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3069907/

 

Ist Serotonin in diesem Zusammenhang wirklich „schlecht“?

 

Ich habe da so meine Zweifel. Schließlich geht es hier um Abwehrprozesse. Den oben genannten Mäusen wurde eine Lösung mit dem Wasser gegeben, die eine künstliche Colitis auslöst. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Vergiftung, die eine Entzündung auslöst. Die ursprüngliche „Idee“ einer Entzündung - und das wird oft außer Acht gelassen - ist die, den Organismus von etwas zu befreien oder vor etwas zu schützen. Schlimm wie eine chronische Darmentzündung ist - losgelöst von jeglicher Emotion können wir von einem „Rettungsversuch“ des Körpers ausgehen. Einem Schutzmechanismus, der Schlimmeres verhindern soll. Wenn wir Serotonin mit seinen Beziehungen in diesen Mechanismus ein Flechten, macht es eigentlich nichts Schlimmes sondern verstärkt vielmehr die Bemühungen des Organismus, sich selbst zu schützen.

 

Serotonin und das autonome Nervensystem

 

Ohne es jetzt zu komplex werden zu lassen: Serotonin stärkt bzw. regt bestimmte Prozesse an, die den Parasympathikus verstärken. So wird beispielsweise der Sphinctertonus von Magenausgang und Darmausgang verringert, die Peristaltik und die Grundspannung in der glatten Muskulatur werden erhöht. Die Folge ist Durchfall. Man ist sich ziemlich sicher, dass Serotonin als freies Gewebshormon auch beim nicht entzündlichen Reizdarm-Syndrom beteiligt ist!

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