Anämie ist nicht gleich Anämie! (Teil 2)

Neben dem MCV, dem mittleren Zellvolumen von roten Blutkörperchen ist auch noch der MCHC (der Hämoglobingehalt im Verhältnis zur Größe der roten Blutkörperchen) ein wichtiger Wert zur Bestimmung einer Anämie. Normalerweise ist dieser Wert bemerkenswert stabil. Und zwar ist es so stabil, dass er zur Eichung von Messgeräten im Labor benutzt wird. Dennoch können die Werte von der Norm abweichen. Die durchschnittlichen Werte für den MCHC liegen übrigens zwischen 32 und 26 g pro Deziliter Erythrozyten

 

Ist der MCHC erhöht, ist der Fall eindeutig: eine Erhöhung des Wertes Komfort bei einer starken Austrocknung des Körpers, etwa nach lang andauernden, starken Durchfällen. Hier muss dringend das geschehen, was man in der Medizin so schön als „Volumenauffüllung“ bezeichnet.

 

Ist der MCHC hingegen erniedrigt, deutet das auf eine sehr schwere Eisenmangelanämie in. Beispielsweise durch einen hohen Blutverlust durch blutige Durchfälle. Bei der Erscheinungen sind Gott sei Dank relativ selten und benötigen einen akutmedizinischen Eingriff.

 

Wie fühlen Sie sich?

 

Mit erniedrigten Hämoglobinwerten kann man sich bis zu einem Wert von 10 noch einigermaßen normal fühlen. Ich habe in der Praxis allerdings auch schon Patienten beobachtet, die bei einem phänomenal niedrigen Hämoglobinwert von 7 oder 6 einen einigermaßen normalen Eindruck gemacht haben. Das ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt wahrscheinlich auch ein bisschen vom normalen Ausgangswert ab. Ich würde auch bei Werten um 10 auch nicht gleich eingreifen wollen in dem Sinne, dass eine Substitutionstherapie mit Eisen bzw. B-Vitaminen vorgenommen wird. Sondern ich würde bei solchen grenzwertigen Blutbildern immer noch eher die Grunderkrankung, sprich: die Entzündung behandeln.

 

B-Vitamine kann man eigentlich immer, zum Beispiel intravenös oder intramuskulär, per Injektion verabreichen. Eine Substitution mit Eisen würde ich erst dann vornehmen, wenn der Wert niedriger ist und der MCV wirklich auf einen Eisenmangel hindeutet, und sich der Patient natürlich in einer entsprechend schlechten Verfassung befindet bzw. seine entzündlichen Symptome nicht los wird.

 

Ferritin-Wert reagiert nur sehr langsam!

 

Ich habe auch schon des Öfteren beobachtet, dass der Ferritin-Wert (Eisenspeicher) nur sehr langsam auf eine Therapie mit Eisen reagiert. Also bitte nicht wundern, wenn der Wert sechs Wochen nach Beginn von Eiseninfusionen immer noch erniedrigt ist!

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