Warum Menschen aus verschiedenen Lebensbedingungen heraus eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung entwickeln können

Ein selbst ernannter „Gesundheitsexperte“, der in Wirklichkeit aber nicht sehr viel Ahnung hat, soll einmal gesagt haben, dass die Auswahl der Nahrungsmittel bestimme, welche Zivilisationskrankheiten man letztendlich bekommt. Demnach führen Brötchen mit Aprikosenmarmelade zu Colitis ulcerosa, Pommes Frites zu Multiple Sklerose, rotes Fleisch zu Rheuma usw.

 

Dass das natürlich ausgemachter Schmarrn ist, kann ich nach mittlerweile mehreren Hundert Darmpatienten, die ich behandelt habe - denke ich - beurteilen. Jemand, der viel Fleisch isst und immer sehr herzhaft speist, kann genauso gut Morbus Crohn bekommen wie jemand, der fast ausschließlich von Kohlehydraten lebt.

 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können, wie jede andere Krankheit auch, aus den verschiedensten Stoffwechsellagen heraus entstehen.

 

Wenn aus Freund plötzlich Feind wird

 

Enterococcus faecalis ist ein an sich harmloses Darmbakterium, das mit Sicherheit in keiner menschlichen Darmflora fehlt. Unter bestimmten Bedingungen kann es allerdings entzündungsfördernd wirken. Dies wurde vor kurzem von der Technische Universität München untersucht. Bestimmte Gene wirken dämpfend auf „Zellstress“ (in diesem Fall nitrosativen Stress) ein, der von bestimmten Eiweißbausteinen ausgelöst wird. Ist dieses Gen defekt, können die oben genannten Darmbakterien an entzündungsfördernden Prozessen beteiligt sein.

 

Enterococcus faecalis sind recht anpassungsfähig und besetzen eine große ökologische Nische. Wird die Darmflora an Arten ärmer, beispielsweise durch schlechte Ernährung, kann sie sich auf Kosten dieser ausbreiten. E. faecalis toleriert auch einen zu basischen Darm, der oftmals durch eine langfristig eiweißreiche Ernährung ausgelöst wird. Auch bei einseitiger, kohlenhydratlastiger Ernährung kann er sich ausbreiten.

 

Was ein Typ für Nahrung bevorzugt, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab

 

Der Enzymhaushalt, das vegetative Nervensystem und die Darmflora können unseren Appetit auf bestimmte Speisen steuern. Ruminococcus verlangt nach faserreicher Kost, Firmicutes mag es eher einfach und mit eher wenig Ballaststoffen. Die verschiedenen Keimstämme der Darmflora können sich an eine Ernährungsumstellung anpassen und steuern verschiedene Faktoren, beispielsweise das Gewicht, die Neigung zu Entzündungen usw. Je einseitiger die Darmflora, d.h. je weniger Arten Sie enthält, umso unflexibler wird das System. Nach neuesten Erkenntnissen sind auch immer wiederkehrende Heißhungerattacken darauf zurückzuführen.

 

Dass Enterococcus faecalis das (angeblich) entzündungsfördernde Enzym Gelatinase ausscheidet, ist mittlerweile bekannt. Da dieses Bakterium allerdings auf eine große Bandbreite an Lebensbedingungen im Darm eingestellt ist, bestimmen eben nicht nur die Gene, sondern auch der Rest der Darmflora und natürlich auch das Milieu insgesamt, ob es diese Eigenschaften entfalten kann oder nicht!

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